Um das weitere Schicksal der Tiere nachvollziehen zu können, wurden die Tiere jetzt beringt.

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Mit großen Augen schauen die Jungtiere ins Kameraobjektiv von Reinhard Vohwinkel, der sich zum Brutplatz der Eulenvögel in einer Felswand des Bochumer Bruchs abgeseilt hat.

Mit großen Augen schauen die Jungtiere ins Kameraobjektiv von Reinhard Vohwinkel, der sich zum Brutplatz der Eulenvögel in einer Felswand des Bochumer Bruchs abgeseilt hat.

Reinhard Vohwinkel/Bearbeitung Simone Bahrmann

Mit großen Augen schauen die Jungtiere ins Kameraobjektiv von Reinhard Vohwinkel, der sich zum Brutplatz der Eulenvögel in einer Felswand des Bochumer Bruchs abgeseilt hat.

Wülfrath. Ausgerüstet mit Fernglas, Handschuhen und einer einfachen Kletterausrüstung bahnen sich Detlef Regulski und Reinhard Vohwinkel den Weg durch das dichte Unterholz im Bochumer Bruch. Stachelige Brombeerbüsche, Brennnessel und kleine Bäume lassen Uhu-Experten Regulski und seinen Begleiter Vohwinkel, der ehrenamtlich für die Vogelwarte Helgoland arbeitet, nur langsam vorwärts kommen.

Die genauen Brutplätze halten die Vogelexperten geheim

Die beiden sind auf der Suche nach Deutschlands größter heimischer Eulenart - dem Uhu. Oder vielmehr gesagt nach den Jungtieren des imposanten Vogels. Denn heute steht die Beringung des Nachwuchses auf dem Tagesplan.

"Die Jungen sind jetzt zwischen 24 und 28 Tage alt und werden bereits mit 35 Tagen das Nest verlassen, um sich vor möglichen Räubern zu verstecken. Fliegen können sie erst mit einem Alter von 80 Tagen", erklärt Regulski. Nur er kennt alle geheimen Brutplätze der mindestens 13 Uhu-Pärchen, die in Wülfrath und der näheren Umgebung zuhause sind.

"Hier muss es sein!", ruft Reinhard Vohwinkel plötzlich und steht direkt an der Abbruchkante des Steinbruches. Unter ihm fällt metertief die schroffe Felswand ab. Höhenangst sollte ein Uhu-Experte nicht haben, denn die Tiere nisten bevorzugt in steilen Felswänden.

Nur gesichert mit einem Seil, sind die Jungtiere jetzt für den Vogelexperten zu erreichen. Einen Moment kann man Vohwinkel noch sehen, wie er - ausgerüstet mit drei Metallringen, einer Zange und einem Fotoapparat - den Abstieg wagt, dann verschwindet er hinter einem Felsvorsprung.

Mitte der 90er- Jahre entdeckte Detlef Regulski, selbstständiger Biotop- und Landschaftspfleger, erstmals wieder die größte heimische Eulenart in Wülfrath. In den Steinbrüchen finden die mächtigen Tiere optimale Brutbedingungen vor, da auch das Klima dort wärmer ist als zum Beispiel in den zugigen Gebirgszügen der Eifel. Reinhard Vohwinkel aus Tönisheide ist seit vielen Jahren als ehrenamtlicher Mitarbeiter des Instituts für Vogelforschung (IfV), wie die Vogelwarte Helgoland auch genannt wird, tätig und beringt Vögel in aller Welt.

Die Reviergröße eines Uhu-Pärchens richtet sich nach dem Nahrungsangebot und beträgt unter günstigen Bedingungen gerade einmal ein bis zwei Kilometer. Natürliche Feinde haben die Uhus in der Natur nicht. Nur der Mensch setzt dem Vogel zu. Früher wurde die Eulenart fast ausgerottet, weil man glaubte sie wäre für den Rückgang von Rebhühnern und Hasen verantwortlich. Zudem werden natürliche Lebensräume der Vögel zerstört.

Ab und zu hört man nun einzelne Steine aus der porösen Steilwand hinabstürzen, die sich beim Klettern gelöst haben. Nach einiger Zeit kommt Vohwinkel aber wieder unversehrt zurück. "Die drei Jungvögel haben sich prächtig entwickelt", freut er sich.

Aus der geschützten und gut versteckt liegenden Felsspalte hat Vohwinkel auch einige Überreste der letzten Mahlzeiten der Jungvögel mitgebracht. Federn von Rabenkrähen, Tauben, einem Waldkauz und einem Mäusebussard waren dabei, aber auch einige Igelstacheln ließen sich in den Gewöllen finden.

Das Uhu-Projekt mit den Betreibern der Steinbrüche im Kreis läuft weiter

Bevor der Vogelexperte den Brutplatz erreicht hatte, suchte die Mutter bereits das Weite und flog davon. In seltenen Fällen können die Muttertiere, die bis zu 90 Zentimeter groß werden und eine Flügel-Spannweite von rund 1,70 Meter haben können, auch aggressiv auf Eindringlinge reagieren.

Auf den kleinen Metallringen der Jungtiere steht lediglich eine registrierte Nummer, sodass man bei toten oder verletzten Fundtieren ihre Heimat und das Alter feststellen kann. "Erst neulich ist bei Lüdenscheidt ein totes Tier gefunden worden, das im Rohdenhauser Bruch beringt wurde", berichtet Regulski.

Dieses Jahr läuft offiziell das fünfjährige Uhu-Projekt der Bruchbetreiber und der Unteren Landschaftsbehörde aus. Auch wenn die Vögel nicht mehr akut vom Aussterben bedroht sind, setzt sich Detlef Regulski weiter für die Artenvielfalt und die Uhus im Kreis ein. "Die Bruchbetreiber wollen das Projekt zum Uhu-Schutz weiterführen, und so können wir demnächst auch einige der ansässigen Pärchen mit Sendern ausstatten, um ihr Leben weiter zu erforschen."

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