Jetzt sind die Würfel gefallen. Nach dem Verlust des Titels Kreisstadt vor mehr als 40 Jahren verlässt mit dem Archiv die letzte große Kreiseinrichtung die Stadt Kempen in Richtung Viersen. Zeit, um nach dem teils hitzigen Streit zwischen Stadt und Kreis Bilanz zu ziehen.

Wenn der erste Schock über diesen Prestigeverlust verdaut ist, sollten sich die Kempener Politiker und Bürger eines verdeutlichen: Der Wegzug des Kreisarchives wird der Stadt nicht wehtun. Schließlich ist so ein Archiv in erster Linie eine Zweckeinrichtung, in der zum Beispiel Bauanträge oder sonstige nicht wirklich spannende Unterlagen liegen. Schon der Verlust des Status Kreisstadt vor mehr als vier Jahrzehnten hat Kempen alles andere als geschadet. Aus einer Beamten- ist eine florierende Dienstleistungs- und Einkaufstadt geworden. Allein der Blick in die Innenstädte zeigt: Kempen ist wirtschaftlich besser aufgestellt, schöner und attraktiver als Viersen. Das wird auch ohne Archiv so bleiben.

Bei der Prüfung einer Herauslösung des Kempener Stadt- aus dem Kreisarchiv sollten Politik und Verwaltung nun mit Bedacht vorgehen. Es hat keinen Zweck, dass aus der Emotion heraus entschieden wird, ein eigenes Archiv zu betreiben. Mit Blick auf die Zahlen dürfte schnell klar sein, dass man zusätzliche Aufwendungen für Personal und Gebäude dem Steuerzahler nicht zumuten darf. Die Pflichtaufgabe Archivierung kann man auch unter dem Dach des Kreises in Viersen erfüllen.

Um den besonderen historischen Wert einzelner Akten und Urkunden lässt sich sicher verhandeln. Es wäre doch prima, wenn zum Beispiel die Urkunde zur Stadtrechtsverleihung von 1284 künftig im Kramer-Museum ausgestellt wird. Verbunden mit der Geschichte, dass diese Urkunde nach dem Zweiten Weltkrieg von einem Soldaten mit in die USA genommen wurde. Um dann 1984 in Chicago entdeckt und mit Hilfe von Sponsoren zurück nach Kempen geholt zu werden. So eine Geschichte kann in einem Museum viel besser erzählt werden als in einem Archiv.

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