Unter dem Titel „Aussteigen statt Töten“ sprach Dominic Musa Schmitz in Grefrath.

Unter dem Titel „Aussteigen statt Töten“ sprach Dominic Musa Schmitz in Grefrath.
Rolf Tophoven (l.) befragt Dominic Musa Schmitz im Cyriakushaus.

Rolf Tophoven (l.) befragt Dominic Musa Schmitz im Cyriakushaus.

Friedhelm Reimann

Rolf Tophoven (l.) befragt Dominic Musa Schmitz im Cyriakushaus.

Grefrath. Mit gegeltem Haar, in Jeans und Hemd steht Dominic Musa Schmitz im Cyriakushaus und man kann sich nicht so recht vorstellen, dass dieser junge Mann vor ein paar Jahren noch langen Bart, Gebetsmütze und Gewand trug. Der 29-Jährige konvertierte im Alter von 17 Jahren zum Islam und schloss sich einer salafistischen Bewegung an. 2013 sagte er sich los, schrieb mittlerweile ein Buch und berichtete darüber, wie es passiert, dass sich Jugendliche einer radikalen Ideologie anschließen. Auf Einladung der Kirchengemeinde sprach er unter dem Motto „Aussteigen statt Töten“ vor rund 150 Gästen mit dem Grefrather Terrorismusexperten Rolf Tophoven.

Mehrere Schlüsselerlebnisse führten zum Ausstieg

Zu Beginn zitierte Tophoven aus Schmitz’ Buch. Er wisse nicht, ob er nicht vielleicht auch irgendwann für eine Terrorvereinigung mit einer Kalaschnikow ins Feld gezogen wäre, wenn er den Absprung nicht geschafft hätte, berichtet Schmitz. Damit ist gleich am Anfang des Abends klar, dass es sich bei seiner Geschichte nicht um eine harmlose Verirrung handelt. Der Salafismus ist gefährlich. Ehemalige Weggefährten kämpfen für den „Islamischen Staat“ in Syrien.

Scheidungskind, Kiffer, Schulabbrecher – so fasst Tophoven das Leben des damals 17-Jährigen zusammen. Er habe in einem guten Elternhaus gelebt, schildert Schmitz, aber die Scheidung seiner Eltern sei ein Bruch in seinem Leben gewesen. Mit 17 Jahren habe er nach der Wahrheit gesucht, dem Sinn des Lebens. Er war zwar katholisch getauft, hatte aber zum Christentum keinen Bezug. In der Familie wurden tiefgründige Fragen nicht besprochen.

Eines Tages sei er einem Freund begegnet, der zum Islam konvertiert war, und Dominic Schmitz konnte sich gut mit ihm identifizieren. „Man braucht keinen Fürsprecher. Ich spreche direkt mit Gott“, schildert er. Das habe ihm gefallen. Damals bot ihm die Religion einfache Antworten auf seine Fragen. Es sei wie ein Licht am Ende des Tunnels gewesen.

Drei Monate vergingen vom ersten Kontakt bis zum Religionswechsel. Der Einstieg war leicht. Die Gruppe schottete sich vom Rest der Gesellschaft ab. Er pilgerte mit Salafisten-Prediger Pierre Vogel nach Mekka. Sven Lau, der zurzeit wegen Unterstützung einer terroristischen Vereinigung vor Gericht steht, war wie ein großer Bruder für ihn. Aber Schmitz ging nach und nach auf, dass er sich in einen „empathielosen Roboter“ verwandelt habe. Mehrere Schlüsselerlebnisse führten zum Ausstieg. Die Ideologie sei frauenfeindlich und freiheitsberaubend. Heute sagt er das auch offen. Auch auf seinem YouTube-Kanal. Aus der salafistischen Szene gibt es dafür Drohungen. Aus seiner Heimatstadt Mönchengladbach ist er bereits weggezogen.

Einfache Antworten sind Dominic Schmitz, der Muslim geblieben ist und auch seinen arabischen Namen Musa (Moses) trägt, weiterhin zuwider – auch wenn es darum geht, den Salafismus zu erklären. Das Bild vom „Abrutschen“ in den Extremismus gefällt ihm nicht. Man rutsche nicht ab, man treffe Entscheidungen.

Aber Ideen, wie man Jugendliche davor schützen kann, hat er. „Ein Mensch, dem es gut geht, wird kein Salafist“, sagt Schmitz. „Ich wollte jemand anderes sein, bis ich gemerkt habe: Ich bin schon jemand.“ Heute weiß er, wer es ist, was er will und wofür er einsteht. Jugendliche stark machen sei daher die beste Prävention vor Extremismus. Anfangen müsse das schon im Kindesalter. In den Familien müsse man offen und ehrlich miteinander sprechen können.

Er habe Wünsche und Ziele, sagt Dominic Musa Schmitz. Aber nach dem Sinn des Lebens sucht er heute nicht mehr: „Ich habe akzeptiert, dass ich darauf keine Antwort finden werde.“

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