Die Verwaltung legt heute eine Zwischenbilanz vor, wie weit die „Netzwerkarbeit für benachteiligte Kinder“ ist.

Im Wohnquartier Speckerfeld liegt der Anteil an Kinderarmut bei knapp 20 Prozent.  Archiv
Im Wohnquartier Speckerfeld liegt der Anteil an Kinderarmut bei knapp 20 Prozent. Archiv

Im Wohnquartier Speckerfeld liegt der Anteil an Kinderarmut bei knapp 20 Prozent. Archiv

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Im Wohnquartier Speckerfeld liegt der Anteil an Kinderarmut bei knapp 20 Prozent. Archiv

Nettetal. Geduld und Beharrlichkeit sind gefragt: „Was grundsätzlich gegen Kinderarmut zu tun ist, ist eine Generationenaufgabe“, hat Heiko Brodermann vom Jugendamt festgestellt. Um diese Aufgabe zu bewältigen, erarbeitet die Verwaltung mit Fördermitteln des Landschaftsverbandes Rheinland Konzepte und Strategien. Unter dem Motto „Nettetaler Netzwerke für Kinderchancen“ soll so Jungen und Mädchen auch aus armen Familienverhältnissen gesellschaftliche Teilhabe ermöglicht werden; federführend ist das beim Jugendamt angesiedelte Familienbüro. Eine Zwischenbilanz wird heute Abend im Jugendhilfeausschuss im Rathaus (18.30 Uhr, Doerkesplatz 11) vorgestellt.

„Das Thema Kinderchancen in Nettetal soll bis 2017 präsent bleiben.“

Zitat aus der Zwischenbilanz

Die Fakten sprechen für sich: Knapp 14 Prozent der Nettetaler Kinder bis 15 Jahre erhalten Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch, somit sind 750 von 5400 Jungen und Mädchen von Kinderarmut betroffen. Das entspricht, wie Brodermann erläutert, etwa dem Durchschnitt im Kreis Viersen. Während in kleineren Stadtteilen wie Leuth und Hinsbeck der Anteil betroffener Kinder unter sieben Prozent liegt, fällt Breyell mit dem Wohnquartier Speckerfeld mit fast 20 Prozent aus dem Rahmen.

Stadt erhält LVR-Fördergelder

Auch wenn solche Analysen über materielle Armut in den Stadtteilen vorliegen, vermeidet man in Nettetal dabei möglichst den Begriff Kinderarmut. Zum wiederholten Mal argumentiert die Verwaltung, eine Überschrift Kinderarmut sei „nicht zweckdienlich, da die reichhaltige Netzwerklandschaft bereits einen Großteil der Dimensionen von Kinderarmut aufgreift“. Dies bezeichnete eine sozial engagierte Breyellerin schon bei der Vorstellung des Projekts als „begriffliche Augenwischerei“. Sie forderte stattdessen Handeln. Konkrete Ergebnissen peilt die Netzwerkarbeit tatsächlich an: Eine „Arbeitshilfe zum Thema Kinderarmut“ soll Auswege und Chancen zur Verbesserung nicht nur in Breyell aufzeigen. Seit diesem Herbst befasst sich eine Arbeitsgruppe aus verschiedenen Nettetaler Netzwerken mit der Erstellung. Sie will spätestens Ende 2017 einen Leitfaden vorstellen, auch ein Hilfsfonds soll präsentiert werden.

Basis der Netzwerkarbeit für Kinderchancen ist das Förderprogramm des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR) „Teilhabe ermöglichen – Kommunale Netzwerke gegen Kinderarmut“. Daraus erhält die Stadt bis 2017 insgesamt 37.000 Euro LVR-Fördergelder, aber auch danach, so heißt es in der Zwischenbilanz der Verwaltung, „soll das Thema Kinderchancen in Nettetal präsent bleiben“.

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