Vor 150 Jahren wurde die „Höhere Töchterschule“ gegründet. Am ersten Schultag kamen acht Schülerinnen.

Vor 150 Jahren wurde die „Höhere Töchterschule“ gegründet. Am ersten Schultag kamen acht Schülerinnen.
Das Bild der Schülerinnen der Untersekunda vor der Schule am Moorenring 1954 erschien in einer Festschrift. Fotos (4): Kreisarchiv Viersen

Das Bild der Schülerinnen der Untersekunda vor der Schule am Moorenring 1954 erschien in einer Festschrift. Fotos (4): Kreisarchiv Viersen

1966 zog das Gymnasium an die Berliner Allee (Bild aus dem Jahr 1969).

1966 zog das Gymnasium an die Berliner Allee (Bild aus dem Jahr 1969).

Das Bild der Schülerinnen der Untersekunda vor der Schule am Moorenring 1954 erschien in einer Festschrift. Fotos (4): Kreisarchiv Viersen

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Das Bild der Schülerinnen der Untersekunda vor der Schule am Moorenring 1954 erschien in einer Festschrift. Fotos (4): Kreisarchiv Viersen

Kempen. Dieses Jubiläum kann sich sehen lassen: Auf eine Geschichte von 150 Jahren kann das Luise-von-Duesberg-Gymnasium (LvD) Anfang Februar zurückblicken. Bereits seit 1659 konnten Jungen in Kempen am Thomaeum eine höhere Bildung erhalten. Mädchen haben diese Chance seit 1867. Aus der „Höheren Töchterschule“ hat sich das städtische Mädchengymnasium und schließlich das LvD entwickelt, an dem Jungen und Mädchen gemeinsam lernen.

Der ehemalige Schulleiter Helmut Grießmann hat die bewegte Geschichte der Schule in einem ausführlichen Werk zusammengetragen. Vor 150 Jahren hatte Kempen 4824 Einwohner und war preußische Kreisstadt. Inmitten eines landwirtschaftlich strukturierten Kreisgebietes bildeten die Beamten, Ärzte, Notare, Apotheker und Kaufmannsfamilien eine kleinbürgerliche Oberschicht, die selbst ein gewisses Bildungsniveau hatte und dies auch für ihre Kinder wünschten – auch für die Töchter. Und das sollte in der Stadt geschehen, damit die Töchter nicht in die kostspieligen „ausländischen Pensionate“ der Umgebung gehen mussten.

Schönschreibung und Handarbeit standen auf dem Stundenplan

Weil die Stadt die Kosten nicht tragen wollte, sah man sich nach einem anderen Träger um und fand ihn in der Ordensgemeinschaft Ursulinen von Calvarienberg, die an vielen Orten Anstalten zur Mädchenbildung betreute. Am 4. Februar 1867 konnte der Unterricht beginnen. Bis das eigene Klostergebäude fertiggestellt war, wurde für den Unterricht das Hoffmannsche Haus (heute C&A) an der Engerstraße 53 angemietet.

Erste Leiterin der Schule und Oberin der neuen Ordensniederlassung wurde Luise von Duesberg. Als Fächer standen neben Deutsch, Französisch und Englisch, Rechnen und Buchführung, Weltgeschichte, Geografie und Naturkunde auch Schönschreiben, Zeichnen, Gesang und jede Art weiblicher Handarbeiten auf dem Stundenplan. Auch Kochen und sonstige häusliche Beschäftigungen konnten unterrichtet werden. Es gab genaue Vorgaben für die Schuluniform und „Bedingungen für die Aufnahme“. Unterricht war von 8 bis 11 Uhr und 16 bis 18.30 Uhr, mittwochs und samstags von 14 bis 17.30 Uhr

Zum ersten Schultag kamen morgens acht Schülerinnen, am Nachmittag kamen acht jüngere Kinder dazu. Zu Ostern waren bereits 30 Schülerinnen angemeldet, weitere 19 besuchten die Abendschule, 40 Kinder wurden in der Bewahrschule beaufsichtigt.

1896 konnte das neue Kloster an Stelle des heutigen Hospitals an der Mülhauser Straße bezogen werden. Im Zuge des Kulturkampfes wurde die Schule 1875 aufgelöst. Die Schwestern verkauften den gesamten Besitz. Eine Neugründung der Schule ermöglichte die Genossenschaft der Schwestern „Unserer Lieben Frau“ in Mülhausen 1892. Der Unterricht begann im alten Hospital an der Oelstraße.

In den nächsten Jahren folgten immer wieder Änderungen bei der Trägerschaft, beim Namen und Standort. 1911 zog die Schule an die Vorster Straße 28 (heute Nr. 8). 1931 wurde der Schulträger-Verein „Katholisches privates Lyzeum in Kempen“ gegründet. Ein Jahr später zog die Schule in das ehemalige bischöfliche Konvikt am Moorenring 1 (heute Post), danach hieß sie „Thomas-Lyzeum“.

Unter den Nazis kam das Ende der Privatschule

Der Nationalsozialismus brachte 1936 das Ende der geistlichen Schulleitung. Der Schulträger-Verein wurde 1938 aufgelöst. Das bedeutete das Ende der Privatschule. Die letzten Schwestern Unserer Lieben Frau, die am Thomas-Lyzeum gearbeitet hatten, verließen die Stadt.

Nach dem Krieg ging der Unterricht an der Vorster Straße wieder los. Es folgten 1946 der Umzug in die Mädchenvolksschule am Hessenring 17 und 1948 die Rückkehr zum Moorenring 1. Das Städtische Neusprachliche Mädchengymnasium zählte 1950 382 Schülerinnen. In den Folgejahren erlebte die Schule einen großen Aufschwung. Bildung wurde wichtig und es gab finanzielle Entlastungen für die Familien.

Im Dezember 1966 konnte die Schule in den ersten eigenen Neubau an der Berliner Allee 42 ziehen. Danach gingen die Schülerzahlen rasant nach oben. 397 Mädchen in 15 Klassen waren eingezogen, 1970 waren es schon 552 Schülerinnen in 18 Klassen, 1979 waren es 1128 in 38 Klassen.

Seit 1979 werden Jungen und Mädchen an der Schule unterrichtet. Daher musste ein neuer Name her: Man entschied sich für die erste Schulleiterin als Namensgeberin. Seit dem 4. Juni 1980 heißt die Schule Luise-von-Duesberg-Gymnasium.

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