Lagerleben: Im Theodor-Heuss-Park campierten viele so authentisch wie möglich. Die Gäste bekamen einen Einblick in vergangene Zeiten.

Anrath. Sie sahen von weitem aus wie weiße Pilze, die rund 70 Zelte im Theodor-Heuss-Park. Hier fand am Wochenende das Lagerleben statt, ein buntes Völkchen aus allen Teilen Deutschlands hatte sich eingefunden.

Da war beispielsweise Nils Wolpert (20) aus Dorsten. Der Archäologiestudent mit dem mächtigen Vollbart war in die Rolle des Wikingers geschlüpft - ein Knochenschnitzer, der sich gerne bei der Arbeit über die Schulter schauen ließ. Krankenschwester Kerstin Schröder beherrscht die Kunst des Brettchenwebens, wie es im 11. Jahrhundert praktiziert wurde. "Dieses Hobby bringt mir Entspannung", sagte sie.

Entspannt ging es zu - angesichts der vielen Kriege zu früheren Zeiten eine nicht ganz authentische Situation. Simone Niklas(12) versuchte so zu drechseln, wie es im 13. Jahrhundert gemacht wurde - ihr Handwerkszeug hat Johannes Ulrich Brenner aus Kierspe nach alten Vorlagen gefertigt, er selbst bediente eine mittelalterliche Wippdrehbank.

Die größte Menschenansammlung gab es vor der Fruchtweinschänke

Lustig ging’s zur Sache, wenn Pill und Pankratz auf der Park-Bühne ihre frechen Sprüche klopften. Auch das Publikum war vor ihren Possen nicht sicher. Mal wurde den Damen im Publikum schöne Augen gemacht, dann wieder Düsseldorfer die Witze noch mal separat erklärt - sie könnten ja nicht alles verstanden haben...

Die größte Menschenansammlung markierte die Fruchtweinschänke, dazu gab’s süße Apfelringe im Teigmantel oder herzhafte Falafel-Taschen. Andreas Helfert aus Schlüchtern bei Fulda heimste etliche Auftragsarbeiten ein: Er stellt Schuhe her, wie sie vor 1000 Jahren getragen wurden. Stefan Pilz aus Heinsberg leistete ihm beim Feierabend-Bier Gesellschaft, ohne die Vergangenheit zu verklären. Er mimte den Händler aus Dänemark und geht davon aus, dass die Menschen früher abends todmüde ins Bett gefallen sind.

Anno II. entführte 1062 im nahen Kaiserswerth den sechsjährigen König Heinrich IV. In diese Zeit versetzte eine Gruppe die Besucher im Theodor-Heuss-Park. Ihr Militärlager repräsentierte das "frankoflämische Kontingent". Bei den "Schlacht-Exercicien" ließen sie es krachen, metzelten einander mit blankem Schwert nieder - nur um wenig später putzmunter wieder zu ihren im Lager wartenden Damen zu marschieren. "Die Frauen der Salier trugen damals Kopftuch als Wiedergutmachung für den Sündenfall", erfuhr unter anderem Vize-Bürgermeister Dieter Lambertz.

"Das Rudel" aus Darmstadt kochte vor den Augen der Besucher. Es gab unter anderem "Huhn im Brätmantel", dazu Weintraubensoße. Dominique Merkle, die sich mit dem Nasenpiercing einen Stilbruch erlaubt, lobte das Anrather Publikum: "Die Leute sind sehr freundlich, und interessiert - das ist nicht überall so."

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