Die Fahnen an öffentlichen Gebäuden wehen auf Halbmast. Mottotage der Abiturienten laufen gedämpft ab.

Opernsänger Oleg Bryjak ist unter den Todesopfern.
Opernsänger Oleg Bryjak ist unter den Todesopfern.

Opernsänger Oleg Bryjak ist unter den Todesopfern.

Die Fahne in den Farben Nordrhein-Westfalens wehte am Mittwoch auf einem der drei Burgtürme auf Halbmast.

Deutsche Oper am Rhein, Bild 1 von 2

Opernsänger Oleg Bryjak ist unter den Todesopfern.

Kempen/Willich. Der Alltag vieler Menschen am Niederrhein stand am Mittwoch unter dem Eindruck der Flugzeugkatastrophe in den französischen Alpen. 150 Menschen sind am Dienstag beim Absturz der Germanwings-Maschine, die von Barcelona nach Düsseldorf unterwegs war, ums Leben gekommen. Die Behörden brachten ihre Bestürzung damit zum Ausdruck, die Fahnen an oder auf den Gebäuden auf Halbmast zu setzen. In Kempen war dies zum Beispiel am Rathaus und an der Burg zu sehen.

Unter den Todesopfern ist auch ein Willicher: Wie schon am Mittwoch von der WZ berichtet, saß Opernsänger Oleg Bryjak in der Unglücksmaschine. Das langjährige Mitglied des Ensembles der Deutschen Oper am Rhein in Düsseldorf lebte in Neersen. Er hinterlässt seine Frau und zwei erwachsene Söhne.

Bryjak lebte nicht nur in Neersen, er hatte dort auch schon einen Auftritt. 2005 war er mit einer zehnköpfigen Gruppe des Düsseldorfer Ensembles zu Gast bei den Schlossfestspielen.

Schweigeminute an den Schulen

Mit Blick auf die 16 Schüler und zwei Lehrerinnen aus Haltern, die in den französischen Alpen ihr Leben verloren, ist die Bestürzung in den Schulen der Region ebenfalls groß. Am Donnerstag um 10.53 Uhr – zu diesem Zeitpunkt war am Dienstag der Radarkontakt zur Maschine abgerissen – soll es in Nordrhein-Westfalen eine Schweigeminute geben. Das wurde den Schulen am Mittwoch in einem Brief mitgeteilt. „Wir werden diese Schweigeminute nutzen, um innezuhalten“, sagt Benedikt Waerder, Leiter des Kempener Luise-von-Duesberg-Gymnasiums (LvD). Er werde kurz vor 10.53 Uhr eine Durchsage machen; die Schüler bleiben in ihren Klassen.

Abiturienten in Kempen und Anrath sind betroffen

Die Mottowoche der Abiturienten, die seit Montag mit Party und Musik an vielen Schulen läuft, werde am LvD „in gedämpfter Form“ zu Ende gebracht. Waerder: „In Gesprächen habe ich auf die Schüler des Abiturjahrgangs eingewirkt.“ Gleiches gilt für das Gymnasium Thomaeum. „Wir haben dämpfend auf die Schüler eingewirkt“, so Schulleiter Edmund Kaum. Bei der heutigen Schweigeminute will Kaum es Schülern und Lehrern selbst überlassen, teilzunehmen: „Es gibt die Einladung, mitzumachen. Wir wollen aber über niemanden verfügen.“

Auch die Abiturienten des Lise-Meitner-Gymnasiums in Anrath bewegt das Unglück. Sie sind ebenfalls mitten in ihrer Mottowoche. Der Mittwoch sollte der „Pyjamatag“ werden. In entsprechender Verkleidung wollten die Zwölftklässler zu lauter Partymusik einen ihrer letzten Schultage feiern. Als sie vom Flugzeugabsturz in Frankreich erfuhren, stellten sich alle dieselben Fragen: „Dürfen wir jetzt einfach weiterfeiern? Wie können wir zeigen, dass wir an die Opfer der Katastrophe und an ihre Angehörigen denken?“

Die Abiturienten wagten nach eigenen Angaben den Spagat zwischen dem Feiern der letzten Schulwoche und dem respektvollen Umgang mit den Opfern des Unglücks. In Absprache mit der Schulleitung verzichteten die Schüler auf laute Musik, waren aber verkleidet. „Dafür haben sich viele von uns ausgesprochen. Als Stufe waren wir uns einig, dass wir eine Reaktion auf das Unglück zeigen sollten“, sagte Stufensprecher Julius Walther.

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