Katja Franzen aus Grefrath bei der deutschen Meisterschaft im Eisschnelllauf in Inzell über 500 Meter.
Katja Franzen aus Grefrath bei der deutschen Meisterschaft im Eisschnelllauf in Inzell über 500 Meter.

Katja Franzen aus Grefrath bei der deutschen Meisterschaft im Eisschnelllauf in Inzell über 500 Meter.

Christian Einecke

Katja Franzen aus Grefrath bei der deutschen Meisterschaft im Eisschnelllauf in Inzell über 500 Meter.

Grefrath. Es gibt wohl kaum etwas Schlimmeres in der Karriere eines Profisportlers als eine langwierige Verletzung. Das bestätigt auch Katja Franzen. Die Grefratherin gehört zur deutschen Elite der Eisschnellläuferinnen. Zeigen kann sie das aktuell nicht. Die 26-Jährige ist seit neun Monaten verletzt, quält sich durch die mühsame Reha. In der vergangenen Saison war sie heftig gestürzt.

„Normalerweise gehen wir nach dem Sommertraining im September aufs Eis“, sagt Franzen. Sie habe versucht, auf höchstem Niveau mitzulaufen. Bei den deutschen Meisterschaften 2016 wurde sie trotz Verletzung noch Zweite im Sprint über 500 Meter. Doch die Schmerzen waren zu groß, um die Saison durchzuziehen. „Beim Eisschnelllauf ist der Körper sehr spezifischen Belastungen ausgesetzt“, sagt Franzen. Besonders für den Rücken ist die Eislaufhaltung anstrengend.

In dieser Saison wird es kein Comeback geben

Mit einem Comeback in dieser Saison rechnet Franzen nicht. Während ihrer Reha ist sie nicht auf sich allein gestellt. Ihr Dank gilt dem Olympiastützpunkt Rhein-Ruhr, der sie nicht fallen lässt: „Die setzen alle möglichen Hebel in Bewegung, um mir zu helfen.“ Der Stützpunkt ermöglicht unter anderem professionelle Leistungsdiagnostik. Sie will den Symptomen der Verletzung mit einem niederländischen Arzt für Spitzensportler genauer auf den Grund gehen und sich dann gänzlich regenerieren. „Angenehm ist die Situation natürlich nicht. Es ist frustrierend, nur zuschauen zu können“, sagt Franzen. Resigniert wirkt sie allerdings nicht. Häufig lacht sie. Die Motivation zurückzukommen ist größer als die Enttäuschung.

Zum ersten Mal auf dem Eis stand sie 1998. Als damals Achtjährige kam Franzen über die Schul-AG zum Training. Sie hat viele Sportarten ausprobiert, doch beim Eisschnelllauf ist sie hängengeblieben. „Die Geschwindigkeit, die man auf dem Eis aufnehmen kann, hat mich immer fasziniert“, sagt Franzen. Bis zu 60 Stundenkilometer sind möglich.

In der Jugend hat sie die ersten internationalen Wettkämpfe bestritten, sich dann aber zu einem Jahr Pause entschieden. „Ich wollte mich auf mein Studium konzentrieren und habe nur noch drei Mal die Woche trainiert“, sagt Franzen. Franzen ging für ihr Studium in die Niederlande. Dort sind die Trainingsmöglichkeiten für Eisschnellläufer wesentlich besser als in Deutschland, da es mehr Hallen gibt. In Deutschland müssen die Sportler häufig unter freiem Himmel trainieren. „Wenn es mild ist, wird das Eis weich. Wenn es kalt ist, ziehen sich die Muskeln schnell zusammen. Außerdem ist das Eis draußen nicht so sauber“, sagt Franzen. Daher können auf Freiluftbahnen im Training keine Spitzenzeiten erreicht werden.

Der Bundestrainer wurde auf ihre Leistungen aufmerksam

Obwohl das Training auf Sparflamme lief, qualifizierte sich Franzen für ihren ersten Seniorenweltcup. Als sie dann noch der Bundestrainer auf ihre Leistungen ansprach, traf sie die Entscheidung, sich dem Sport zu widmen. Das war 2014. Seitdem sind besonders die Winter wieder klar getaktet. „Letzte Saison war ich zum Training komplett in Berlin oder Inzell“, sagt Franzen. Dort sind die besten deutschen Bahnen.

An den Wochenenden sei sie dann bei Wettkämpfen gewesen. Zu den Weltcuprennen, den Wettkämpfen der ersten Liga des Sports, zu kommen, ist dabei unglaublich schwierig. „Der deutsche Verband lässt uns nur starten, wenn wir Weltzeiten fahren können, mit denen wir es auf die ersten zehn Plätze schaffen“, sagt Franzen.

Eine laufende Wettkampfsaison erfordert viel Disziplin; besonders an Weihnachten und Silvester. Sich der Völlerei hinzugeben, ist für Franzen nicht drin: „Ich achte stets auf die Ernährung. Alkohol trinke ich während der Saison nie. Das muss bis April warten. „Wobei das Training auch im Sommer weitergeht – auf dem Rad, den Inlineskatern und im Kraftraum.

Ihr großer Traum für die Zukunft sei vielleicht etwas klischeehaft: Die Teilnahme an den Olympischen Winterspielen. „Ob die Spiele 2018 in Südkorea für mich noch realistisch sind, sei dahin gestellt“, sagt sie.

Aber es sei ja auch eine Teilnahme in fünf Jahren möglich. Einmal soll es mit Olympia auf jeden Fall klappen.

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