Die Stadt hat im „Manythron“ den Raucherclub dicht gemacht. Die Wirte in der Altstadt fürchten neues NRW-Gesetz.

Raucher
Bitte die Zigarette ausmachen! Diese Aufforderung dürfte es im Laufe des Jahres häufiger in den Gaststätten in Deutschland geben.

Bitte die Zigarette ausmachen! Diese Aufforderung dürfte es im Laufe des Jahres häufiger in den Gaststätten in Deutschland geben.

dpa

Bitte die Zigarette ausmachen! Diese Aufforderung dürfte es im Laufe des Jahres häufiger in den Gaststätten in Deutschland geben.

Kempen. „Das ist das letzte!“, empört sich Ralf Violonchi darüber, dass er angezeigt worden ist. Seit kurzem darf in seinem Bistro „Manythron“ am Buttermarkt 9 nicht mehr geraucht werden. „Unser Raucherclub wurde geschlossen. Bei Zuwiderhandlung droht mir eine Geldstrafe“, sagt der Inhaber.

Raucherclub: Hauptzweck muss der Tabakkonsum sein

Kurz vor Weihnachten flatterte ihm ein Schreiben vom Ordnungsamt ins Haus. Darin steht, dass „nach den Vorschriften des Nichtraucherschutzgesetzes ein generelles Rauchverbot“ fürs „Manytrhon“, das über keinen separaten Nichtraucherraum verfügt, gilt. Raucherclubs könnten nur existieren, wenn der Hauptzweck der betriebenen Gaststätte der Tabakkonsum sei.

Aus Sicht der Stadt ist dies im Manythron nicht der Fall: Dort stehe der Verkauf von Speisen und Getränken im Vordergrund. Diese Verschärfung des Gesetzes gilt nach Angaben der Stadt seit April 2011. Mit dem „Fall Violonchi“ musste sich das Amt jetzt befassen, weil eine Anzeige eingegangen ist.

Violonchi vermutet eine Anzeige durch andere Gastronomen

Der „Manythron“-Wirt fühlt sich ungerecht behandelt, vermutet andere Gastronomen hinter der Anzeige. „Warum halten nicht alle zusammen? Kempen ist doch eine tolle Stadt“, sagt er. Nach Angaben des Wirtes gibt es in der Altstadt Kneipen, in denen weiter geraucht wird.

Damit heizt er die Debatte um den Nichtraucherschutz an. Seit Juli 2008 gilt das Gesetz, das vor allem Kinder und Jugendliche vor den Gefahren des Passivrauchens schützen soll. Doch Ausnahmen wie etwa Raucherclubs bildeten sich zu Genüge. Zudem gibt es die Ausnahmeregelung für sogenannte Eckkneipen (unter 75 Quadratmetern).

Am 1. Januar 2008 ist das Nichtraucherschutzgesetz Nordrhein-Westfalen in Kraft getreten, für Gaststätten gilt es seit 1. Juli 2008. Ausnahmen: Raucherclubs und Eckkneipen.

Ein uneingeschränktes Rauchverbot in Gaststätten soll zum konsequenten Schutz von Nichtrauchern in Kraft treten. Der Gesetzentwurf soll bis März vorliegen.

Die Landesregierung will dann auch das Rauchen bei Brauchtumsfesten – zum Beispiel bei Schützen- und Karnevalsveranstaltungen – verbieten. Mehr Infos im Internet: nichtraucherschutz.nrw.de

NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) möchte Nichtraucher zukünftig mit einem uneingeschränkten Rauchverbot in Gaststätten konsequenter schützen. Bis März will die Regierung den entsprechenden Gesetzentwurf vorlegen.

Die Kempener Gastronomen sind mit der derzeitigen Situation zufrieden. Durchs neue Gesetz befürchten sie weniger Umsatz. „Durch den Nichtraucherschutz hatten wir seinerzeit schon bis zu 40 Prozent Einbußen“, sagt Ralf Violonchi. „Das neue Gesetz führt bei Rauchern und Nichtrauchern zu heftigen Streitereien“, ist sich „Treppchen“-Wirt Armin Horst sicher. Und Marion Dohmes vom „Markt-Treff“ (Eckkneipe) am Viehmarkt befürchtet: „Wer zum Rauchen rausgehen muss, ist eventuell laut oder hinterlässt Dreck.“ Das werde zu Problemen führen.

Ordnungsamt: 25 Beschwerden in dreieinhalb Jahren

„Wenn das Gesetz kommt, müssen und werden wir es umsetzen“, sagt Ordnungsamtsleiter Ulrich Eckerleben. In den vergangenen dreieinhalb Jahren gab es etwa 25 Beschwerden rund ums Rauchen. „Eine uneingeschränkte Überwachung ist organisatorisch und personell nicht machbar“, sagt Eckerleben.

„Das Gesetz soll für alle gleich gelten!“

Ralf Violonchi, Inhaber des Manythron

Was das laufende Verfahren mit Violonchi angeht, äußert sich Eckerleben nicht. Doch er spricht den Gastwirten Mut zu: „In anderen europäischen Ländern funktioniert das generelle Verbot auch. Da ist weiterhin in den Gaststätten viel los.“ Violonchi indes hat seine Anwälte mit der Beantwortung des städtischen Schreibens beauftragt. Er sagt: „Das Gesetz soll für alle gleich gelten!“

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