160 Besucher erlebten eine spannende Diskussion zum Thema „Heiliges Land – Land der Gewalt“ mit den Israel-Experten Rolf Tophoven und Wilhelm Bruners.

160 Besucher erlebten eine spannende Diskussion zum Thema „Heiliges Land – Land der Gewalt“ mit den Israel-Experten Rolf Tophoven und Wilhelm Bruners.
Beim Vortrag „Heiliges Land – Land der Gewalt“ im Cyriakushaus in Grefrath (v.l.): Pfarrerin Barbara Münzenberg, Wilhelm Bruners, Rolf Tophoven und Pfarrer Johannes Quadflieg.

Beim Vortrag „Heiliges Land – Land der Gewalt“ im Cyriakushaus in Grefrath (v.l.): Pfarrerin Barbara Münzenberg, Wilhelm Bruners, Rolf Tophoven und Pfarrer Johannes Quadflieg.

Friedhelm Reimann

Beim Vortrag „Heiliges Land – Land der Gewalt“ im Cyriakushaus in Grefrath (v.l.): Pfarrerin Barbara Münzenberg, Wilhelm Bruners, Rolf Tophoven und Pfarrer Johannes Quadflieg.

Grefrath. „Wir wollen Sie auf keinen Fall desillusionieren, sondern darauf hinweisen, dass es auch israelische Rechtsradikale und Gewalttäter gibt“, sagte im Grefather Cyriakushaus der Terror-Experte Rolf Tophoven. Der 78-Jährige stand im Dialog mit dem Israel-Kenner Wilhelm Bruners.

Etwa 160 Zuhörer erlebten eine spannende Diskussion zum Thema „Heiliges Land – Land mit Gewalt“. Und da es diesmal bewusst um die jüdischen Extremisten ging, sprachen einige Wortführer, darunter auch ein Israeli, von einer „einseitigen Veranstaltung“. Sie bemängelten, dass auf die vielen Attacken und Morde aus Reihen der palästinensischen Extremisten überhaupt nicht eingegangen worden sei.

Das wollen die beiden Israel-Liebhaber überhaupt nicht bezwecken. „Der von den radikalen Palästinensern ausgehende Terrorismus ist eindeutig dominanter. Aber wir wollen heute mal aufzeigen, dass auch von den jüdischen Radikalen eine große innere Gefahr ausgeht“, stellte Rolf Tophoven nach dem interessanten Dialog fest.

Tophoven gilt auch in anderen Bereichen als Experte des Terrors. „Die Zahl der israelischen Extremisten nimmt zu, die in einer radikalen Form das Leben der anderen verachten“, machte dies Tophoven vor allem an den gewaltbereiten orthodoxen Juden deutlich. Für diese sei neben der Tora das Gewehr das einzige Mittel der politischen Auseinandersetzung. Sicherlich sei dies nur eine Minderheit, allerdings habe diese Zahl zugenommen, so Tophoven. Nicht zuletzt durch die Ermordung des Friedensnobelpeisträgers Jitzchak Rabin, der am 4. November 1995 in Tel Aviv durch Schüsse des jüdischen Fundamentalisten und Rechtsextremisten Jigal Amir tödlich verletzt worden war.

„Wir wollen heute mal aufzeigen, dass auch von den jüdischen Radikalen eine große innere Gefahr ausgeht.“

Rolf Tophoven, Terror-Experte

18 Jahre lang hatte Wilhelm Bruners mit einem Pastoralauftrag des Aachener Bischofs in einem Hospiz in Jerusalem gelebt. Dort, wo auf engstem Raum Juden, Muslime und Christen zusammenleben. Auch er sprach von einem Rechtsruck, der sich weiter verstärkt habe. Dies betreffe auch die Regierung Israelis. So gebe es im Parlament, der Knesset, nur die hauchdünne Mehrheit von einer Stimme, säßen in der Koalition auch ultrarechte und andere national-konservative Gruppen, die zum Teil auch die umstrittene Siedlungspolitik unterstützen würden.

Mittendrin im Cyriakushaus saßen unter anderem die Seelsorger der evangelischen und katholischen Kirchen, Barbara Münzenberg und Johannes Quadflieg.

Mitgeteilt wurde noch eine Grußbotschaft einer Schwester aus dem Altenheim Haus Salus in Mülhausen, die sich darüber freute, bald wieder ihr geliebtes Israel und Jerusalem besuchen zu dürfen.

In dem Zusammenhang wies noch Wilhelm Bruners darauf hin, dass bislang keinem Touristen in Jerusalem Gewalt angetan worden sei.

„Selig ist das Land, das keine Helden braucht“, votierte der jetzt in Mönchengladbach wohnende Theologe für die Aufnahme von weiteren Friedensverhandlungen. Bruners lehnte einen zweiten selbstständigen Staat Palästina ab, hatte den sehnlichsten Wunsch, dass sich die Sprecher beider Seiten auf Augenhöhe begegnen. Er sagte weiter: „Beide müssen handlungsfähiger werden und endlich einmal mit dem Täter-Opfer-Denken aufhören.“ Nicht mit Gewalt auf Gewalt, sondern mit Weitsicht für alle Menschen müsse man in diesem Land reagieren. Bruners ergänzte: „Man kennt das auch aus vielen unserer Familien, in denen es so wunderbar ist, sich in die Opferrolle zu begeben.“ Damit löse man aber keine Konflikte.

Rolf Tophoven erinnerte auch an den Juli des vergangenen Jahres, als jüdische Extremisten mit einem Molotow-Cocktail das Leben einer ganzen palästinensischen Familie – dazu gehörte das 18 Monate alte Kind Ali Dawabsheh – beendeten. Dies sei nur einer der vielen Anschläge gewesen. Die Mörder hatten Graffitis hinterlassen, so den David-Stern und das hebräische Wort für „Rache“. Solche Botschaften würden bei sogenannten „Preisschild-Attacken“ geschrieben, so Tophoven. Deshalb, weil die Täter Tribut dafür verlangen, dass jüdische Siedler das Westjordanland verlassen müssen. Dieser Preis sei Rache.

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