Weil die Linie 069 nach Hüls ausfiel, gab es beim Autoverkehr Staus in der Innenstadt.

Kempen. Am Donnerstag, kurz nach 7 Uhr, Busbahnhof: Auf den ersten Blick ein ganz normaler Donnerstag. Schüler schlendern über Straße und Bürgersteig, steuern einen der sieben Bus-Stopps an. Beim zweiten Hinsehen fällt auf: An der mittleren Haltestelle- dort parkt die Linie 069- wartet niemand. Und ein Bus ist in dieser Spur weit und breit nicht zu sehen.

Diese Linie, die vor allem von Kempener und St.Huberter Gesamtschülern zum Hülser Reepenweg genutzt wird, pendelte am Donnerstag nicht. Im Zuge des Tarifstreiks im öffentlichen Dienst hat die Gewerkschaft Verdi die Linie auf die Liste setzen lassen- die 069 wird bestreikt, insgesamt 24 Fahrten sind ersatzlos gestrichen.

"Hier war heute nicht mehr los als sonst auch."

Taxifahrer am Bahnhof

Weil die zuständigen Städtischen Werke Krefeld (SWK) bereits ab Mittwochnachmittag über die bestreikte Linie informiert hatten und die Busfahrer den jungen Leuten am Mittwochmittag einen Wink gegeben hatten, peilten viele Schüler gestern den Bus-Stopp am Bahnhof erst gar nicht an. Viele Eltern waren bereit, den Nachwuchs mit dem Auto nach Hüls zu bringen- ab 7.30 Uhr waren die Straßen in der Kempener Innenstadt verstopft.

Besonders am Bahnübergang St. Huberter Straße ging nichts mehr, es bildeten sich Staus von mehreren 100 Metern. Kaum ein Lenker schaffte es insofern, den Nachwuchs bis 8 Uhr an der Robert-Jungk-Gesamtschule in Hüls abzusetzen. Dort zeigten die Lehrer Verständnis für die streikgebeutelten Schüler. Wer eine längere Fahrt zur Schule hatte, durfte ohnehin zu Hause bleiben.

Mit Blick auf die frostigen Temperaturen hatten sich nur wenige ab Kempen oder St.Hubert aufs Rad oder Moped gesetzt, um den Engpass zu überbrücken. Auf die Idee, sich ins Taxi zu setzen, kam kaum jemand. "Hier war heute Morgen nicht mehr los als sonst auch", sagte ein Fahrer von Taxi Heise um kurz nach 10 Uhr.

Im Bahnhofs-Kiosk und in der Wartehalle war von Streik-Hektik nichts zu spüren. Alles verlief ruhig, von Unzufriedenheit keine Spur- die Züge fuhren schließlich planmäßig. Die Erwachsenen kauften sich eine Zeitung oder Zigaretten, Kinder und Jugendliche ein Brötchen oder Süßes. "Allerdings war der Streik heute das Gesprächsthema Nr.1", berichtete eine Verkäuferin.

SWK-Sprecherin Dorothee Winkmann sagte auf WZ-Nachfrage, dass vorerst kein Bus-Streik mehr auf die Kempener zukommt. "Jetzt wird erst mal wieder verhandelt in den Tarifauseinandersetzungen."

Die Linie 069 zwischen Hagelkreuz, Kempen-Bahnhof, Hüls und Krefeld-Bahnhof ist also am Freitag wieder in Betrieb. Die anderen SWK-Linien 062 bzw. 067 (Grefrath-Vorst-St.Tönis), 063 (Kempen-Geldern), 065 (Kempen-Tönisberg), 066 (Kempen-Oedt-Süchteln), 068 (Kempen-St.Tönis-Forstwald), 093 (Kempen-Lobberich-Kaldenkirchen) waren trotz Streik in Betrieb.

Pech hatten gestern allerdings Schüler, die mit dem Zug bis Krefeld-Hauptbahnhof oder mit der Buslinie 068 nach St.Tönis-Wilhelmplatz fuhren und dort auf die Straßenbahn umsteigen wollten: "Wegen des Streiks blieben gestern alle Straßenbahnen im Depot", so Dorothee Winkmann. Doch auch hier geht’s heute wieder planmäßig weiter.

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