Film, Vortrag und Gespräch mit dem „Hitlerjungen Salomon“.

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Sally Perel suchte das Gespräch mit den Schülern (v.l.) Tatjana Pinejder, Kirsten Häcker und Anne Giesen.

Sally Perel suchte das Gespräch mit den Schülern (v.l.) Tatjana Pinejder, Kirsten Häcker und Anne Giesen.

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Sally Perel suchte das Gespräch mit den Schülern (v.l.) Tatjana Pinejder, Kirsten Häcker und Anne Giesen.

Wülfrath. "Für mich ist Wülfrath momentan sehr groß," sagt Sally Perel. Dabei lächelt der 84-Jährige. Er war der Hitlerjunge Salomon. Seit Samstag ist der Jude, der den Holocaust in einer Rolle überlebt hat, in Wülfrath. Und er trifft sich mit Menschen, vornehmlich jungen Menschen. Sie hören aufmerksam zu. Denn Perel hat viel zu erzählen.

Initiiert hat Dr. Müller-Späth diese Veranstaltungsreihe

An drei Tagen wird der Film "Hitlerjunge Salomon" gezeigt, erstmals am Sonntag im evangelischen Gemeindezentrum Süd. Nach der Filmvorführung kann mit dem beeindruckenden Zeitzeugen gesprochen werden. Trotz seiner dezentralen Lage ist der Standort eine gute Wahl. Die Atmosphäre im abgedunkelten Raum passt.

Im Rückblick zeigt sich Dr.Jürgen Müller-Späth, Lehrer am Gymnasium, mit dem Interesse von rund 80 Teilnehmern zur ersten Veranstaltung zufrieden. Seit langem setzt er sich für die Aufklärungsarbeit in Sachen Nationalsozialismus ein. So zeigt das Gymnasium Filmreihen, bietet Studienfahrten an, traf sich mit dem Zeitzeugen Itzchak Belfer und ist auch nun beeindrucktvon den Erzählungen Sally Perels.

Aus der Jahrgangsstufe 13 ist Lasse Krieger interessiert. "In diesem Jahr beschäftige ich mich sehr mit der Thematik," sagt er. Er halte Müller-Späths Arbeit für vorbildlich und wertvoll für seine Schule. Anfang des Jahres war er auf Studienfahrt im Konzentrationslager Buchenwald, an diesem Donnerstag bricht er mit Stufenkameraden nach Israel auf.

"Es gibt keine Sprachbarriere mehr und somit einen wertvollen, direkten Kontakt zu den Schülern", freut sich Müller-Späth dieses Mal. Seine Intention war es, eine solche Erfahrung für möglichst alle Schüler zu ermöglichen. Am Montag fanden zwei Termine statt, Dienstag ein weiterer. "Die Geschichte, aber auch die Person Perel stehen vollkommen im Mittelpunkt," sagt der Geschichts- und Religionslehrer über die Arbeit mit Sally Perel.

Sally Perel (geboren 1925) verfasste ein Buch über sein Leben als Jude in der Zeit des Nationalsozialismus. Sein Werk "Ich war Hitlerjunge Salomon" wurde 1990 verfilmt. Ausgezeichnet mit einem Golden Globe und für einen Oscar nominiert, fesselt dieser noch heute.

Dieser schätzt den persönlichen Kontakt ebenfalls sehr. "Ein Gespräch hat viel mehr Wirkung als das Lesen von Büchern und Texten," sagt er. Der Film, merkt er an, habe nur an einzelnen Stellen die Realität leicht verändert "und bietet so etwas für Hollywood". Die älteren Besucher, hat er registriert, würden oft gezielte Fragen nach seinen "zwei Leben" stellen. Schmunzelnt erzählt er, einmal die Frage beantwortet zu haben, ob seine Erfahrungen nicht ein Stück weit "Holocaust deluxe" gewesen wären.

Perel schätzt es, dass es gerade die jüngeren Schülern seien, die ungehemmt Fragen stellen. Er habe schon weinende Schüler beruhigt, die bewegt waren von den Schilderungen seiner Erlebnisse. Auf die nächsten Tage ist er gespannt. Ebenso Frieder Winterberg, Schulleiter der Theodor-Heuss-Realschule.

Im Gespräch mit dem Zeitzeugen über "rechte Szenen" in Wülfrath sagt er: " Es gibt ja leider überall kleine Randgruppen." Auch Winterberg ist sehr interessiert und legt Wert darauf, "Hitlerjunge Salomon" zu zeigen. Am Montag wurden Fragen und Austausch mit Perel in seiner Schule möglich.

Insgesamt werden bis Mittwoch 450 Schülern der Jahrgänge 9 bis 12 aus Gymnasium sowie Haupt- und Realschule Perel treffen - Geschichtsunterricht zum Anfassen.

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