Alle 25 Bäume werden gefällt. Die Stadt ist gesprächsbereit, bleibt aber in der Sache hart.

Die Baggerschaufel schnappt sich die kippende Birke auf der Birkenallee: Die Arbeiter mussten am Samstag ihre Holzfäll-Aktion abbrechen, weil die Anwohner eingeschritten sind.
Die Baggerschaufel schnappt sich die kippende Birke auf der Birkenallee: Die Arbeiter mussten am Samstag ihre Holzfäll-Aktion abbrechen, weil die Anwohner eingeschritten sind.

Die Baggerschaufel schnappt sich die kippende Birke auf der Birkenallee: Die Arbeiter mussten am Samstag ihre Holzfäll-Aktion abbrechen, weil die Anwohner eingeschritten sind.

Kurt Lübke

Die Baggerschaufel schnappt sich die kippende Birke auf der Birkenallee: Die Arbeiter mussten am Samstag ihre Holzfäll-Aktion abbrechen, weil die Anwohner eingeschritten sind.

Kempen. Die sechs Bäume auf der Birkenallee sind am Samstag aufgrund einer Panne gefällt worden. Die Stadt lässt aber keinen Zweifel daran, dass es bei der Marschroute bleibt: 25 Gehölze müssen bis März auf der Allee fallen.

"Ich bin sehr darüber verärgert, dass die Firma schon am Samstag mit dem Abholzen begonnen hat", sagte am Montagnachmittag Stephan Kahl, der Technische Dezernent im Kempener Rathaus. Die Absprache sei gewesen, dass nach der Sitzung des Planungsausschusses am vergangenen Montag erst das Tiefbauamt informiert werden müsse, bevor die Arbeiter mit der Kettensäge zur Tat schreiten. "Es ist aber kein Anruf bei uns eingegangen."

"Dann finden sich Radler auf der Kühlerhaube."

Stephan Kahl, Dezernent, zum Anwohner-Vorschlag

Am Samstag waren die Anwohner der Allee Sturm gelaufen gegen die Arbeiter, als plötzlich die Säge aufheulte und das erste halbe Dutzend Birken kippte. Sie fühlten sich vor vollendete Tatsachen gestellt. Die Stadt hatte weitere Gesprächsbereitschaft vor dem Abholzen signalisiert. Kahl: "Das ist auch so. Diese Gespräche werden in der nächsten Woche stattfinden."

Zur politisch abgesegneten Stadt-Lösung für die Birkenallee sieht Kahl allerdings keine Alternative. "Der Beschluss im Planungsausschuss ist bereits am 21. März 2000 einstimmig gefasst worden." Dieser Beschluss sehe im Zuge der Umsetzung einer Velo-Route vor, dass die auf der stadteinwärts liegenden Seite im Abschnitt Eichendorffstraße bis Mülhauser Weg 25 Birken auf dem kombinierten Geh-/Radweg weggenommen werden.

Auf der 4,50 Meter breiten Straße entsteht dann beidseitig ein jeweils 1,25 Meter breiter Angebotsstreifen für Radfahrer.

Ein Angebotsstreifen ist 1,25 Meter breit und durch eine gestrichelte Linie auf der Straße markiert. Alle paar 100 Meter gibt es Piktogramme auf der Straße.

Der Angebotsstreifen darf von den Autofahrern genutzt werden, wenn sich dort keine Radler befinden- ansonsten gehört der Streifen den Radlern. Im Fall der engen Birkenallee dürfte es gängige Praxis werden, dass die Pkw auf den Streifen ausweichen müssen.

Ein Angebotsstreifen darf laut Straßenverkehrsordnung nicht farblich vom Rest der Straße unterschieden werden, beispielsweise durch Rot auf dem Asphalt.

Das Radverkehrskonzept dieser westlichen Nord-Süd-Achse umfasst auch die bereits umgesetzten Kreisel Mülhauser Straße und Am Stadtgarten sowie die Zebrastreifen an Hospital und Duesberg-Gymnasium.

Die Maßnahme kostet 615.000 Euro. Davon trägt das Land 75 Prozent.

Laut Kahl habe es im Juni 1997 und im Februar 2000 Bürger-Infos gegeben, bei denen die kritischen Punkte auf die Tagesordnung gekommen seien. "Schon damals wurden Aspekte wie Sicherheit oder Verkehrsführung ausführlich diskutiert." Und weil die Stadt um die Brisanz des Themas wisse, habe man es deshalb erneut öffentlich im Planungsausschuss besprochen.

Die Birkenallee auch künftig als Kombi-Weg für Radler und Fußgänger auszuweisen- allerdings dann ohne Birken- sei laut Kahl nicht erlaubt: "Dafür braucht es eine Breite von 3,50 Meter für diesen kombinierten Weg." Die Anwohner hatten diese Lösung ins Feld geführt, weil die Radfahrer dadurch vom Autoverkehr getrennt seien- und auf der sicheren Seite.

Auch eine Umsetzung als Fußweg mit Duldung der Radfahrer ist laut Kahl aus Sicherheitsgründen nicht akzeptabel: "Dann finden sich Radler auf der Kühlerhaube von Anwohner-Autos, die aus der Einfahrt rollen."

Der Technische Dezernent teilt nicht die Bedenken der Anwohner, dass ein zweiter Angebotsstreifen eine Gefahrenquelle für Radfahrer sei. Das müsse sich einspielen.

Tempo 30, ebenfalls Wunsch aus der Birkenallee-Anwohnerschaft, sei auf dieser vielbefahrenen Straße ohnehin kein Thema. Die Allee sei die einzige Nord-West-Achse im Westteil der Stadt und könne nicht als verkehrsberuhigte Straße geführt werden. Zumal sich an dieser Verbindung wichtige Stationen wie Schule, Schwimmbad und Krankenhaus befinden.

Immerhin ein Aspekt sei für die Stadt, dass die Birken auf der Birkenallee keinen angemessenen Lebensraum haben. Auch die jetzt weggenommenen sechs Bäume seien "in einem schlechten Zustand gewesen", so Kahl.

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