Unkontrollierter Urin-Verlust soll kein Tabuthema sein.

Dr.Hajo Wilkens leitet die Kempener Gynäkologie.
Dr.Hajo Wilkens leitet die Kempener Gynäkologie.

Dr.Hajo Wilkens leitet die Kempener Gynäkologie.

Dr.Hajo Wilkens leitet die Kempener Gynäkologie.

Kempen. "Wir wollen Mut machen, die Tabuisierung zu überwinden", sagt Dr. Hajo Wilkens, Chefarzt der Abteilung Gynäkologie und Frauenheilkunde im Kempener Hospital zum Heiligen Geist. Zusammen mit seinem Kollegen Dr. Bruno Wirth, Chefarzt der Urologie-Abteilung, sowie niedergelassenen Ärzten und Physiotherapeuten aus Kempen will der Mediziner auf ein weit verbreitetes Problem aufmerksam machen: Inkontinenz. Anlass dazu gibt die Welt Kontinenz Woche, die vom 22. bis 28.Juni von der International Continence Society ausgerufen wurde.

"Auch junge Frauen kennen das Problem."

Frauen sind von diesem unkontrolliertem Verlust von Urin meist stärker betroffen als Männer. "Man kann sagen, dass jede dritte Frau in ihrem Leben von der Inkontinenz betroffen ist", so Wilkens.

Es sei ein weit verbreiteter Irrglaube, dass die Blasenschwäche nur ältere Frauen betreffe. "Auch junge Frauen kennen das Problem", erklärt Wilkens. "So leiden zum Beispiel 27 Prozent der Frauen zwischen 25 und 29 an einer Belastungsinkontinenz, dem unwillkürlichen Harnverlust bei körperlichen Belastungen, Husten, Niesen oder Lachen."

"In der Öffentlichkeit wird das Problem oft als normal vermittelt", bemängelt Bruno Wirth. "Deshalb sucht ein Großteil der Patientinnen keinen Arzt auf." Während dieser Woche wollen die Spezialisten nun bewirken, dass Inkontinenz von der Öffentlichkeit als das wahrgenommen wird, was sie ist: ein ganz normales Problem.

"Betroffene sollen wissen, dass es sich lohnt, zum Arzt zu gehen, weil alles Formen der Inkontinenz einfach zu diagnostizieren, oft gut zu behandeln und in den meisten Fällen sogar vollkommen zu heilen sind", so Wirth.

Jedoch warnt Dr. Michael Kämmerling, Facharzt für Urologie im Kempener Arnoldhaus, Patienten davor, eine "ad-hoc-erfolgreiche Therapie" zu erwarten. "Manche Dinge brauchen viel Zeit, Geduld und Mitarbeit der Patienten - so eine Behandlung kann sehr komplex sein."

Die Therapie gleiche einem Stufenkonzept: Belastungsinkontinenz kann häufig mit einem Training der Beckenbodenmuskulatur oder medikamentös behandelt werden. In schweren Fällen stünden schonende Eingriffe ohne Bauschschnitt zur Verfügung. Diese Eingriffe können unter örtlicher Betäubung vorgenommen werden und dauern knapp 20 Minuten. Für 97 Prozent aller Patientinnen sei unkontrollierter Harnverlust danach ein Thema der Vergangenheit - auch bei stärkeren Belastungen und beim Sport.

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