Die Kosten für die Kempener Rettungswache sind gestiegen. Die Krankenkassen müssen deshalb für die Einsätze deutlich mehr bezahlen.

Der dritte Kempener Rettungswagen ist seit Ende 2012 im Einsatz.
Der dritte Kempener Rettungswagen ist seit Ende 2012 im Einsatz.

Der dritte Kempener Rettungswagen ist seit Ende 2012 im Einsatz.

Kurt Lübke

Der dritte Kempener Rettungswagen ist seit Ende 2012 im Einsatz.

Kempen. Die Gebühren für Krankentransporte, Rettungsdienst- und Notarzteinsätze steigen deutlich an. Das haben der Beirat der Rettungswache und der Kempener Stadtrat einstimmig beschlossen. Ab 1. Februar kostet beispielsweise der Einsatz eines Notarztfahrzeuges in Kempen, Grefrath und Tönisvorst 496 Euro. Bisher sind es 356 Euro. Die Fahrt eines Rettungswagens (RTW) kostet künftig 381 statt 286 Euro.

„Das ist ohne Frage ein recht deutlicher Anstieg“, sagte Kempens Erster Beigeordneter Hans Ferber in der Sitzung des Stadtrates. Die Kosten seien angestiegen. In erster Linie deshalb, weil für die Kempener Rettungswache, von der auch Grefrath und Tönisvorst versorgt werden, ein dritter Rettungswagen angeschafft wurde.

Tönisvorst finanziert den Notarzt nicht mehr aus eigener Tasche

Für die personelle Besetzung des RTW wurde laut Verwaltungsvorlage mit 9,4 Stellen kalkuliert. Sechs Mitarbeiter wurden eingestellt. Die restliche Arbeitszeit werde über Aushilfskräfte und Überstunden abgedeckt. Wie schon berichtet, war die Anschaffung des dritten RTW notwendig, weil die Einsatzzahlen stark gestiegen sind.

Bei der Finanzierung der Notärzte schlägt laut Ferber eine Entscheidung der Stadt Tönisvorst zu Buche. „Ein Notarzt ist in Kempen stationiert, ein weiterer am Antonius-Krankenhaus in St. Tönis“, so Ferber. Bislang sei der Tönisvorster Notarzt aus der städtischen Kasse bezahlt worden. „Auch in Tönisvorst gibt es aber einen notleidenden Haushalt. Deshalb kann die Stadt die Ausgaben nicht mehr übernehmen“, sagte Kempens Beigeordneter. Eine Erhöhung der Gebühren sei deswegen notwendig.

Städte sind mit dem Verhandlungsergebnis zufrieden

So mussten die Kommunen den Gang in die Verhandlungen mit den Krankenkassen gehen. Weil etwa 90 Prozent der Bürger gesetzlich versichert seien, sind die Krankenkassen an erster Stelle für die Finanzierung des Rettungsdienstes verantwortlich. „Die Verhandlungen waren erfolgreich. Die Krankenkassen haben die Gebührenerhöhung akzeptiert“, so Hans Ferber. Die Kempener Kosten werden zu 100 Prozent übernommen, die Tönisvorster zu 80 Prozent.

Bisher: 203 Euro, neu: 216 Euro.

Bisher: 286 Euro, neu: 381 Euro.

Bisher: 356 Euro, neu: 496 Euro.

Die Pauschalgebühren für Reinigung und Desinfektion des Wagens bleiben unverändert bei jeweils 40 Euro pro Einsatz.

Auch die Pauschalgebühr für Wartezeiten von länger als einer halben Stunden bleibt gleich: 15 Euro.

Die Finanzierung der Einsatzfahrten übernimmt bei gesetzlich Versicherten die Krankenkasse. Für den Versicherten bleibt laut Bundesgesetzgebung ein geringer Kostenanteil. Laut Hans Ferber liegt der bei einem Krankentransport bei etwa 25 Euro.

Auf Anfrage der WZ bestätigte die Stadt Tönisvorst, dass man mit dem Verhandlungsergebnis „sehr zufrieden“ ist. Statt 170 000 würde man künftig nur noch etwa 50 000 Euro zahlen. Insgesamt steigen die Notarzt-Vergütungen für Kempen, Grefrath und Tönisvorst von 451 000 auf 566 000 Euro.

Mit den neuen höheren Gebühren spielt die Kempener Rettungswache laut Hans Ferber in der „Champions League“ – im Vergleich zu anderen Städten seien die Gebühren „weitaus höher“. „Und warum können wir das nicht günstiger machen?“, fragte Michael Rumphorst (Grüne). „Ich gehe davon aus, dass die Kosten in anderen Städten anders zugeordnet werden“, entgegnete Ferber. Zum Beispiel in Kommunen mit einer Berufsfeuerwehr. „Außerdem dürfen wir nicht vergessen, dass von Kempen aus auch andere Kommunen versorgt werden – nicht nur Tönisvorst und Grefrath.“ Auch das treibe die Gebühr in die Höhe.

FDP-Idee: Aufgaben an den Kreis Viersen übertragen

Weil die Organisation der Rettungswache einen hohen Verwaltungsaufwand bedeute, regte Irene Wistuba (FDP) an, die Aufgabe an den Kreis Viersen zu übertragen: „Beim Krankentransport-Wesen ist das ja schon so.“ Auch CDU-Fraktionschef Wilfried Bogedain könnte sich das vorstellen, „allerdings sollten wir auf keinen Fall an Einfluss verlieren“. Bogedain: „Ich denke, dass die Sicherheit unserer Bürger so wichtig ist, dass wir diese Kosten für unsere Verwaltung in Kauf nehmen sollten.“

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