Diskussion: Der Alkoholkonsum der Jugend war Thema bei der Kolpingsfamilie. Polizei, Ärzte und Jugendamt informierten in Lobberich.

Ausufernder Alkoholkonsum bei Jugendlichen entwickelt sich immer mehr zum Problem.
Ausufernder Alkoholkonsum bei Jugendlichen entwickelt sich immer mehr zum Problem.

Ausufernder Alkoholkonsum bei Jugendlichen entwickelt sich immer mehr zum Problem.

Ausufernder Alkoholkonsum bei Jugendlichen entwickelt sich immer mehr zum Problem.

Lobberich. Flatrate-Saufen, torkelnd vom Schützenfest nach Hause gehen und der erste Vollrausch mit 14 Jahren - ist das normal? Unter dem Titel "Nur voll toll" wurde am Montagabend im Pfarrheim "Die Brücke" die Rolle des Alkohols in der Gesellschaft diskutiert. Veranstalter waren die Kolpingsfamilie Lobberich und die Kolpingjugend im Diözesanverband Aachen.

"Man kriegt Jugendliche nicht mehr über die Gesundheitsschiene."

Michael Brauer, Polizist

Michael Brauer von der Polizei stellte gleich zu Anfang der Diskussion die Grenzen des Alkoholkonsums klar: "Es geht zu weit, wenn der Grund des Trinkens nicht mehr Genuss ist, sondern Betäubung." Mittlerweile setzt die Polizei bei Schulaktionen auf die Jüngeren, um schon hier Aufklärungsarbeit zu leisten. Brauer findet es erschreckend, dass schon Fünft- und Sechstklässler mehr Rauscherfahrungen haben als manch Erwachsener.

"Man kriegt die Jugendlichen nicht mehr über die Gesundheitsschiene", ist sich Brauer sicher. Er verweist damit auf die Projekttage, die von der Polizei an weiterführenden Schulen im Kreis Viersen organisiert werden. Dabei wird den Teenagern gezeigt, wie schnell es Probleme geben kann und wann das Maß voll ist. "Auf der einen Seite wollen sie cool sein, sich aber auch nicht blamieren", erklärt Brauer.

Silvia Buske, beim Kreisjugendamt für den Bereich Jugendschutz zuständig, hält Vorbeugung für ein großes Thema: "Viele Eltern leben ihren Kindern den schädlichen Alkoholkonsum vor. Dieses Verhalten ginge "durch alle gesellschaftlichen Schichten". Oft sei das fehlende Gespräch zwischen Eltern und Nachwuchs am Alkoholmissbrauch schuld. Buske sieht Handlungsbedarf bei den Eltern: "Sie müssen den Kindern auf der einen Seite Vertrauen geben, aber auch klare Grenzen setzen."

Geredet wurde über Jugendliche- aber nicht mit ihnen

Dass die Grenze zum schädlichen Konsum meist nicht ganz klar ist, machte Dirk Börner deutlich. Der Allgemeinmediziner hält "ein Glas Wein oder Bier am Abend" noch für gesundheitsförderlich. "Das ist jedoch individuell verschieden", so Börner. Schnell steige aber schon bei kleineren Mengen das Krebsrisiko. Gefährdet sei der Bereich vom Mund über die Speiseröhre bis hin zum Magen-Darm-Trakt.

Leider wurde bei der Diskussionsrunde mehr über als mit Jugendlichen geredet. Als einziger Vertreter war Felix Rothstein erschienen. Der 17-jährige Lobbericher, ehrenamtlicher Mitarbeiter im Jugendheim "Arche" und Gruppenleiter bei der Kolpingjugend, kennt viele Gleichaltrige, die bereits starke Probleme mit übermäßigem Alkoholkonsum haben. Sein Appell: "Es passiert hier noch zu wenig - jeder sollte auffällige Jugendliche direkt ansprechen und ihnen Unterstützung anbieten."

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