Seit 34 Jahren lebt die Wülfratherin Anna Røer in Norwegen, wo sie sich einen Namen als Kochbuchautorin gemacht hat.

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Anna Røer und ihr „Kokebok“, das die gebürtige Wülfratherin in Norwegen veröffentlicht hat.

Anna Røer und ihr „Kokebok“, das die gebürtige Wülfratherin in Norwegen veröffentlicht hat.

Simone Bahrmann

Anna Røer und ihr „Kokebok“, das die gebürtige Wülfratherin in Norwegen veröffentlicht hat.

Wülfrath. "Weihnachten bekam ich meine ersten Langlaufski und einen Privatlehrer. Da hatte ich das Gefühl zu Hause zu sein", so beschreibt Anna Røer ihr erstes Weihnachtsfest in Norwegen vor 34 Jahren. Mittlerweile ist auswandern Trend geworden. Zahlreiche TV-Sendungen begleiten Deutsche bei ihrem Weg ins Ausland. Und während die ersten schon nach gescheiterter Auswanderung beim "Rückwandern" von den Kameras begleitet werden, ist Anna Røer immer noch in Norwegen und kann sich den Weg zurück nicht vorstellen.

Kein Wunder, denn ihre Geschichte vom Neuanfang in einem fremden Land liest sich wie ein Märchen. 1975 lernt die gebürtige Wülfratherin ihren zweiten Mann Harald kennen. Er ist Norweger, ein Jurastudent. Und für Røer (69Jahre) ist schnell klar, dass sie ihm in seine Heimat folgt. "Heimweh hatte ich nie. Ich kam in eine Familie, in der der Bekanntenkreis schon immer recht international war."

So konnte sie sich anfangs mit Englisch durchschlagen. Das konnte sie fließend, denn Fernweh hatte sie schon immer: Nach ihrem Abschluss an einer Wülfrather Volksschule und der höheren Handelsschule trieb es die 18-Jährige schon 1959 für drei Jahre nach London. Damals noch unter ihrem Mädchennamen Brittner. "Ich wollte was von der Welt sehen, Englisch lernen."

Heute lebt sie auf dem Gut der Familie ihres Mannes aus dem 16.Jahrhundert auf der Halbinsel Nesodden, nahe Oslo. Sie hat Karriere gemacht in Norwegen, ein Buch geschrieben, Kochkurse gegeben, eine gewisse Prominenz erreicht. "Gearbeitet habe ich immer. Anfangs in einer Boutique, um die Sprache zu lernen", erinnert sich Røer.

Später hat sie für einen Hotel- und Restaurantbesitzer Antiquitäten und Bilder eingekauft. 1979 wurde ihr Sohn Mathias geboren. Durch den Kontakt mit anderen Müttern der internationalen Schule lernte sie ihre Freundin Kim aus Malaysia kennen. Vielleicht der Zufall, der sie zu ihrer späteren Karriere inspiriert hat. "Ich habe mich schon immer für die asiatische Küche interessiert. Kim und andere asiatische Freundinnen haben mir Rezepte gezeigt, mir alles bei gemeinsamen Kochnachmittagen beigebracht", so Røer. Dann hat sie Kochkurse gegeben, erst für Freunde, dann auch für Fremde.

"Die Kurse hatten sich herumgesprochen. Mittlerweile hatte ich etwa 5000 Kochschüler. Sie haben mir ans Herz gelegt, ein Kochbuch zu schreiben. Als ich mal viel Zeit hatte, habe ich es tatsächlich gemacht." Die 90 beliebtesten Rezepte ihrer Schüler sind 2006 als Buch erschienen. "Auf der Londoner Buchmesse erreichte es in der Kategorie Asia-Kochbücher den fünften Platz", sagt sie nicht ohne Stolz.

Im Frühstücksfernsehen hat sie gekocht, und kaum eine Zeitschrift hat noch nicht über sie berichtet, sie auf ihrem Gut, in ihrer Küche fotografiert. Etwas ruhiger ist es jetzt um sie geworden. Kochkurse gibt sie nur noch selten. "Ich spiele mit dem Gedanken ein Kinderbuch zu schreiben."

Einmal im Jahr kommt sie nach Wülfrath. Zuletzt im vergangenen Juli zum Klassentreffen, ihr erstes nach 50 Jahren. "Es war schön zu sehen, wo man angefangen hat." Für immer zurück nach Deutschland zu kommen kommt für sie nicht in Frage. "Ich habe die Norweger schnell lieben gelernt. Sie sind ein ganz angenehmes Volk."

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