Enkelin Marie Theres Börner erinnert sich an Ferdinand von Langenberg und seine Werke.

Enkelin Marie Theres Börner erinnert sich an Ferdinand von Langenberg und seine Werke.
Holzschnitzer Ferdinand Langenberg stattete über Jahrzehnte Kirchen am Niederrhein mit seinen Arbeiten aus – auch in Nettetal.

Holzschnitzer Ferdinand Langenberg stattete über Jahrzehnte Kirchen am Niederrhein mit seinen Arbeiten aus – auch in Nettetal.

Red

Holzschnitzer Ferdinand Langenberg stattete über Jahrzehnte Kirchen am Niederrhein mit seinen Arbeiten aus – auch in Nettetal.

Nettetal. Von Ferdinand Langenberg, der als Bildschnitzer von Niederrhein mehr als 200 Altäre in seiner Werkstatt schuf, gibt es auch in Nettetal Spuren. Etwa die Altäre aus Schaag und Langenberg sowie die vier Heiligenfiguren unter der Nordrosette in der Kirche St. Sebastian in Lobberich: Josef, Sebastian, Aloisius und Antonius.

Einen Altar hat die Enkelin dem Kindergarten geschenkt

Oder auch im katholischen Kindergarten in Lobberich. Dort steht das Gesellenstück des 1931 verstorbenen späteren Meisters, eine Holzschnitzarbeit, die Maria mit dem Jesuskind auf einer Weltkugel zeigt. Dass sie dort steht, geht auf eine Initiative von Langenbergs Enkelin, Marie Theres Börner, zurück: „Ich habe sie dem Kindergarten geschenkt, weil meine Kinder dort gut betreut worden“, erzählt Börner.

Rückblick in das Jahr 1905, in die Werkstatt von Ferdinand Langenberg: In diesem Jahr waren dort zwölf Altäre gleichzeitig in Arbeit: Hochaltäre in St. Cornelius in St. Tönis, für St. Josef in Münster, für die Dreifaltigkeitskirche und St Elisabeth in Düsseldorf, für das Kloster der Barmherzigen Schwestern in Münster, der Josefsaltar und der Marienaltar für St. Peter in Düsseldorf sowie die Seitenaltäre in Emsdetten, für St. Josef in Driburg, St. Peter in Recklinghausen, für die Dominikanerkirche in Berlin und in Maastricht sowie der Rosenkranzaltar für Sankt Josef Duisburg.

In dieser Zeit hatte die Langenberg-Werkstatt den Höhepunkt ihrer Leistungsfähigkeit erreicht. Sie hatte – neben seinem Mitarbeiter Kaplan Joseph Windhausen aus Waldniel – etwa dreißig Angestellte. Walter Börner, der verstorbene Ehemann von Marie Theres Börner und Mediziner, hatte in seinem Buch „Der Bildschnitzer vom Niederrhein“ die Arbeitsstätte des bekannten Verwandten beschrieben: Mehrere Werktische und ein eigener Gipsraum gehörten ebenso dazu wie Schränke mit Beschreibungen von Werken, die Langenberg als Anregung dienten.

Polychromie und Vergoldung wurden in eigener Werkstatt hergestellt. Seit dem Eintritt von Windhausen – der Bischof von Roermond hatte ihn als Freikaplan freigestellt für künstlerische Aufgaben – wurde auch die farbige Bemalung in der Werkstatt selbst ausgeführt. Ebenfalls in den Auftragsbüchern des Jahes 1905 zu finden: Für Viersen wurden eine Mutter Gottes und ein Engel angefertigt, für Burgwaldniel schuf der Künstler eine Pieta und die Orgelbühne, Oedt erhielt einen Altar mit Rosenkranzgruppe und sechs Engeln.

Das Handwerk wurde Langenberg in die Wiege gelegt

Ferdinand Langenberg stammte aus einer Handwerkerfamilie, geboren wurde er am 7. April 1849 in Goch. Seine Lehre absolvierte er in Boxmeer. In Goch starb er am 17. Februar 1931. Von den mehr als 200 Altären, die aus der Langenberg-Werkstatt stammen, sind heute nur noch etwa 150 bekannt. Besonders sehenswert ist der große Flügelaltar in Vorst sowie in der Martinuskerk in Venlo, (Niederlande).

Ein Altar aus der Langenberg-Werkstatt kostete auch einiges: So ist belegt, dass in Schaag 1913 die Umarbeitung des Altares mit Anfertigung von neun geschnitzten Gruppen mit Polychromie 5.175 Goldmark – nach dem Wert 1991, dem Jahr der Aufzeichnungen, etwa 33.537 DM gekostet hat. Pro Einzelgruppe waren 575 Goldmark gezahlt worden (etwa 3737 DM). Davon entfielen auf Lohn 175, Material 50, Entwurf 100, Polychromie 100, Einbau 100, Transport 20 und Versicherung 100 Goldmark.

Seine Arbeiten wurden vielfach nicht nur von Gläubigen beachtet. Im Jahr 1950 fielen sie auch dem Bundespräsidenten Theodor Heuß auf, wie in der Zeitung vom 30. November 1950 zu lesen war: „Als die beiden Ehrenfriedhöfe in Donsbrüggen und Weeze eingeweiht wurden, nutzte der Bundespräsident Professor Heuß seine Anwesenheit am Niederrhein zu einer Besichtigung der Kunstschätze in Kalkar. Er verweilte dabei auch längere Zeit in der kleinen Kreuzwegkapelle der Kalkarer Nicolai-Kirche und erkundigte sich eingehend nach dem Schöpfer der Kreuzwegstationen, die er als gute Bildhauerarbeit bezeichnete. Dieser Kreuzweg ist eine Arbeit jüngeren Datums. Er wurde von dem Gocher Bildschnitzer Ferdinand Langenberg geschaffen, dessen Schnitzerwerkstätte über unser Heimatgebiet hinaus berühmt war. Es war vor allem das Werk der gotischen Bildschnitzer, in das der Meister sich so sehr vertieft hatte, daß er ihren Stil vollkommen beherrschte und Werke schuf, die sich dem Geist gotischer Kirchen anpassten. Kalkar ist dafür ein besonderes Beispiel. Außer dem Kreuzweg stammen hier auch die reichgeschnitzte Kommunionbank und andere Werke von Langenberg.“

Marie Theres Bömer kann auch erzählen, wie ihr Großvater dem befreundeten heiligen Arnold Jansen, dem Gründer der Steyer Missionsgesellschaft, traf – Treffen mit dem „Nölleken“, wie er in Goch genannt worden sei.

Auch wenn Ferdinand Langenberg am 17. Februar 1931 in Goch starb – durch seine zahlreichen Werke lebt er weiter.

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