Im Freilichtmuseum erfuhren die Jungen und Mädchen beim Ferienprogramm, wie aus Fasern Stoffe werden.

Im Freilichtmuseum erfuhren die Jungen und Mädchen beim Ferienprogramm, wie aus Fasern Stoffe werden.
Silke Heks zeigt den Kindern am Spinnrad, wie ein Faden entsteht.

Silke Heks zeigt den Kindern am Spinnrad, wie ein Faden entsteht.

Kurt Lübke

Silke Heks zeigt den Kindern am Spinnrad, wie ein Faden entsteht.

Grefrath. „Muss ich noch mal an die Hechel oder geht das so?“, fragt Leon (9) und zeigt Dominique Walraevens ein Bündel feiner Fasern. „Nein, das reicht so“, meint diese. Bei der Ferienaktion des Niederrheinischen Freilichtmuseums haben Kinder derzeit die Möglichkeit, das „Handwerk auf dem Land“ so kennenzulernen, wie es früher einmal war. An einem Tag der Aktion ging es um das Thema Textil, dabei konnten die Kinder alle Arbeitsschritte der Flachsverarbeitung kennenlernen und sogar selbst ausprobieren.

Aus harter Faser wird ein weicher Strang

19 Kinder nahmen in der vierten Sommerferien-Woche an dem Programm teil. Um ihnen das Thema des Tages näher zu bringen, wurde zuerst ein Film gezeigt. „In dem Film ‚Wie der Maulwurf zu seiner Hose kam’ zeigt der kleine Maulwurf alle Arbeitsschritte der Leinenherstellung, bis er schließlich eine blaue Hose hat“, erzählt Dominique Walraevens.

Da die Kinder nach dem Ansehen des Films wissen, wie es geht, dürfen sie gleich selbst Hand anlegen. „Dafür habe ich gerösteten Flachs bestellt, der sofort verarbeitet werden kann“, erklärt die Mitarbeiterin des Museums. Ausgestattet mit einigen Halmen darf sich jeder an der sogenannten Flachsbreche versuchen. „Damit werden die Fasern auseinandergebrochen, damit später aus vielen Fasern ein Faden entstehen kann“, so Walraevens. „Das riecht nach Heu“, findet Rebecca (10) und sucht sich eine der Hecheln aus. Die aus spitzen Drähten gefertigten Bürsten sorgen dafür, dass die Fasern noch feiner voneinander getrennt werden.

Damit alles klappt und sich niemand verletzt, hilft Volontärin Hannah Heinze den Kindern. Denn die Arbeit an der Hechel ist gar nicht so einfach. Immer wieder müssen die widerspenstigen Fasern durch die drahtigen Bürsten gezogen werden, bis ein weicher Strang entstanden ist.

Das Ergebnis erinnert an ein Märchen, da sind sich alle einig. „Das sieht aus wie Rapunzels Haar“, findet auch Bastian (8). Fiona hat etwas ganz Besonderes mit ihrem Flachsbündel vor. „Ich könnte meiner Mutter erzählen, ich hätte mir die Haare abgeschnitten. Da würde sie bestimmt drauf reinfallen“, sagt die Neunjährige und hält die helle Strähne an ihre blonden Zöpfe.

Nach dem Spinnrad geht es an den Webstuhl

Wie entsteht jetzt aber aus den Fasern ein Stück Stoff? Diese Frage beantwortet Handweberin Silke Heks den Kindern am Spinnrad in der Dorenburg. Auch das Spinnen erinnert die Kinder wieder an eine Geschichte. „Kennt ihr das Märchen vom Rumpelstilzchen?“, fragt Heks. „Die Geschichte kommt von dieser Arbeit hier. Mit dem Stroh, das zu Gold werden soll, ist der Flachs gemeint.“ Auch die Arbeit mit einer Spindel wie die aus dem Märchen Dornröschen führt Heks den Kindern vor. „Jetzt haben wir einen Faden, aber wie wird aus dem Faden ein Stück Stoff?“, fragt die Handweberin. Die Antwort auf diese Frage können die Kinder schon hinter dem Spinnrad sehen. Am großen historischen Webstuhl zeigt Heks, wie der vorher erst gesponnene Faden zu einem Stück Leinen verwebt wird. Beim Anblick des klappernden Schiffchens schmiedet so mancher Teilnehmer schon Pläne für sein eigenes Flachsbündel. „Ich würde mir daraus gerne ein Kissen machen“, erzählt Leon.

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