Seit einem Monat ist die Zahl der Asylbewerber in Grefrath nicht gestiegen. Das kann sich schnell ändern.

Seit einem Monat ist die Zahl der Asylbewerber in Grefrath nicht gestiegen. Das kann sich schnell ändern.
Die Asylbewerberunterkunft am Reinersbach ist stark sanierungsbedürftig.

Die Asylbewerberunterkunft am Reinersbach ist stark sanierungsbedürftig.

Kurt Lübke

Die Asylbewerberunterkunft am Reinersbach ist stark sanierungsbedürftig.

Grefrath. „Es ist erstaunlich, aber seit dem 18. Januar ist die Zahl der Flüchtlinge in Grefrath gleich“, sagte Volkmar Josten am Dienstagabend im Ausschuss Jugend, Soziales und Senioren (siehe Kasten). Der Sozialamtsleiter führt dies darauf zurück, dass die Bezirksregierung zurzeit Flüchtlinge an Städte und Kommunen verteilt, die ihr Soll bisher nur unzureichend erfüllt haben.

Das dies so bleibt, nimmt Josten nicht an. Im Januar seien 92 000 Flüchtlinge nach Deutschland gekommen, im Januar 2015 seien es nur 35 000 gewesen. Spätestens ab Mitte März rechnet er wieder mit Zuweisungen. Josten schätzt, das Grefrath mit 200 Menschen rechnen muss, ohne diejenigen, die wenig Aussicht haben, bleiben zu dürfen.

1,6 Millionen Euro erwartet die Gemeinde für dieses Jahr als Erstattung für ihre Ausgaben im Flüchtlingsbereich. 2015 waren es 693 000 Euro. Wie viel die Gemeinde tatsächlich brauchen wird, da könne er nicht „mit seriösen Zahlen“ aufwarten. Josten: „Das kann keiner planen.“ Es gebe immer wieder Gerüchte, dass angeblich 10 000 Euro pro Flüchtling berechnet würden. Aber das sei reine Fiktion und „keine Zahl, die bei den Kommunen ankommt“, so Josten.

Wilma Hübecker (CDU) fragte, ob die Jugendlichen, die im Antoniushaus leben, mit dem Flüchtlingskontingent, das Grefrath aufnehmen muss, verrechnet werden. Dies sei nicht so, so die Antwort des Sozialamtsleiters: „Soll aber noch kommen. Das wird gerade auf Bundesebene verhandelt.“ Die Politikerin hatte auch anhand der genannten 1,6 Millionen ausgerechnet, wie viel Geld die Gemeinde pro Flüchtling zur Verfügung habe: im Durchschnitt 460 Euro im Monat. Josten stimmte ihr zu, dass es zurzeit im Schnitt 555 Euro seien, aber sobald sich die Zahl der Flüchtlinge nach oben bewege, könnten es auch schnell nur noch 333 Euro sein.

Wohnungen, die frei werden, werden vorgehalten

Bettina Wimmers (Grüne) merkte an, dass eine Beratungsstunde pro Woche, wie sie die Arbeiterwohlfahrt (Awo) in Grefrath anbiete, nicht ausreichend für die Flüchtlinge sei. Andere Kommunen böten mehr Zeit an und hätten auch arabisch sprechende Berater. Josten: „Wir marschieren in Richtung Erhöhung und führen Gespräche.“ In Grefrath gibt es seit 1998 einen Vertrag der Gemeinde mit der Awo Viersen über eine Sicherstellung der Flüchtlingsbetreuung. Dafür hat die Organisation laut Verwaltungsvorlage 2015 etwa 14 000 Euro erhalten. Der Gemeinde liegt aber auch, so Josten, ein Angebot der Awo Kreis Wesel vor, die Betreuung im Ort mit einer halben Stelle sicherzustellen – gegen Kostenerstattung.

Rita Baumgart (SPD) erkundigte sich, welche Leistungen die Gemeinde mit den 1,6 Millionen Euro bezahlen muss. Josten: „Von Betten bis Geldgewährung.“

Neben den Unterkünften am Reinersbach und am Bruchweg gibt es Wohnungen in Oedt an der Nieder-, Johannes-Girmes- sowie Süchtelner Straße, Mühlengasse und am Tetendonk in Vinkrath. Freiwerdende Wohnungen werden laut Vorlage zur Reserve für zu erwartende Zuweisungen behalten und zur „Möglichkeit der Entzerrung des Standortes Am Reinersbach“. Der bekanntlich stark sanierungsbedürftig ist. Dazu habe es Gespräche mit den Gemeindewerken und dem Bauamt gegeben. Thema: Heizung statt Kohleöfen. Der Einbau einer zentralen Beheizungsmöglichkeit stünde „von den Kosten in keinem Verhältnis zu den übrigen Mängeln der Bausubstanz“, den Bewohnern wurden somit zunächst noch Elektroradiatoren zur Verfügung gestellt. Damit die Stromkosten für die Bewohner nicht zu hoch würden, sei für die Heizperiode ein bestimmtes Kontingent freigeschaltet worden.

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