Der närrische Kehr-Aus fällt positiv aus: Es war ein toller Rosenmontagszug. Mit meist vernünftigen Jugendlichen, was Alkoholkonsum betrifft.

Kempen. Am Tag danach ging die närrische Sonne keineswegs unter: Der Rosenmontagszug hinterließ gestern bei den Verantwortlichen strahlende Gesichter. Ein beeindruckender Jecken-Treck mit tollen Kostümen und prächtigen Prunkwagen auf der einen Seite bei keinerlei Ausschreitungen und Verletzungen auf der anderen Seite- Narrenherz, was willst du mehr.

"Ich hatte Pippi in den Augen."

MarianneI., Prinzessin, nach dem Rosenmontagszug

"Es war ein Traum, ich hatte hinterher auf der Bühne in der Köhlerhalle Pippi in den Augen", sagte Prinzessin MarianneI. "Wir haben uns beim jecken Volk zu bedanken- was wäre ein Prinzenpaar ohne diesen Zuspruch", sagte Seine Tollität Peter I. (Croonenbroeck). Jetzt blickt das Prinzenpaar gespannt auf die Benefiz-Gala am 27.Februar im Kolpinghaus, für die u.a. bei Schreibwaren Beckers schon eine Menge Karten à 15Euro verkauft sind. Der Erlös fließt komplett in den Fonds für die Opfer der Erdbebenkatastrophe am 12.Januar in Haiti.

Den undankbarsten Part hatten die Kehrer der Firma Tappe, die seit Mai 2008 Kempens Straßen fegen. Für die Belegschaft war es der erste Kehr-Aus an Rosenmontag, zuvor regelte das Entsorger Schönmackers.

"Die Tappe-Leute haben gute Arbeit geleistet, waren bis abends spät im Einsatz", sagte gestern Stadt-Pressesprecher Christoph Dellmans. Wie groß der Müllberg sei, den das Tappe-Team beseitigt hat, könne allerdings erst nächste Woche gesagt werden. Gestern fischten noch die Mitarbeiter des Baubetriebshofs Abfall aus den Büschen und Beeten.

Rosenmontags-Premiere war’s auch für den Technischen Dezernenten Stephan Kahl (56), der erst Ende 2007 seinen Dienst im Kempener Rathaus antrat. "Das war beeindruckend. Vor allem, wenn man sieht, was eine kleinere Stadt wie Kempen im Vergleich zu Düsseldorf und Köln auf die Beine stellt", sagte der gebürtige Münsteraner nach seinem Einsatz auf dem hohen Prunkwagen der Stadt. Den Zug hätten gute Stimmung und prima Atmosphäre ausgezeichnet.

Das kann Heinz Kox nur unterstreichen. "Wir können wieder stolz sein auf den Rosenmontagszug", sagte der 55-Jährige, seit zwölf Jahren Vorsitzender des Kempener Karnevals-Vereins (KKV). Gerne hätte der KKV bei der Vielzahl der beeindruckenden Kostüme und Wagen noch weitere prämiert- "aber irgendwo muss man einen Strich ziehen, das ist uns diesmal sehr schwer gefallen". Weder von Polizei noch DRK noch sonstigen Helfern habe er Alarmierendes gehört. "Das Schlimmste war noch eine Finger-Quetschung."

"Es war deutlich weniger los als vor drei Jahren", sagte auch Olaf Schmitz, der Bereitschaftsleiter des DRK. Das Rote Kreuz hatte im Campus seine Zentrale installiert und war den Tag über mit 50Helfern im Einsatz.

Besucher aus dem Ruhrgebiet waren begeistert

"Auf unserer Tribüne am Buttermarkt war ein Gast aus Duisburg. Der schwärmte: Ein Highlight, euer Zug." So brachte es Prinzengardist Markus Berg auf den Punkt, der wie 2007 für die Tribüne verantwortlich zeichnete. Die war diesmal mit 100Besuchern bestens belegt. Ehefrau Anja Berg hatte am Sonntag für die Tribünen-Gäste noch acht Stunden den Kochlöffel gerührt und u.a. leckeres Chili Con Carne angerichtet.

Noch ein Aspekt, der herausragte: Im Verhältnis zu früheren Rosenmontagszügen gab es diesmal weniger "Schnapsleichen", besonders in jugendlichen Kreisen. Und so hatte die Einsatzstelle, die die Stadt erstmals an einem Rosenmontag im Campus eingerichtet hatte, erfreulich wenig zu tun. Lediglich zwei Minderjährige hatten über die Stränge geschlagen, sprich zu tief ins Glas geschaut.

Für Christoph Dellmans ein Indiz, dass die Kampagne von Jugendamt, KKV mit Zugleiter Karl van Stiphout an der Spitze, Polizei und weiteren Behörden gefruchtet hat. Man hatte im Vorfeld gezielt auf den Missbrauch von Alkohol im Karneval hingewiesen und Kontrollen während des Zugs durchgeführt: Rote Karte für Narrensäufer. Dellmans: "Das hat’s gebracht."

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