Musik, Kabarett und Kleinkunst auf hohem Niveau: Das macht das Festival am Grünen See so attraktiv und erfolgreich.

Stimmung von der ersten Minute an: „Köbes Underground“ ließ am Freitagabend das Festzelt am Grünen See beben.  (Fotos (2): Pierre-Claude Hohn)
Stimmung von der ersten Minute an: „Köbes Underground“ ließ am Freitagabend das Festzelt am Grünen See beben. (Fotos (2): Pierre-Claude Hohn)

Stimmung von der ersten Minute an: „Köbes Underground“ ließ am Freitagabend das Festzelt am Grünen See beben. (Fotos (2): Pierre-Claude Hohn)

Stimmung von der ersten Minute an: „Köbes Underground“ ließ am Freitagabend das Festzelt am Grünen See beben. (Fotos (2): Pierre-Claude Hohn)

Ratingen. Nach zehn Takten war schon Stimmung im Festzelt am Grünen See. Nach drei Stunden bester Live-Darbietung wollten das restlos begeisterte Publikum "Köbes Underground" nicht mehr von der Bühne lassen und erklatschte sich eine Zugabe nach der anderen.

In der Tat: Was die Hausband der Kölner Stunksitzung am Freitagabend bei der ZeltZeit präsentierte, war erste Klasse. Die Parodien bekannter Hits und Rockklassiker trieben mit ihren schrägen Texten und der oftmals skurrilen Darbietung dem Publikum die Lachtränen ins Gesicht.

Dabei zeigte sich die Band durchgehend als Ensemble von Spitzenmusikern, die für ihre Soli berechtigten Szenenapplaus einheimsten. Einhelliges Fazit: allerbeste Unterhaltung.

Das galt auch für Guido Cantz. Karneval kann er, und als Moderator von großen Samstagabendshows hat er auch überzeugt. Aber kann er auch einen ganzen Abend als Entertainer alleine gestalten? Nach seinem Gastspiel am Samstagabend können die Ratinger nun ganz klar antworten: Ja, er cantz!

Mit seinem zweiten Soloprogramm "Ich will ein Kind von Dir!" begeisterte der Kölner im fast ausverkauften Zelt mit hoher Gagdichte, Charme und Schlagfertigkeit. Wer vielleicht befürchtet hatte, zwei Stunden Rosenmontagshumor serviert zu bekommen, durfte schnell aufatmen. Cantz zeigte sich als durchaus routinierter "Alltagskomiker", der es sich irgendwo in der Schnittmenge der "Nightwash"-Generation gemütlich macht.

Deutlich über dem Niveau eines Mario Barth aber noch nicht ganz so ein schlüssiges Gesamtwerk wie etwa ein Atze Schröder. Vielleicht präsentierte er eine familienfreundlichere Variante von Ingo Appelt, ohne dessen aufgesetzten Provokationen.

Wie der Titel es schon andeutet, ging es im Programm um die Generation, die sich langsam aber sicher mit der Elternrolle anfreunden muss. Die Realität hat Cantz übrigens schon überholt, der Entertainer wird im Juli zum erstmals Vater, wie er verkündete.

Bis dahin muss er aber erst einmal als Patenonkel üben, "meine Nichte Marie pennt in der Umkleidekabine", verriet er augenzwinkernd und baute demonstrativ das Babyphon auf der Bühne auf - mit eigenem Mikro. Das Wunder der Vaterschaft zog sich als ein roter Faden durch den Abend, sei es in Form von "Hobbythek"-Urgestein Jean Pütz der "seine eigenen Enkelkinder zeugt" oder mit Warnungen vor Östrogen verseuchtem Trinkwasser, das die Zeugungsfähigkeit auch jüngerer Männer stark verringern soll.

Und Cantz warf auch mal einen Blick auf die anderen Eltern in seiner Nachbarschaft in Köln Porz: "Bei manchen müssten die Supernanny, Peter Zwegat und Tine Wittler nacheinander durch die Bude rennen, damit da halbwegs geordnete Verhältnisse herrschen!" Klar, ein flotter Spruch war immer schnell zur Hand und auch, wenn nicht jeder Gag ins Ziel ging, wurde es doch nie langweilig - und eben auch nicht peinlich.

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