Der Spezialist für Fahrräder, Nähmaschinen und Kinderwagen in Oedt hat geschlossen.

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Zugehängte Schaufenster dokumentieren das Ende eines Familienbetriebs: Kellermann an der Hochstraße in Oedt hat zugemacht.

Zugehängte Schaufenster dokumentieren das Ende eines Familienbetriebs: Kellermann an der Hochstraße in Oedt hat zugemacht.

Kurt Lübke

Zugehängte Schaufenster dokumentieren das Ende eines Familienbetriebs: Kellermann an der Hochstraße in Oedt hat zugemacht.

Oedt. Eine lange Tradition ist zu Ende gegangen: Kellermann an der Hochstraße 31 ist dicht. Mehr als 110 Jahre war das Geschäft für Kinderwagen, Nähmaschinen und Fahrräder in Oedt ansässig. Aus „Alters- und gesundheitlichen Gründen“, so Franz-Willi Kellermann (65) am Mittwoch im Gespräch mit der WZ, hat das Familienunternehmen seine Türen geschlossen. Und auch seine beiden Kinder haben beruflich andere Wege eingeschlagen: Die Tochter ist Rechtsanwältin und der Sohn hat eine Wirtschafts-Professur in den USA.

Angefangen hat es mit Reparatur von Nähmaschinen und Rädern

Begonnen hatte alles mit dem „forschen Franz“, dem Großvater von Franz-Willi Kellermann. Im Jahr 1902 eröffnete er an der Alleestraße ein Geschäft, in dem er die Reparatur von Nähmaschinen und Fahrrädern anbot.

Den Beinamen „forsch“ erhielt der Firmengründer nicht nur, weil er sich bereits im Alter von 22 Jahren selbstständig machte. Auch sonst zeigte Franz Kellermann Wagemut: Schon 1904 fuhr er mit einem aus Belgien importierten Motorrad durch Oedt, ein Jahr später meldete er sein erstes Auto an.

Ab dem Jahr 1908 betätigte er sich außerdem als Flugpionier. Seine selbst gebauten Maschinen blieben aber am Boden – die Motoren waren zu schwach. Erst als ein Gladbacher Industrieller aus Amerika eine „Wilbour Wright“ importierte und ihn als „Bordmonteur“ engagierte, konnte er selbst mit einem Flugzeug abheben.

Werbung für eigene Produkte: „Stark und stabil wie die Burg Uda“

Unter dem Namen „Uda“ verkaufte der Firmengründer später selbst zusammengebaute Fahrräder. „Stark und stabil wie die Burg Uda“, versprach seine Werbung damals. In der Hochzeit gab es ein eigenes Eisenbahngleis für die Anlieferung von Fahrrädern.

Franz-Willi Kellermann eröffnet ein Geschäft an der Alleestraße.

Willi und Leni, Kinder des Gründers, übernehmen das Geschäft.

1956 setzte sich der „forsche Franz“ zur Ruhe. Sein Sohn, der leidenschaftliche Hochradfahrer Willi, und seine Tochter Leni übernahmen das Geschäft.

Der letzte Firmenchef war Franz-Willi Kellermann (65). Auch er hatte an der Hochstraße 31 Fahrräder – unter anderem der Eigenmarke „Uda“ – und Nähmaschinen im Angebot. Zudem wurde der Service großgeschrieben: Er führte selbst Reparaturen durch und brachte seinen Kunden die Ware auch bis vor die Haustür. „Wenn Sie es bequemer haben wollen“, stand auf der Homepage der Firma Kellermann, die inzwischen abgeschaltet ist.

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