Im Interview: Die neue Bürgermeisterin Claudia Panke will für Vertrauen im Rathaus werben und den Fraktionen die Hand reichen.

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Bürgermeisterin Claudia Panke vor dem Rathaus.

Bürgermeisterin Claudia Panke vor dem Rathaus.

Simone Bahrmann

Bürgermeisterin Claudia Panke vor dem Rathaus.

Wülfrath. Was will Claudia Panke als Bürgermeisterin im Rathaus ändern? Wie stellt sie sich den Umgang mit dem Rat vor? Im Interview mit der WZ setzt Panke erste Duftmarken.

Am 21. Oktober ist Ihr erster Arbeitstag. Und sofort weht ein neuer Wind durchs Rathaus. Personal wird umgesetzt. Neue Strukturen werden eingeführt. Und...

Panke: ...Wülfrath ist morgen schuldenfrei. Nein, genauso geht es nicht. Ich komme nicht ins Rathaus und weiß sofort alles besser. Ich komme, um erst einmal kennen zu lernen. Ich bin die Neue. Ich höre hin, schaue hin und lerne. Ich will ins Gespräch kommen mit den Mitarbeitern, will mit den Amtsleitern reden, will von deren dringendsten Themen hören. Die Mitarbeiter sollen mir sagen, was ich zuerst wissen sollte. Und ganz vorne stehen natürlich die Gespräche mit dem Kämmerer.

Das heißt, Sie treten das Bürgermeisteramt mit einer Portion Neugier an?

Panke: Das könnte man so sagen. Ich kann doch nicht hinkommen und alles umkrempeln. Ich weiß noch nicht, wie dieses Rathaus organisiert ist. Das meine ich mit lernen: Ich kann nur Strukturen verändern, wenn ich die bestehenden Strukturen kenne. Dabei setze ich auf alle Mitarbeiter. Ich brauche deren Informationen. Und dafür bringe ich Vertrauen mit. Ja, es muss gegenseitiges Vertrauen geben.

Es ist doch normal, dass aktuell unter den Kollegen im Rathaus eine gewisse Unruhe herrscht, weil ein neuer Chef kommt. Das ist aber kein Grund für Sorge. Das ist kein Risiko, sondern eine Chance für alle. Der Blick geht nach vorn. Ich will alles kennen lernen. Da gehe ich durch alle Gänge, besuche Außenstellen, Schulen, Kindergärten. Aber es muss sich niemand erschrecken, wenn ich da um die Ecke komme.

"Mit Alleingängen wird Wülfrath nicht geholfen."

Claudia Panke über die Beschlussfassung im neuen Stadtrat

Die Wülfrather Gruppe hat Sie als Kandidatin aufgestellt. Die FDP hat Sie unterstützt. Doch eine Mehrheit im Rat haben Sie wahrlich nicht.

Panke: Stimmt. Aber ich bin als Bürgermeisterin überparteilich. Ich reiche allen Fraktionen die Hand. Ich werde da ganz offen sein. Es haben doch alle das gleiche Ziel: geordnete Finanzen und eine Förderung des Standorts Wülfrath. Meine Aufgabe ist es, alle mitzunehmen, damit wir zusammen diesen Weg gehen. Mit Alleingängen wird Wülfrath nicht geholfen.

Im Wahlkampf haben Sie beklagt, dass Wülfrath unter Wert verkauft werde. Fehlt es an einer Idee für Wülfrath?

Claudia Panke (41) wohnt seit 1975 in Wülfrath. Sie ist Diplom-Verwaltungswirtin und Juristin. Sie hat unter anderem in der Stadtverwaltung Wuppertal, beim Land NRW und im Kreis Mettmann Verwaltungserfahrung gesammelt. Zurzeit ist sie Geschäftsführerin der Deutsche Bahn European Railservice und Personalleiterin der Schweizer CityNightLine AG.

Claudia Panke ist parteilos. Sie wurde von der Wülfrather Gruppe als Bürgermeister-Kandidatin nominiert. Die FDP unterstützte ebenfalls ihre Kandidatur. Mit 26,96Prozent der Stimmen gewann Claudia Panke das Rennen um den Chefsessel im Rathaus.

Panke: Ja. Oder wie immer man es nennen will: Idee oder Leitbild. Es muss formuliert werden, wohin wir mit unserer Stadt wollen. Daraus ergibt sich eine strategische Diskussion, aus der sich die Ziele ergeben und die Maßnahmen, die nötig sind, um sie zu verwirklichen. Vielleicht sollten sich die Verantwortlichen mal zwei, drei Tage einschließen, um Ziele zu entwickeln.

Und wie wird der Bürger daran beteiligt?

Panke: Alle Phasen müssen transparent dargestellt und öffentlich zur Diskussion gestellt werden. Und jede Ausschusssitzung ist auch eine Einladung an den Bürger, sich einzubringen, sich zu informieren.

Eines Ihrer Hauptthemen vor der Kommunalwahl war die Wirtschaftsförderung.

Panke: Das bleibt auch so. Und da können wir auch nicht lange warten. Ich bleibe dabei: Eine Viertelstelle Wirtschaftsförderung geht gar nicht. In der Sache gehe ich zügig auf die Politik zu. Wir müssen gucken, wie wir das schnellstmöglich neu aufstellen. Die Bedeutung von Wirtschaftsförderung muss sich auch deutlicher in der politischen Arbeit der Gremien niederschlagen.

Wirtschaftsförderung ist heute dem Stadtplanungsausschuss zugeordnet. Das muss plakativer sein. Wirtschaftsförderung muss sich im Titel wieder finden. Und wir müssen Experten aus Unternehmen, Handel- und Handwerkskammer einbinden."

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