Im Freilichtmuseum haben Kinder mit ihren Großeltern bunte Windvögel gebastelt.

Grefrath. Herbstzeit ist Drachenzeit – das wusste man am Niederrhein schon vor vielen Generationen. Doch damals wurden die Windvögel noch nicht im Geschäft gekauft, sondern mit Papier, Schere und Kleber selbst gebastelt. Wie das funktioniert, konnten Kinder und ihre Großeltern  im Niederrheinischen Freilichtmuseum herausfinden. Im Rahmen einer Herbstferien-Aktion hatte jeder der insgesamt 16 Teilnehmer die Möglichkeit, einen eigenen Windvogel zu gestalten.

Während des Bastelns stellte sich heraus, dass das Drachenbauen auch für die Erwachsenen kein Kinderspiel ist. „Das sieht eher aus wie ein krummes Segelschiff“, sagte Ulla Poos lachend. Gemeinsam mit ihrem Enkel Tom (6) bastelte sie zuerst das Gerüst des Drachen. Dafür banden die Teilnehmer jeweils zwei Holzstäbe aneinander. In die vier Enden des entstandenen Kreuzes wurden kleine Kerben geritzt, damit der Drachen anschließend mit Schnur umwickelt werden konnte. „Wir schaffen das aber noch. Wir geben unser Bestes“, so Poos.

Einige Großeltern hatten Bastelerfahrung aus Kindheit

Angelika Jauernik kam mit ihrer Enkelin Elena (8). „Ich glaube, ich brauche gleich mal deine Hilfe“, sagte sie. Denn nicht nur Elena bastelte einen eigenen Drachen, sondern auch ihre Oma. Mit vereinten Kräften waren aber schnell beide Drachen mit Schnur umspannt, und auch die der anderen Kinder nahmen langsam Gestalt an. Jeder Windvogel-Bauer bekam einen farbigen Bogen Transparentpapier, der als „Drachenhaut“ um das Gerüst geklebt wurde. Dabei entstanden blaue, grüne, rote und gelbe Kunstwerke.

„Wir machen diese Aktion jetzt seit ein paar Jahren und sie wird immer wieder gut angenommen“, so Kevin Gröwig, Museumspädagoge und kommissarischer Museumsleiter. „Hier ist der Weg das Ziel. Es geht eigentlich eher darum, gemeinsam etwas zu machen.“ Alle der neun kleinen Teilnehmer waren mit ihren Omas und Opas gekommen, Eltern fanden sich nicht unter den Bastlern. „Die meisten Kinder kommen mit ihren Großeltern, die das Drachen-Bauen selbst noch aus ihrer Kindheit kennen. Wir haben bei den letzten Aktionen schon viele Tipps und Tricks von ihnen bekommen“, sagte Gröwig.

„Als Kind haben wir sowas oft gebaut“, bestätigte Martin Bröxges, der seinen drei Enkelkindern beim Basteln half. „Ich bin mal gespannt, ob die genauso fliegen, wie unsere Drachen früher.“ Auch Christa und Norbert Kox hatten bereits ein paar Erfahrungen im Windvogel-Bau. „Wir haben irgendwann auch mal mit unseren eigenen Kindern einen Drachen gebastelt, aber das ist schon lange her“, so Christa Kox. Enkelin Sofie (10) war als Erste fertig mit ihrem Drachen, der in grün und mit bunten Sternen leuchtete. „Das mit der Schnur war ganz schön schwierig“, fand Sofie. „Aber das hat trotzdem ganz viel Spaß gemacht. Und wie das mit dem Starten geht, weiß ich auch schon.“

Die nächste Mitmach-Aktion für Kinder, Eltern und Großeltern gibt es am 6. November im Niederrheinischen Freilichtmuseum, Am Freilichtmuseum 1. An diesem Tag geht es für die Teilnehmer rund um die Martinsbräuche am Niederrhein. Im Anschluss werden gruselige Rübengeister geschnitzt. Es ist nur der reguläre Museumseintritt zu entrichten. Anmeldung unter Tel. 02158/91730.

Der blaue Drachen von Tom bekam auch ein ganz besonderes Motiv. „Ich möchte ein Raumschiff und Sterne aufkleben“, erklärte er. Auf einen Testflug mussten die fleißigen Bastler aufgrund des Regens aber leider verzichten. „Jeder bekommt aber ein paar Meter Schnur mit nach Hause, um die Flugtauglichkeit später zu testen“, so Gröwig.

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