Die Firma Derix besetzt wichtige Nische zur Herstellung von Textilmaschinen.

Die Firma Derix besetzt wichtige Nische zur Herstellung von Textilmaschinen.
Gemeinsamer Termin in der Grefrather Produktion (v.l.): Angela Mahlitz (Mitarbeiterin Derix), Brigitta Kubsch-von Harten (Geschäftsführerin Arbeitsagentur), Derix-Geschäftsführer Peter Stockmann, Helmut Neumann (Mitarbeiter), Udo Urban (Arbeitgeberberater der Arbeitsagentur) und Thomas Schmidt (Mitarbeiter).

Gemeinsamer Termin in der Grefrather Produktion (v.l.): Angela Mahlitz (Mitarbeiterin Derix), Brigitta Kubsch-von Harten (Geschäftsführerin Arbeitsagentur), Derix-Geschäftsführer Peter Stockmann, Helmut Neumann (Mitarbeiter), Udo Urban (Arbeitgeberberater der Arbeitsagentur) und Thomas Schmidt (Mitarbeiter).

Kurt Lübke

Gemeinsamer Termin in der Grefrather Produktion (v.l.): Angela Mahlitz (Mitarbeiterin Derix), Brigitta Kubsch-von Harten (Geschäftsführerin Arbeitsagentur), Derix-Geschäftsführer Peter Stockmann, Helmut Neumann (Mitarbeiter), Udo Urban (Arbeitgeberberater der Arbeitsagentur) und Thomas Schmidt (Mitarbeiter).

Grefrath. Die Hochzeiten der Textilindustrie am Niederrhein sind längst Geschichte. In den 80er Jahren begann der Niedergang großer Firmen von Weltformat – zum Beispiel Girmes in Oedt oder Niedieck in Lobberich. Die Werke, in denen früher tausende Menschen gearbeitet haben, stehen heute leer, werden anders genutzt oder gibt es nicht mehr. Unter anderem mit den Namen Girmes und Niedieck war über Jahrzehnte auch der Erfolg der Grefrather Firma Derix verknüpft. Das 1869 gegründete Unternehmen, Auf dem Feldchen 7-9, hat über Jahrzehnte Spezialteile für die großen Webmaschinen der Konzerne produziert. Und das mittelständische Unternehmen tut dies auch 2017 immer noch. Allerdings nicht mehr vorwiegend für die Partner am Niederrhein, sondern für Firmen auf der ganzen Welt.

In den 80er und 90er Jahren folgte Schritt nach Asien und in die USA

„Anfang der 80er gab es am Niederrhein in einem Radius von 20 Kilometern rund 200 Textilunternehmen. Heute gibt es 20 Firmen innerhalb von 200 Kilometern.“ Mit diesem Zahlenvergleich bringt Derix-Geschäftsführer Peter Stockmann den Wandel der Branche auf den Punkt. Sein Ur-Ur-Großvater Heinrich Derix hat das Unternehmen vor rund 150 Jahren gegründet. Seitdem hat es viele Einschnitte gegeben. Die größten Veränderung gab es wohl während der 80er und 90er Jahre, als Stockmanns Vater das Unternehmen neu ausgerichtet hat. „Er begann damit, das Geschäft in den USA und in Asien zu intensivieren“, so Peter Stockmann.

Aber was wird denn hier eigentlich hergestellt? Diese Frage stellt sich der Besucher, der vor den alten Gemäuern, Auf dem Feldchen, steht. Dort, wo die Firma bereits seit 1905 ihren Sitz hat. „Wir können Dinge, die eben nicht jeder kann“, sagt der Geschäftsführer. Bei Derix werden spezielle Bestandteile industrieller Maschinen gebaut. Teile, die nicht ausschließlich von einer Maschine hergestellt werden können. In den Derix-Hallen gibt es noch viel Handarbeit. „Bei unserer Arbeit ist viel Fingerspitzengefühl gefragt“, sagt Stockmann. „Oder besser: Wir gehen auf Tuchfühlung“, fügt er mit Blick auf die Textilbranche zu.

Bei der Produktion von Webschächten oder -blättern setzt man bei Derix auf individuelle Lösungen. Mit dem Spezialwissen, über das die Grefrather verfügen, könne man flexibel auf die Wünsche der Kunden auf dem Weltmarkt eingehen. Mit den Schächten und Blättern aus Grefrath werde auch weiterhin Massenware wie Teppiche produziert. Textilien werden aber nach Angaben der Geschäftsführung in vielen Branchen verarbeitet. „Denken Sie nur an das Thema Glasfaser beim Leitungsausbau“, so Stockmann. „Oder der bio-medizinische Bereich“, ergänzt der Geschäftsführer und hält einen Stent hoch, der bei Eingriffen am Herzen eingesetzt wird. Das Material dafür wurde unter anderem mit Derix-Teilen gewebt.

Mit Blick auf diese und andere Branchen ist Stockmann davon überzeugt, dass Textilien eine Art Renaissance erleben werden. In den 80er Jahren habe der industrielle Wandel – die billige Massenproduktion – für große Einschnitte in diesem Bereich gesorgt. „Ich denke, dass sich das beim nächsten Wandel in die andere Richtung verändern wird“, so Stockmann, der seit 2002 im Unternehmen tätig ist.

Sorgen wegen „America first“ gibt es bei Derix in Grefrath nicht

Deshalb blickt die Traditionsfirma, die in zwei Jahren ihr 150-jähriges Bestehen feiert, zuversichtlich in die Zukunft. „In unseren Nischen sind wir gut aufgestellt“, sagt der 47-jährige Geschäftsführer. Derzeit arbeiten 43 Menschen bei Derix, 35 davon in der Produktion. 2016 lag der Umsatz bei 3,3 Millionen Euro. 2017 strebt die Geschäftsführung eine leichte Steigerung dieser Zahl an. Mit einem Anteil von rund 50 Prozent ist Deutschland immer noch der wichtigste Absatzmarkt, gefolgt von den USA und Kanada (gemeinsam 20 Prozent).

In diesem Zusammenhang ist US-Präsident Donald Trump übrigens für Derix kein Schreckgespenst. In den Nischen, in denen die Grefrather unterwegs sind, sei „America first“ kein Thema, wie Stockmann auf Nachfrage sagt. „Es gibt in unserem Bereich keinen Hersteller in den USA“, sagt der Geschäftsführer. Deshalb sei einer der aktuell größten Aufträge auch aus den Vereinigten Staaten. Ein amerikanischer Teppichhersteller bekommt in Kürze 800 Webschäfte aus der Niersgemeinde.

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