Die „Rauhnächte“ sind eine ganz besondere Zeit. Um Mythen und Bräuche zum Jahreswechsel ging es in der Dorenburg.

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Jenny Hengsten (5.v.r.) und Gabriele Heckmanns (4.v.r.) erzählten von den „Rauhnächten“.

Jenny Hengsten (5.v.r.) und Gabriele Heckmanns (4.v.r.) erzählten von den „Rauhnächten“.

Kurt Lübke

Jenny Hengsten (5.v.r.) und Gabriele Heckmanns (4.v.r.) erzählten von den „Rauhnächten“.

Grefrath. Mystik und dunkler Zauber legen sich über die „Zeit zwischen den Jahren“ vom 24. Dezember bis 5. Januar, die sogenannten „Rauhnächte“. So heißt es, dass die Menschen in den zwölf Tagen einst im Sinne einer „Zeit der Stille und des Ruhens“ weder ihre Wäsche wuschen, noch arbeiteten, um sich vor der Bestrafung durch Gottheiten zu schützen. Diese und weitere Geschichten zu den „Rauhnächten“ haben ihren Ursprung vor mehr als 2000 Jahren. Sie waren nun Thema eines Familienprogrammes im „Haus Rasseln“ im Niederrheinischen Freilichtmuseum.

„Keine andere Zeit ist so sagenumwoben.“

Gabriele Heckmanns, Heilpflanzen- Expertin, über die „Rauhnächte“

25 Teilnehmer zählte die Veranstaltung, die von Heilpflanzen-Expertin Gabriele Heckmanns geleitet wurde. Über das Phänomen der „Rauhnächte“ hat sie am Krefelder Umweltzentrum schon Vorträge gehalten. In Grefrath erzählte sie nun erstmals von Mythen rund um die Zeit.

So soll die Göttin Frau Holle nachgesehen haben, ob die Menschen fleißig gewesen sind – nach ihrer Ankunft musste alle Arbeit ruhen. Die Göttin Percht zog derweil die Männer vor ihr Gericht. Und nicht zuletzt stellten die Tiere den Alltag der Bauern auf den Kopf, denn sie konnten in den zwölf Tagen sprechen und über sie urteilen.

„Keine andere Zeit ist so sagenumwoben wie diese“, kommentierte Heckmanns. Und verwies auf den astronomischen Zusammenhang: In der Zeit der Rauhnächte stehe die Sonne still, erst ab dem 6. Januar werde es wieder kontinuierlich heller.

Zum Abschluss eine Wanderung über das Dorenburg-Gelände

Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand eine Räucherung, unter anderem mit Myrrhe und dem wohlriechenden Baumharz Styrax, an den Teilnehmern selbst. Dieser Brauch sollte einst Dämonen vertreiben und schlechte Keime entfernen, um Krankheiten vorzubeugen. „Eine sehr interessante Erfahrung“, so eine ältere Teilnehmerin. Abschließend stand eine rund 45-minütige Wanderung über das Gelände auf dem Programm – schweigend.

Die „Rauhnächte“ beginnen Heiligabend (24. Dezember) und dauern bis einschließlich 5. Januar.
 

Der Name dieser „Heiligen Tage“ wird verschieden gedeutet: Er könnte auf das mittelhochdeutsche Wort „ruch“ für „haarig, pelzig“ zurückgehen. Oder auf den Brauch, Häuser und Ställe auszuräuchern, um Dämonen abzuwehren.

Lange Zeit glaubten die Menschen, dass die zwölf Tage ein Spiegelbild des neuen Jahres darstellen. Folglich stellten sie alles auf den Prüfstand und bemühten sich, vor den Augen der Gottheiten keine Fehler zu begehen. Arbeiten oder waschen durften sie nicht – schließlich handelte es sich um die „Zeit der Stille und des Ruhens“.
 

„Jetzt, wo wir in Städten wohnen, haben wir einen Teil unserer Wurzeln verloren. Wir müssen uns wieder stärker mit der Natur befassen“, erklärte Heckmanns. In Grefrath trug sie ihren Teil dazu bei. Unterstützt wurde sie von Jenny Hengsten, die im Freilichtmuseum für den Kräutergarten zuständig ist, und die Veranstaltung dort ins Leben gerufen hatte. Die freute sich über das große Interesse – das aber auch Nachteile hatte. Denn so mancher Kurzentschlossene hatte keine Chance, weil das Programm keine weiteren Teilnehmer zuließ. „Das wollen wir beim nächsten Mal besser regeln“, sagte Hengsten und stellte eine Wiederholung bei den nächsten Rauhnächten in Aussicht.

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