Eine Tierschützerin beklagt den Abschuss der Vögel am Baggersee Königshütte. Wegen des schädlichen Kots der Tiere gibt es aber eine Ausnahmegenehmigung.

Diese Schar von Graugänsen macht Rast auf einem Feld an der Hülser Straße – in Nachbarschaft des Königshütte-Sees.
Diese Schar von Graugänsen macht Rast auf einem Feld an der Hülser Straße – in Nachbarschaft des Königshütte-Sees.

Diese Schar von Graugänsen macht Rast auf einem Feld an der Hülser Straße – in Nachbarschaft des Königshütte-Sees.

Kurt Lübke

Diese Schar von Graugänsen macht Rast auf einem Feld an der Hülser Straße – in Nachbarschaft des Königshütte-Sees.

Kempen/St. Hubert. Tierfreundin Irene Meyer (Name von der Redaktion geändert) kann es immer noch nicht fassen: Am 2. November wurde sie nach eigenen Angaben Zeugin, wie mehrere Jäger in der Nähe des Königshütte-Sees in St. Hubert auf Graugänse geschossen haben. „Das war in den frühen Morgenstunden bei einem Spaziergang. Mehrere Gänse wurden getötet.“ Für die Kempenerin ist nicht nachvollziehbar, „warum so eine Tat einfach so geschehen kann“. Die Polizei, die laut Meyer am besagten Samstagmorgen vor Ort gewesen ist, habe nichts ausrichten können. Die Gänsejagd am Königshütte-See ist erlaubt.

Das bestätigt Benedikt Giesbers von der Presseabteilung des Kreises Viersen, bei dem die Untere Jagdbehörde angesiedelt ist. „Da es sich beim Gelände am Königshütte-See um ein privates Grundstück handelt, darf dort in der Regel nicht gejagt werden. Für Grau-, Nil- und Kanadagänse besteht jedoch eine Ausnahmegenehmigung“, sagt Giesbers auf Anfrage.

Am 2. November sind acht Gänse erlegt worden

Der Grund dafür sei darin zu suchen, „weil der Kot der Gänse die Wasserqualität des Sees beeinträchtigt“. Zudem sei der Kot schädlich für den Boden. Auch für den der landwirtschaftlichen Felder, die sich in Nachbarschaft des Baggersees befinden. Mit ähnlichen Problemen kämpft man in Krefeld seit vielen Jahren am Elfrather See, der ein städtischer Badesee ist.

Zum Vorfall am 2. November habe sich der Kreis auch mit der Polizei ausgetauscht, so Giesbers. „Es sind an diesem Tag acht Gänse erlegt worden“, sagt der Mitarbeiter des Presseamtes, der sich auch die Vorgehensweise der Jäger hat erklären lassen.

„In erster Linie soll der Einsatz der Jäger einen langfristigen Vergrämungseffekt hervorrufen. Deshalb wird zunächst in die Luft geschossen.“ Herman-Josef Steger, Schatzmeister der Kreisjägerschaft, bezeichnet das als „Hebeschuss“. Die Gänse, die zum Beispiel auf dem Wasser liegen, würden so aufgescheucht und dann im Flug abgeschossen.

Mehrere hundert Exemplare halten sich am See auf

Wie viele Gänse sich am Königshütte-See angesiedelt haben, beziehungsweise dort auf der Durchreise sind, können die Verantwortlichen der Unteren Jagdbehörde nicht sagen. Es ist aber davon auszugehen, dass es mehrere hundert sind.

Auf der Internetseite „vogelmeldung.de“ der Biologischen Station Krickenbecker Seen werden jedenfalls seit vielen Jahren regelmäßig Sichtungen von mehreren hundert Graugänsen und auch anderer Arten in Herbst und Winter am St. Huberter Baggersee registriert.

Ferdi Stoffels, Vorsitzender des Segel- und Surf-Clubs Kempen (SSCK), meint sogar, dass sich die Anzahl der Gänse am Königshütte-See in den vergangenen Jahren erhöht hat: „Da haben wir schon eine Zunahme festgestellt.“ Der Verein, der das See-Gelände zum Teil vom Inhaber (Kieswerk Klösters) gemietet hat, habe aber keinen Einfluss auf die Abschuss-Entscheidung.

„Das ist Sache der Behörden. Uns wird lediglich zugesichert, dass die Jagd nur in den frühen Morgenstunden stattfindet, wenn noch keine Mitglieder auf der Anlage sind“, sagt Stoffels. Die Kreisjägerschaft sieht den Segelclub aber sehr wohl als „Auftraggeber“ an: Die Jäger würden auf Wunsch von Verein, Eigentümer Klösters und der Stadt Kempen angefordert.

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