Axel Gottschick las vor mehr als 60 Besuchern in der Medienwelt.

Wülfrath. "Heute Abend dreht sich alles um eines der ältesten Kulturgüter der Welt", verspricht Monika Altena. Im Publikum schmunzeln die Zuhörer. Diejenigen, die den Rückweg nicht mit dem Auto bestreiten, genießen passend zum Thema des Abends ein Glas Wein. Zu einer ungewöhnlichen (Wein-)Lesung lädt die Medienwelt ein. Der Titel: "Donnerwetter! Da hab´ ich mich umsonst besoffen."

Benannt nach Goethes Zitat "behandeln wir den Genuss des Rebensaftes, aber auch die Folgen von zu viel Wein", fasst Lektor Axel Gottschick zusammen. Normalerweise spricht der Schauspieler und Redner Reportagen fürs Fernsehen und Radiobeiträge. "Passend zur dunkler werdenden Jahreszeit habe ich vor fünf Jahren einige unterhaltsame Texte zum Wein zusammengestellt."

Der Untertitel "Literarisches zum Wein" ist hier gleich doppelt Programm, denn die Medienwelt serviert zur Lesung Wein aus dem Eine-Welt-Laden. "Der Rote verkauft sich eindeutig besser", sagt Karin Wermbter von Förderverein der Medienwelt. Dieser finanzierte und plante die Lesung. "Ich habe im Internet von der Lesung erfahren und fand die Mischung aus Unterhaltung und Literatur interessant", berichtet Monika Altena.

Der Rezitator trinkt ein, zwei Gläser am Tag

Währenddessen torkelt Axel Gottschick auf die Bühne. "In kleinen Städten sind die Säle meistens voller, in Köln, wo ich meistens auftrete, gibt es ja zig Lesungen am Tag", erzählt er. Er selber trinke ein bis zwei Gläser Wein am Tag, im Sommer lieber Weiß, je kürzer die Tage werden, desto lieber auch Rot. Gottschicks Programm besteht aus 19 Texten und umfasst Hemingways unterhaltsames Stück "Wein in Wyoming" ebenso wie die Biblisches.

"Von wenig Wein wird man friedvoll wie ein Schaf. Trinkt man mehr, glaubt man sich stark wie ein Löwe, und zuletzt benimmt man sich wie ein Schwein im Mist", zitiert Gottschick zum Beispiel den Teufel, der mit hoher, kreischender Stimme Noah beim Säen von Trauben belehrt.

Die rund 60 Zuhörer scheinen alle Zustände zumindest miterlebt zu haben. "Wein ist flüssige Laune, ist schäumende Begeisterung", sagt Gottschick weiter und lässt besagten Dichterfürsten Goethe mit imposant tiefer Stimme zu Wort kommen.

Ein falsches Datum vermutend, betrinkt sich dieser frei nach dem Titel einen Tag zu früh. "Ich glaube, der Wein schenkt vielen eine lockere Zunge", schmunzelt der Lektor. "Mir haben besonders die längeren Auszüge gut gefallen", lobt Michèle Schuimer in der Pause - mit einem Wein in der Hand.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer