In Grefrath beginnt am Sonntag die Ausstellung „Kopfsache – Zur Kulturgeschichte der Haare“.

dorenburg
Eine Allonge-Perücke wurde im 17. und 18. Jahrhundert vor allem von adeligen Männern getragen.

Eine Allonge-Perücke wurde im 17. und 18. Jahrhundert vor allem von adeligen Männern getragen.

Anke Wielebski, Anisha Mülder-van Elten und Andreas Coenen (v.l.) fanden sich gestern einem 50er-Jahre-Friseursalon wieder.

Kurt Lübke, Bild 1 von 2

Eine Allonge-Perücke wurde im 17. und 18. Jahrhundert vor allem von adeligen Männern getragen.

Grefrath. „Erst als die Idee kam, etwas zum Thema Haare zu machen, haben wir herausgefunden, was eigentlich alles dahinter steckt“, sagt Museumsleiterin Anke Wielebski. Dass sich die Recherche und die damit verbundene Arbeit gelohnt haben, zeigt die neue Sonderausstellung „Kopfsache – Zur Kulturgeschichte der Haare“ im Niederrheinischen Freilichtmuseum. Denn diese erzählt viele haarige und auch haarsträubende Geschichten rund um das menschliche Haupt.

Ein Jahr lang arbeitete die wissenschaftliche Volontärin Anisha Mülder-van Elten an ihrer ersten eigenständigen Ausstellung. „Die Idee dazu hatte ich im Haus Rasseln. Dort hängen in der Dauerausstellung Haarbilder“, so Mülder-van Elten. „Es ist faszinierend, dass Haare eigentlich tot sind und trotzdem die Kulturgeschichte so stark geprägt haben.“

Dies spiegelt sich auch in den vielfältigen Exponaten wider. Der erste Ausstellungs-Raum in der Dorenburg widmet sich der religiösen Geschichte des Haarkleides. Diese ist vor allem durch das Bedecken der Kopfbehaarung geprägt, was beispielsweise aus dem Christentum, dem Islam und dem Judentum auch heute noch bekannt ist. Besonders Frauen bedecken hier ihr Haar, denn dieses gilt und galt schon immer als verführerisch. „Daher kommt auch der Ausdruck ‚unter die Haube kommen’. Wenn Frauen im Mittelalter verheiratet waren, mussten sie ihr Haar bedecken“, erklärt Mülder-van Elten.

Haare vermittelten also schon immer bestimmte Charaktereigenschaften. Für Kinder dürfte dies wohl besonders in der „Märchen- und Geschichtenecke“ interessant werden, die von blonden Prinzessinnen, frechen rothaarigen Mädchen mit Zöpfen und weißbärtigen Weihnachtsmännern erzählt.

Auch regionale Bezüge werden im Museum hergestellt

Im zweiten Ausstellungsraum drehen sich alle Exponate um den Wandel der Haare in der Geschichte. So hielten sich die Römer beispielsweise germanische Sklaven, da diese besonders geübt im Frisieren waren. „Die Haare galten damals als Statussymbol. Sklaven durften keine langen Haare haben, Menschen von hohem Stand hatten sogar Haarnadeln und anderen Schmuck“, sagt Mülder-van Elten. Rote Haare, die bei den Römern noch als besonders begehrenswert galten, wurden einige Jahre später mit dem Teufel assoziiert.

Auch wenn die Ausstellung die Geschichte der Haare allgemein erzählt, gibt es einige regionale Bezüge zum Thema wie eine im Jahre 1492 zum Tode verurteilte Frau aus Hüls, die „Schadenzauber mit Kuhhaaren“ verübt haben soll.

„Anders als bei Frauen gehörte bei Männern der Bart schon immer mit dazu“, so Mülder-van Elten. „In der Neuzeit war besonders volles Haar wichtig für Männer, da es für Stärke stand.“

Wer kein so schönes Haar hatte, griff daher auf Perücken zurück. Einige Modelle verschiedener Epochen sind auch in der Ausstellung zu sehen. Die Frisur und ihr Status in der Gesellschaft sind im dritten Bereich der Ausstellung zu sehen. Ab den 1930er Jahren wurde die Haarpflege immer wichtiger.

Die Pilzköpfe der Beatles sind ebenfalls zu sehen

In einer originalgetreuen Nachbildung eines Friseursalons der 1950er Jahre könnten Frisuren wie die Pilzköpfe der Beatles, die Tolle von Elvis oder auch die blonden Locken von Marilyn Monroe entstanden sein. Hier galten Haare nicht nur als modisch, sondern oftmals auch als Lebensgefühl. So stand der „Afro“ für die Emanzipation, der Irokesenschnitt der Punks setzte ein Zeichen gegen die langhaarige Hippie-Bewegung.„Heutzutage geht es bei Frauen immer noch vor allem um Schönheit, daher gibt es auch mehr Haarprodukte für Frauen“, sagt Mülder-van Elten. „Die Männer holen aber stark auf.“

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