Unter dem Motto „Allerlei Flickwerk“ wird das Schneiderhandwerk von damals und heute gezeigt.

aktionstag
Brigitte Caspers (l.) strickt, Michaela Krauskopf flickt einen Handschuh. Ute Kampendonk und Ute Sauerland (hinten) schauen ihr interessiert zu.

Brigitte Caspers (l.) strickt, Michaela Krauskopf flickt einen Handschuh. Ute Kampendonk und Ute Sauerland (hinten) schauen ihr interessiert zu.

Lübke

Brigitte Caspers (l.) strickt, Michaela Krauskopf flickt einen Handschuh. Ute Kampendonk und Ute Sauerland (hinten) schauen ihr interessiert zu.

Grefrath. Die Nähmaschine surrt, Michaela Krauskopf ist voll in ihrem Element. In der kaminfeuerbeheizten guten Stube der Hofanlage Rasseln führte die Damen- und Herrenschneider-Meisterin aus Neukirchen-Vluyn am Samstag ihr Handwerk vor. Beim Aktionstag „Allerlei Flickwerk“ war sie fürs moderne Nähen zuständig – mit Bügeleisen, Vlieseline, Synthetikstoffen und Nähmaschine.

Eine Steckdose gab’s vor 100 Jahren freilich nicht – damals hatte die Handarbeit einen anderen Stellenwert. Davon berichtete Brigitte Caspers aus Mönchengladbach. Die als Bäuerin gewandete ehrenamtliche Museums-Mitarbeiterin hatte das Nähkästchen ihrer Mutter mitgebracht – ein hölzernes Relikt aus Zeiten, in denen jede Frau problemlos einen Knopf annähen konnte.

„Damals wurde Kleidung noch in Ehren gehalten.“

Brigitte Caspers, ehrenamtliche Museums-Mitarbeiterin

„Nähen war damals eine Notwendigkeit“, sagt Caspers und sticht die Nadel von oben in ein Stoffstück. „Kleidung war teuer und wurde deshalb lange Jahre getragen. Wenn etwas kaputtging, wurde es geflickt“, erzählt Caspers und näht über Kreuz den Perlmuttknopf ans Leinen. „Damals wurde Kleidung noch in Ehren gehalten“, fügt sie hinzu.

Die Mittel dafür waren einfach, aber effektiv: Gummilitze in der benötigten Stärke wurde per Sicherheitsnadel durch den Tunnelzug geführt und zusammengenäht, damit die Kniestrümpfe wieder halten. Mit einem Zündholz war der Knopf während des Annähens weit genug vom Stoff entfernt. Socken wurden gestopft, als Hilfsmittel diente ein hölzernes „Stopf-Ei“.

Kurzwarengeschäfte sterben aus, junge Frauen nähen wieder gerne

Als Beweis für die heutige Wegwerf- und Überflussgesellschaft spricht Michaela Krauskopf das Aussterben der Kurzwaren-Geschäfte an: „Es gibt kaum noch welche.“ Dafür begeistern sich aber wieder mehr junge Frauen fürs Nähen. Dabei stehen dann aber nicht Kleidung, sondern Handyhüllen, Kissenbezüge oder Umhängetaschen im Mittelpunkt des Interesses. „Im Internet gibt’s auch für Anfänger entsprechende Anleitung. Die ist aber teilweise mit Vorsicht zu genießen, denn die Erklärenden haben nicht alle Ahnung“, sagt Krauskopf.

Damit sogar der gut gekleidete Herr von Welt einen Knopf selber annähen kann, gibt es Nadeln mit „Ritz“, welcher das Einfädeln verzichtbar macht. „Der Rest ist Übung“, sagt Brigitte Caspers und führt die Nadel mit geübten Fingern.

„Ich ändere viel, designe alte Anziehsachen neu“, sagt Besucherin Inge Krappen aus St. Tönis. Ein älterer, nicht richtig sitzender Pullover kommt ihr gerade recht: „Was nicht passt, wird passend gemacht.“ Damit Anfänger bald schon ähnlich routiniert mit Nadel und Faden umgehen können, verrieten Krauskopf und Caspers auf Anfrage gerne Tipps und Tricks.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer