Kurz vor der Reise ins Fliegerlager in Süddeutschland hat die angehende Segelflugpilotin Anna Hanßen (15) ihre A-Prüfung bestanden. Die WZ berichtet im Rahmen einer Serie.

Anna Hanßen aus Dülken ist Flugschülerin auf dem Flugplatz Niershorst in Grefrath.
Anna Hanßen aus Dülken ist Flugschülerin auf dem Flugplatz Niershorst in Grefrath.

Anna Hanßen aus Dülken ist Flugschülerin auf dem Flugplatz Niershorst in Grefrath.

Kurt Lübke

Anna Hanßen aus Dülken ist Flugschülerin auf dem Flugplatz Niershorst in Grefrath.

Grefrath. Eigentlich hatte Anna Hanßen (15) lediglich einen weiteren Übungs-Sonntag auf dem Flugplatz Niershorst verbracht. „Ich bin fünf Mal mit meinen Trainern geflogen“, berichtet sie. „Das Flugwetter war sehr gut. Es gab kaum Wind und keinen Regen.“ Nach dem fünften Flug waren sich die Coaches Klaus Kronig und Volker Cronjäger dann aber einig: Anna war bereit, die A-Prüfung anzutreten. Dies bedeutete für sie, mit dem Schulungsdoppelsitzer ASK21 erstmals alleine abheben zu dürfen.

„Hat man die drei Flüge geschafft, bekommt man einen Distel- und Brennnesselstrauß aufgesetzt, wird im Flugzeug bis zur Niers geschoben und dort ins Wasser geworfen.“

Anna Hanßen zum Ritual nach dem ersten Alleinflug

Drei sogenannte „Platzrunden“, die knapp vier Minuten dauern, flog sie ab dem Niershorst, startete und landete dabei jeweils sicher. Dann durfte gefeiert werden. „Hat man die drei Flüge geschafft, bekommt man einen Distel- und Brennnesselstrauß aufgesetzt, wird im Flugzeug bis zur Niers geschoben und dort ins Wasser geworfen“, erklärt sie das Ritual lachend. Das ist der Moment, in dem all die Nervosität abfällt, die sie durch die Zulassung zur Prüfung spontan überkommen hatte.

Dabei können unerwartete Geschehnisse die Schülerin aus Dülken, die im Mai ihren 15. Geburtstag gefeiert hat, eigentlich kaum mehr aus der Ruhe bringen. Acht Monate und 42 Flüge im Schulungsdoppelsitzer lagen zwischen dem Start ihrer Ausbildung zur Segelflugpilotin beim LSV Grenzland im Oktober des vergangenen Jahres und der nun bestandenen A-Prüfung.

In ihrem Ausbildungsnachweis ist eine Vielzahl von Aufgaben aufgelistet, die sie in dieser Zeit schon absolvieren musste. Nicht selten galt es dabei, spontan auf Veränderungen zu reagieren. „Besonders beim Windenstart mit Startunterbrechung muss man schnell handeln“, weiß Anna. Der Windenstart bedeutet zunächst, dass ihr Segelflugzeug mit einem langen, an einer Seilwinde befestigten Seil ganz ohne eigenen Antrieb auf eine ausreichende Geschwindigkeit und Flughöhe gebracht wird. Bei der Startunterbrechung wird das Seil ohne Vorwarnung gelöst und die Auszubildende so auf den Ernstfall vorbereitet, dass das Seil der Winde reißt. Drei Mal ist sie mit dieser Unterbrechung konfrontiert worden, jeweils in einer anderen Höhe. „Danach muss man in der Regel aus einer ungewohnten Position heraus landen“, sagt sie.

Die theoretische Prüfung hatte die Schülerin im März bestanden

Zu den weiteren Aufgaben zählten der Geradeaus-, Langsam- und Kurvenflug. Die dazugehörige Theorieprüfung hatte sie bereits im März bestanden. Daher kann sie sich nun darauf konzentrieren, die Punkte für die nächste Etappe abzuarbeiten: die B-Prüfung. Der Fokus liegt zunächst darauf zu lernen, wie man Aufwinde am Besten ausnutzt, um Höhe zu gewinnen. Im Training darf sie fortan alleine fliegen. Ihr Trainer muss dabei am Boden über Funk erreichbar sein. „Man ist viel selbstständiger“, freut sie sich. „Jetzt möchte ich noch mehr Erfahrungen sammeln.“

Dafür hat sie in den nächsten beiden Wochen eine gute Gelegenheit: Mit dem LSV Grenzland bricht sie  pünktlich zum Start der Schulferien, ins baden-württembergische Leibertingen auf. Der Verein zählt 42 Flugbegeisterte, die die Reise antreten und auch die vereinseigenen Segelflugzeuge ins Fliegerlager auf der Schwäbischen Alb transportieren. Anna hat dabei besonders die sogenannte KA-8 im Blick, einen Einsitzer. Für diesen wird sie bald eine Einweisung erhalten.

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