Leif Möller aus Ystad arbeitet an seiner Familiengeschichte. Dabei fiel ihm ein Foto eines Grefrather Hauses in die Hände.

Leif Möller aus Ystad arbeitet an seiner Familiengeschichte. Dabei fiel ihm ein Foto eines Grefrather Hauses in die Hände.
Spurensuche in Grefrath: Das Ehepaar Möller aus Schweden mit Pizzeria-Besitzer Frank Maranto und Irmgard Tophoven.

Spurensuche in Grefrath: Das Ehepaar Möller aus Schweden mit Pizzeria-Besitzer Frank Maranto und Irmgard Tophoven.

Spurensuche in Grefrath: Das Ehepaar Möller aus Schweden mit Pizzeria-Besitzer Frank Maranto und Irmgard Tophoven.

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Spurensuche in Grefrath: Das Ehepaar Möller aus Schweden mit Pizzeria-Besitzer Frank Maranto und Irmgard Tophoven.

Grefrath. Leif Möller (68) ist auf Spurensuche. Der pensionierte Journalist aus Ystad in Schweden arbeitet an seiner Familiengeschichte. Und diese Geschichte ist kompliziert. Denn Möller hat jüdische Vorfahren, die aus Deutschland stammten – unter anderem aus Grefrath. Den kleinen Ort am Niederrhein besuchte er deshalb kürzlich im Zuge seiner Recherchen mit seiner Ehefrau Marianne.

Doch der Reihe nach: Anfang November erhielt der ehemalige Vorsitzende des Grefrather Heimatvereins, Herbert Küsters, eine E-Mail des schwedischen Journalisten. Im Anhang befand sich das Foto eines Hauses in Grefrath aus dem Jahr 1909. Es gehörte den jüdischen Großeltern seiner Schwägerin Else Möller (88), geborene Willner. „Existiert dieses Haus noch? Und wo steht es?“ Das wollte Leif Möller in Erfahrung bringen.

Die Vorfahren Elise und Isidor Willner waren angesehene Leute

Elise und Isidor Willner, Großeltern von Else Möller, waren in Grefrath angesehene Leute gewesen. Die Familie des Viehhändlers war aber schon vor Beginn des Dritten Reiches nach Essen verzogen. Das Ehepaar starb noch vor der Machtergreifung der Nazis. Ihre Tochter Hedwig und deren Mann wurden Opfer des Holocaust. Doch ihre Enkelin Else und deren Bruder Martin wurde gerettet: 1938/39 kamen sie mit einem Kindertransport nach Schweden, wohin ihre Tante Sabine Willner ausgewandert war. 1953 heiratete Else Willner dann Gunnar Möller, den Bruder des schwedischen Spurensuchers.

Zurück nach Grefrath: Wo genau sich Anfang des 20. Jahrhunderts das Haus der Familie Willner befunden hatte, konnte Herbert Küsters nicht beantworten. Deshalb wandte er sich an Irmgard Tophoven. Die ehemalige Grundschullehrerin erforscht selbst schon lange das Schicksal jüdischer Familien in Grefrath. Sie war Mitinitiatorin des 2004 aufgestellten Gedenksteins.

Bei Besuch in Essen beschließt der Schwede nach Grefrath zu fahren

Im Zuge seiner Recherche reiste Leif Möller Mitte November nach Essen. Und dann kündigte er ganz plötzlich per E-Mail seinen Besuch in Grefrath an: Mit Bahn und Bus wollte er sich vom Ruhrgebiet aus über Krefeld und St. Tönis bis nach Mülhausen durchschlagen. Tatsächlich kamen er und seine Frau dann mit dem Zug nach Kempen, wo das Ehepaar von Irmgard Tophoven und Herbert Küsters abgeholt wurde. „Wir haben ihnen dann erst einmal Kempen gezeigt“, berichtet sie.

Dann ging es weiter zur Spurensuche nach Grefrath. Vermutet wurde, dass sich das Haus der Willners an der Hohe Straße befand. Aber dort kam die kleine Gruppe nicht weiter: Keines der Häuser glich dem auf dem alten Foto. Zufällig traf man dann auf der Straße den heimatkundigen Manfred Birk. Beim Blick aufs Foto wusste der sofort: „Das ist ein Teil der heutigen Pizzeria Sicilia an der Hohe Straße 28. Die Fassade hat sich in den vergangenen 100 Jahren – zum Teil durch einen Brand – total verändert.“

Pizzeria-Chef Frank Maranto führt das schwedische Ehepaar spontan durch sein Haus. Außerdem suchte er Akten zu den damaligen Eigentumsverhältnissen heraus. Sicher war, dass es dort einmal die Metzgerei J. Peters gab. Vage wusste Maranto zudem von jüdischen Vorbesitzern zu berichten. Die Spurensuche war damit erfolgreich.

„Reich beschenkt“ und glücklich über die hilfsbereiten und freundlichen Grefrather fuhr das Ehepaar Möller am Ende wieder nach Essen zurück. Mittlerweile ist es längst wieder in Schweden. „Wir sind aber nach wie vor in regem E-Mail-Kontakt“, berichtet Tophoven. Leif Möller schickt ihr immer wieder Fotos von neuen Spuren, die er gefunden hat.

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