Interview: Nettetals Streetworkerin Marie-Luise Hellekamps über Altweiber, Alkoholmissbrauch und ihre Arbeit.

Nettetal. Seit 1999 ist Marie-Luise Hellekamps (50) Streetworkerin in Nettetal. Altweiber wird sie wieder verstärkt mit Kollegen unterwegs sein.

 

WZ: Frau Hellekamps, der Rathausssturm ist um drei Stunden auf 14.11 Uhr vorverlegt worden. War das der letzte Ausweg, um Alkohol-Exzessen vorzubeugen?

Marie-Luise Hellekamps: Nein, im Hellen kann man besser feiern. Und für Polizei und Ordnungskräfte ist das auch besser: Die können besser den Überblick bewahren. Man wird sehen, ob es weniger Alkohol-Exzesse geben wird.

 

Marie Luise Hellekamps, Tel.0177/8213197, und Friedel Plöger, Tel.0178/3567742.

Arche, Lobberich, An St.Sebastian37, Tel.02153/914130; Spielecafé, Kaldenkirchen, Friedrichstraße46, Tel.02157/3865; Oase, Breyell, Am Kastell5, Tel.02153/71733; Hinsbeck, Wankumer Straße6, Tel.02153/4985.

WZ: Wie wichtig ist Jugendlichen Alkohol?

Hellekamps: Wir stellen immer wieder fest, dass Alkohol nach wie vor einen hohen Stellenwert hat. Ob das mehr geworden ist im Vergleich zu früher, kann ich nicht sagen. Es gibt immer Exzesse an Karneval, auch vor 20, 30Jahren schon. Mir ist aufgefallen, dass die Jugendlichen unter sich viel Verantwortungsgefühl mitbringen und aufeinander achten.

 

WZ: Welche Vorarbeit muss vor Altweiber geleistet werden?

Hellekamps: Die Jugend- und Ordnungsämter müssen in den Geschäften noch mal klarmachen, keinen harten Alkohol an Jugendliche zu verkaufen. Daran müssen sich die Eltern beteiligen. Die leben es den Jugendlichen ja vor.

 

WZ: Wie arbeiten Sie an Altweiber?

Hellekamps: Wir treffen uns vorher mit Polizei und Ordnungsamt, um uns abzusprechen. Dann werden Notfallnummern ausgeteilt. Wir werden mit mehreren Sozialarbeitern und Sozialpädagogen aus den Jugendzentren und Streetwork in Zweier-Trupps unterwegs sein. Seit 2002 gehen wir Altweiber auf die Straße, weil wir unsere Jugendlichen kennen. Wir sind große Vertrauenspersonen. Manche kenne ich seit zwölf Jahren.

 

WZ: Was unterscheidet Ihre Aufgaben von denen der Polizei?

Hellekamps: Wir haben einen ganz anderen Zugang. Wir sprechen mit ihnen und fragen, ob wir sie unterstützen können. Alkohol verstärkt ja auch Stimmungen, da ist es wichtig, dass wir deeskalierend wirken. Das ist auch so mit der Stadt abgesprochen, dass wir keine Kontrollen machen, sondern Beziehungsarbeit.

 

WZ: Wie sieht das aus?

Hellekamps: Wir bieten unsere Beratung an, ich habe meinen Kalender dabei und kann Termine für die Job-Beratung ausmachen. Manchmal geht es einfach darum, die Jugendlichen wieder runterzubringen, wenn zum Beispiel ihre Beziehung in die Brüche gegangen ist. Manche fragen nach Kondomen.

 

WZ: Was machen Sie, um generell Jugendlichen die Gefahren von Alkohol zu verdeutlichen?

Hellekamps: Wir führen Einzelgespräche mit Jugendlichen, die schon mal Probleme im Umgang mit Alkohol hatten. Aber wir kooperieren auch viel mit Schulen, wenn die die Sucht-Thematik im Unterricht behandeln. Man muss eigentlich schon im Kindergarten mit der Vorbeugung anfangen, um aus Kindern starke Menschen zu machen. Suchtverhalten hängt oft mit Ausprobieren und Imponiergehabe zusammen. Da braucht man Selbstbewusstsein, um zu sagen: Nein, ich will jetzt nichts trinken. Für mich ist die Vorbeugung insofern immer ein Thema, das ganze Jahr.

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