Paul Therstappen war Altertumsforscher und Poet. Wissenschaftler wollen an ihn erinnern.

Paul Therstappen war Altertumsforscher und Poet. Wissenschaftler wollen an ihn erinnern.
Ein Porträt des 70-jährigen Therstappen von Adolf Oehlen.

Ein Porträt des 70-jährigen Therstappen von Adolf Oehlen.

Oehlen

Ein Porträt des 70-jährigen Therstappen von Adolf Oehlen.

Nettetal. Für diesen Abend kommt die 900-Jahr-Feier von Breyell eigentlich zu früh. „Wir sind noch mitten in den Nachforschungen und wollten das Ergebnis im Jahr 2022 vorlegen“, sagt Berndt Goossens. Der promovierte Literaturwissenschaftler befasst sich seit einigen Jahren zusammen mit der pensionierten Studiendirektorin Angela Wegers mit Leben und Werk des nahezu vergessenen Lyrikers, Mythologen und Vorgeschichtsforschers Paul Therstappen. Zum 150. Jahrestag von Therstappens Geburtstag soll eine eingehende Darstellung vorliegen.

Paul Therstappen wurde 1872 in Breyell geboren. Nach Studienjahren in Münster, München, Straßburg und Marburg sowie beruflichen Stationen in Königsberg, Breslau, Trier, Mönchengladbach und Köln kehrte er 1942 nach Breyell zurück. Dort starb er 1949 im Alter von 77 Jahren. Es war nicht immer einfach für ihn, das tägliche Brot für die Familie zu besorgen, denn 1934 hatten ihn die Nationalsozialisten zwangspensioniert, zuvor war er Bibliothekar an den Volksbüchereien in Köln.

Als Schriftsteller verdingte sich der Breyeller erst spät

Die Domstadt, in der Therstappen seit 1921 lebte, wurde ihm zur zweiten Heimat und auch zur Quelle seines literarischen Schaffens, das mit einer unprosaischen Arbeit begann: Er verfasste 1922 eine „Festschrift zu Ehren von Arnold Anton Goossens und seiner Schöpfung, der Firma Gebr. Goossens in Breyell/Niederrhein“. Therstappen betrachtete die Broschüre zum 125-jährigen Bestehen des Unternehmens auch als einen „Beitrag zur niederrheinischen Heimat- und Handelsgeschichte“.

Dem „deutschtümelnden Forscher und Dichter vom Niederrhein“ ist mitten im Zweiten Weltkrieg zum 70. Geburtstag eine Festschrift gewidmet worden. Gegen diese Etikettierung Therstappens wehrt sich der Literaturwissenschaftler Goossens mit Nachdruck.

Literaturwissenschaftler Berndt Goossens verteidigt Therstappen

Zwar spiele die deutsche Mythologie eine wichtige Rolle in seinem Werk, doch habe sie nichts mit der Blut- und Boden-Ideologie der Nazis zu tun. „Er war ein gelehrter Dichter mit vielen Bezügen zur Geschichte“, lautet sein Urteil. So sieht er Paul Therstappen auch nicht als „Heimatdichter“, auch wenn dieser immer wieder Themen aus seiner unmittelbaren Umgebung aufgriff. Manche seiner Gedichte hat Therstappen selbst vertont, zu anderen hat Bernd Zimmermann (WDR) die Musik geschrieben. Einige sind am 22. März zu hören.

Eine Verehrerin Therstappens war die Soziologin Hanna Meuter. Beide haben sich 1921 als Kollegen in der Kölner Volksbücherei kennengelernt. Das Verhältnis Therstappen–Meuter charakterisiert Wegers knapp: „Sie war verliebt in ihn.“ Die Liebe überdauerte den Tod Therstappens um zehn Jahre: 1959 erschien das von Meuter bearbeitete „Heimatbuch vom alten Kiepenträger-Dorf“ als Hommage an Paul Therstappen mit dem Titel „Breyell, wat huckste knäbbig“.

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