Erna de Vries überlebte das KZ. Wülfrather Gymnasiasten durften ihr Fragen zu ihren Erlebnissen stellen.

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Erna de Vries, Jahrgang 1923, beantwortete geduldig die Fragen der Schüler der Q1 im Gymnasium Wülfrath.

Erna de Vries, Jahrgang 1923, beantwortete geduldig die Fragen der Schüler der Q1 im Gymnasium Wülfrath.

Simone Bahrmann

Erna de Vries, Jahrgang 1923, beantwortete geduldig die Fragen der Schüler der Q1 im Gymnasium Wülfrath.

Wülfrath. „Darüber zu lesen, ist schon schlimm. Aber es von jemandem zu hören, der es miterlebt hat, ist schlimmer“, fasst Maike die ungewöhnliche Geschichtsstunde zusammen. Am Montagvormittag war Erna de Vries zu Gast im Gymnasium. Die Auschwitz-Überlebende, Jahrgang 1923, erinnerte sich für etwa 120 Schüler der Q1 an ihr Schicksal.

Was „Auschwitz“ bedeutet, wusste Erna de Vries

Mit ruhiger Stimme und sachlicher Wortwahl erzählte Erna de Vries. „Nun hatten wir kein Einkommen mehr und mussten vom Ersparten leben“, beschrieb sie die Auswirkungen der „Nürnberger Gesetze“ 1935, wie sie als Halbjüdin 1938 aus der Schule entlassen wurde und den Kriegsbeginn 1939 erlebte. „Ich hatte Angst.“ Was „Auschwitz“ bedeutet, wusste sie. „BBC funkte abends auf deutsch. Täglich hörte ich dort Berichte, was in Deutschland passierte.“

Gemeinsam mit der Mutter wird sie nach Auschwitz deportiert. Dort bleiben sie zusammen, bis der Mutter die Verlegung in Block 25, den sogenannten Todesblock, bevorsteht. „Wir haben uns mit der Gewissheit verabschiedet, dass wir einander nie wieder sehen.“ De Vries hatte Glück, sie wurde in das Lager Ravensbrück verlegt und erlebte dort die Befreiung.

1994 besuchte de Fries die Ausschwitz-Gedenkstätte

Ruhig hatten die Oberstufenschüler dem Vortrag zugehört. Dann folgte die Fragerunde. Wie schlimm es für sie heute ist, eintätowierte Häftlingsnummer zu sehen, wollte Merlin wissen. „Es ist, als wenn man eine Narbe hat. Ich sehe das, aber nehme es nicht mehr wahr.“

Viel zu milde seien die Naziverbrecher verurteilt worden, so de Vries: „Es war unmenschlich, was die gemacht haben.“ Was sie zu einem ihrer Peiniger sagen würde, begegnete sie ihm heute? „Darüber habe ich noch nie nachgedacht.“ Warum sie nicht früher emigriert sei, interessierte einen Schüler. „Daran haben wir gedacht. Aber die Mutter meiner Mutter war krank. Und die wollten wir nicht im Stich lassen.“

1994 besuchte sie die Auschwitz-Gedenkstätte. „Ich wollte dem, was von meiner Mutter übrig ist, nahe sein. Der Besuch war für mich sehr schlimm.“

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