Fachkräftemangel: Nie war die Zahl der offenen Stellen so hoch wie 2011. Zur Abhilfe setzen die Experten auf weibliche und ältere Beschäftigte.

Frauen und Mädchen für technische und naturwissenschaftliche Berufe begeistern – das ist ein Mittel gegen den drohenden Fachkräftemangel.
Frauen und Mädchen für technische und naturwissenschaftliche Berufe begeistern – das ist ein Mittel gegen den drohenden Fachkräftemangel.

Frauen und Mädchen für technische und naturwissenschaftliche Berufe begeistern – das ist ein Mittel gegen den drohenden Fachkräftemangel.

dpa

Frauen und Mädchen für technische und naturwissenschaftliche Berufe begeistern – das ist ein Mittel gegen den drohenden Fachkräftemangel.

Kreis Viersen. Ingo Zielonkowsky malt das Arbeitnehmerparadies aus: „Die Arbeitgeber müssen attraktiv sein für ihre Beschäftigten“, sagt der Chef der Agentur für Arbeit Krefeld/Kreis Viersen und spielt darauf an, dass qualifizierte Kräfte sich künftig ihre Traumstelle aussuchen können.

Kompetenzzentrum „Frau und Beruf“ wird vom Land gefördert

Hartmut Schmitz, Hauptgeschäftsführer der Unternehmerschaft, sieht diese Zeit am Niederrhein zwar noch nicht angebrochen: „Wir werden noch ein paar Jahre mit einem blauen Auge davonkommen.“ Aber es sei spürbar, dass die Firmen enorme Anstrengungen unternehmen müssen, um geeignete Mitarbeiter und Auszubildende für sich zu gewinnen.

Einer der Hauptgründe ist die alternde Gesellschaft: „Der demographische Wandel ist die größte Herausforderung auf dem Arbeitsmarkt der nächsten 20 Jahre“, sagt Zielonkowsky. deshalb müssen jetzt die Frauen ran. Zielonkowsky spricht von einem Potenzial, das gehoben werden müsse.

Doch so richtig geht es noch nicht voran, wie DGB-Vorsitzender Ralf Köpke kritisiert. „Unsere Region kann Landesmittel für ein Kompetenzzentrum ,Frau und Beruf’ beantragen. Leider ist noch kein Antrag gestellt worden, weil die Trägerschaft noch nicht klar ist.“ Andere Regionen seien da schon weiter.

Einig ist man sich aber, dass gut ausgebildete Frauen sogar ein Wettbewerbsvorteil sein können. Deshalb gibt es gemeinsame Anstrengungen, schon in den Schulen bei den Mädchen für technische und naturwissenschaftliche Berufe zu werben. Ingenieurinnen bieten zudem interessierten Schülerinnen an, sie in ihrem Beruf eine zeitlang zu begleiten (Mentoring). Aber auch in den Firmen müsse sich etwas tun. Die Arbeitgeber sollten ihren Beschäftigten die Betreuung von Kindern oder älteren Familienangehörigen ermöglichen und flexible Arbeitszeitmodelle anbieten.

Im Bereich der Ausbildung ist die Zahl der Stellen nur leicht gestiegen in 2011. Die Zahl der Bewerber ist hingegen gesunken. Dennoch kamen 100 Bewerber auf 78 Stellen. Ende September waren noch 18 Ausbildungsplätze unbesetzt, 22 Jugendliche hatten noch keine Ausbildung gefunden. 2010 waren es 100 Bewerber für 75 Stellen, 2008/9 waren es 100 Bewerber auf 83 Stellen.

In Krefeld/Kreis Viersen gibt es 250 Ausbildungsberufe, doch über 40 Prozent der Bewerber interessieren sich nur für die Top-10-Jobs wie Kaufmann oder Verkäufer. Bei anderen Berufen könnten die Bewerber auswählen: Optiker unter 2,5 Stellen, Gärtner 2,8, Fachlagerist 6 Stellen.

Neben den Frauen setzt die Unternehmerschaft aber auch auf die älteren Arbeitnehmer: „Man muss Fachkräfte länger beschäftigen als bis 65. Deshalb spielt das Gesundheitsmanagement in vielen Unternehmen mittlerweile eine wichtige Rolle.“ Viele Arbeitgeber hätten erkannt, dass es auf die richtige Altersmischung in der Belegschaft ankäme.

Weiteres Potenzial sieht Schmitz bei den ausländischen Arbeitnehmern sowie bei den Studenten. Hier müsse die Abbrecherquote gesenkt werden.

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