Beim Denkmaltag standen auch Kirchen und Kapellen im Fokus, wie St. Peter in Kempen und St. Vitus in Oedt.

Beim Denkmaltag standen auch Kirchen und Kapellen im Fokus, wie St. Peter in Kempen und St. Vitus in Oedt.
Kommunionkind Lennart ist vom Innenleben der Glocken der Oedter Pfarrkirche fasziniert.

Kommunionkind Lennart ist vom Innenleben der Glocken der Oedter Pfarrkirche fasziniert.

Die Decke in der Kapelle St. Peter in Kempen hat einiges zu bieten.

Kurt Lübke, Bild 1 von 2

Kommunionkind Lennart ist vom Innenleben der Glocken der Oedter Pfarrkirche fasziniert.

Kempen/Grefrath. Die Blicke der Besucher in der Kapelle St. Peter schweifen nicht nur hin und her, sondern auch nach oben. Denn eines der besonderen Dinge, die die Kapelle auszeichnen, ist die Holzdecke mit ihren Gemälden. Köpfe werden nach hinten gelegt, um unter anderen den Heiligen Petrus, Mariae Verkündung und Heimsuchung, Christi Geburt sowie die verschiedenen Päpste zu sehen. „Die Ausmalung der Decke im Jahr 1889 erfolgte durch den bekannten Künstler Friedrich Stummel, der auch die Basilika in Kevelaer komplett ausgemalt hat“, informiert Ina Germes-Dohmen, Historikerin und Mitglied des Fördervereins St. Peter.

Legende besagt, dass Karl der Große die Kapelle errichtet hat

Wer die Kapelle nicht auf eigene Faust entdecken möchte, der hat sich ihrem fachlichen Rundgang angeschlossen. Nicht nur Schauen, sondern auch Wissen mitnehmen ist angesagt. So erfahren die Besucher, dass vom barocken Hochaltar noch das Bild der Berufung des Petrus nach dem Fischfang existiert. Einst war es das Mittelaltarbild, heute hängt es allerdings über dem Eingang der Kapelle. St. Peter, inmitten von Feldern und Wiesen gelegen, ist nicht nur die älteste Kirche im Kempener Land, sondern auch das älteste Baudenkmal im Kreis Viersen. Man geht davon aus, dass ein Vorläufer der heutigen Steinkapelle schon im frühen 9. Jahrhundert als hölzerner Vorgängerbau bestanden haben soll. Der Legende nach hat Karl der Große sich bei der Jagd einst in den dichten Wäldern Kempens verirrt. Er betete und fand den Weg zur Jagdgesellschaft zurück. Aus Dankbarkeit errichtete er die Kapelle St. Peter.

Schmalbroicher Kapelle als Statement im Kulturkampf

Ganz so alt ist die Kriegergedächtniskapelle in Schmalbroich nicht, wenngleich sie auch schon 144 Jahre alt ist. „Sie wurde 1873 errichtet. Die Erbauer waren seinerzeit auch die Eigentümer, wobei sie die Kapelle der Gemeinde schenkten“, berichtet Gottfried Syben vom Heimatverein Schmalbroich. Damals herrschte der sogenannte Kulturkampf, der an den Grundfesten des katholischen Lebens rüttelte. Die Bürger beschlossen daher, ein sichtbares Zeichen zu setzen. Sie weihten die Kirche Maria und gaben ihr den Namen Maria Hilf. Eine lebensgroße Plastik der Gottes Mutter mit Kind und Zepter ist ein deutliches Symbol dieser Namensgebung, wenngleich 1926 eine Änderung erfolgte.

Syben deutet dabei auf die Tafel mit den Gefallenen und Vermissten des Ersten Weltkrieges aus Schmalbroich. Sie wurde 1926 angebracht und so wurde aus der Maria-Hilf-Kapelle die Kriegergedächtniskapelle. 1956 kam eine zweite Tafel betreffend den Zweiten Weltkrieg dazu. Syben kennt die Geschichte der Kapelle bestens.

Aber ihm liegt noch etwas anderes am Herzen, das er den Besuchern mitteilt, und das sind die geplanten Instandsetzungsarbeiten, die vonseiten der Stadt Kempen als Besitzer des Kleinods geplant sind. Der Putz der Kapelle weist zahlreiche Risse auf und eine Sanierung ist dringend erforderlich. „Aber vor der Sanierung freuen wir uns erst einmal auf die Rosenkranzandachten im Oktober, die jeden Werktag um 17.30 Uhr stattfinden“, sagt er. Danach plant die Stadt Kempen, mit den Sanierungsarbeiten zu beginnen, die laut Planung rund drei Monate dauern sollen.

In Oedt standen Kirche, Burg Uda und Museum im Mittelpunkt

In Oedt hatte der Heimatverein gleich an drei Stellen Informationen für Interessierte parat. So nutzten etwa 150 Besucher die Gelegenheit, Burg Uda zu erkunden, ungefähr 100 besuchten das Museum des Vereins im Oedter Rathaus. Über „besonders interessierte“ Zuhörer freute sich der Vorsitzende des Oedter Heimatvereins, Karl A. Willmen, die seinen Erläuterungen zur Kirche St. Vitus lauschten. „Highlights bei den Führungen sind immer unsere Glocken“, weiß Willmen. Fünf von ihnen hängen im Glockenturm.

Die größte und älteste Glocke der Oedter Kirche ist die Vitus-Glocke. Sie wurde 1506 gegossen, hat einen Durchmesser von 152 Zentimetern und wiegt 2000 Kilogramm. Vier weitere wurden am 15. Februar 1957 gegossen: Maria- (1450 Kilo), Josef- (980 Kilo), Michael- (660) und Pius-X.-Glocke (370). Wie die Glocken klingen, das konnten die Besucher um 11.30 Uhr hören. „Zwei Schläge sind auszuhalten“, meint Willmen. Aber auch, wenn man leicht gegen das Metall klopft, ist ein zarter Ton zu hören. Das fänden vor allem die Kinder spannend. Die kleinste Glocke wurde Pius X. gewidmet, „weil an seinem Krönungstag im Jahr 1903 unsere Pfarrkirche eingeweiht wurde“, erklärt Willmen. Diese sei auf dem Fundament des alten Gotteshauses, das 1070 erstmalig urkundlich erwähnt wurde, errichtet worden.

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