Hilfe: 100 Mädchen und Jungen finanziert „Kinder in Not“ inzwischen das Mittagessen in der Schule oder der Kindertagesstätte. Rund 50000 Euro müssen dafür im Jahr aufgebracht werden – das ist auf Dauer nicht zu schaffen.

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Die Finanzierung der Mahlzeiten ist zugleich eine Bildungsinitiative: Sie eröffnet den Kindern den Zugang zur Ganztagsbetreuung in Schule und Kindergarten.

Die Finanzierung der Mahlzeiten ist zugleich eine Bildungsinitiative: Sie eröffnet den Kindern den Zugang zur Ganztagsbetreuung in Schule und Kindergarten.

Simone Bahrmann

Die Finanzierung der Mahlzeiten ist zugleich eine Bildungsinitiative: Sie eröffnet den Kindern den Zugang zur Ganztagsbetreuung in Schule und Kindergarten.

Wülfrath. Ein Jubiläum, das er nicht feiern wird: "Wir haben jetzt das 100. Kind in unserer Mittagessen-Betreuung", sagt DRK-Vorsitzender Wolfgang Peetz. Unter dem Dach des Deutschen Roten Kreuzes wirkt die Initiative "Wülfrather Kinder in Not", die unter anderem Mädchen und Jungen aus bedürftigen Familien das Mittagessen in Kindertagesstätten und Schulen finanziert. 100 sind es seit diesem Monat - Tendenz weiter steigend. Rund 50000 Euro im Jahr muss "Kinder in Not" dafür aufbringen. Peetz: "Eine Summe, die wir auf Dauer nicht sicherstellen können." Daher wird darüber nachgedacht, ab dem Schuljahr 2010/2011 die Eltern mit einem Euro pro Essen zu beteiligen.

Wahrscheinlich muss ein Elternbeitrag erhoben werden

80 Schul- und 20 Kita-Kindern zahlt die Initiative das Mittagessen. Im vergangenen Jahr ist der Bedarf immens gestiegen, "als der erste Jahrgang der Hauptschule im Ganztagsunterricht war", sagt Peetz. 26 Hauptschüler sind zurzeit "Klienten". Bisher habe man die Kosten durch Spenden und Patenschaften aufbringen können. Zu den Kosten von in der Regel 2,50 Euro pro Essen steuert das Land über das Programm "Kein Kind ohne Mahlzeit" einen Euro bei. Dass die Stadt Wülfrath zukünftig 50 Cent je Mittagessen übernehmen könnte, ist angesichts des drohenden Nothaushalts illusorisch. "Wir gehen deshalb im Moment davon aus, dass wir angesichts steigender Zahlen eine Elternbeteiligung erheben müssen", sagt Wolfgang Peetz.

90 Prozent der Kinder, die die Initiative unterstützt, sind Hartz IV-Empfänger. Peetz erinnert daran, dass das Bundesverfassungsgericht den HartzIV-Regelsatz für Kinder als verfassungswidrig eingestuft hat. "Das muss man sich auch vorstellen: Für ein Kind unter 14 Jahre stehen rechnerisch pro Tag 2,28Euro für Essen zur Verfügung. Ein Schulessen kostet aber allein schon 2,50Euro. Wie soll das funktionieren?", fragt Peetz.

"Familien, die wohlhabend sind, erhalten 20Euro Kindergeld zusätzlich. Bedürftige gehen leer aus. Das ist doch ein Skandal."

DRK-Vorsitzender Wolfgang Peetz

Regelrecht wütend macht Peetz die Tatsache, dass die Kindergelderhöhung um 20 Euro zum 1.Januar gerade an den HartzIV-Kindern vorbeigeht. "Das wird verrechnet. Bedürftige gehen leer aus. Das ist doch ein Skandal." Seine Hoffnung: "Vielleicht finden sich besser gestellte Familien, die uns ihren zusätzlichen Kindergeldbeitrag als Dauerauftrag spenden."

Vordergründig sollen durch "Kinder in Not" Mädchen und Jungen satt gemacht werden. "Darauf kann Wülfrath stolz sein: Hier muss kein Kind mittags hungern", so Peetz. Aber vor allen Dingen sei die Finanzierung von Mahlzeiten in Tagesstätten und Schulen eine Bildungsinitiative: "Für die eher bildungsfernen Schichten ist das die Eintrittskarte in die Ganztagsbeschulung."

Die Finanzierung des Essens öffnet die Tür zur Ganztagsschule

Die Initiative "Wülfrather Kinder in Not" besteht im Juni fünf Jahre. 2005 hatte die Initiative in einem "Armutszeugnis" unter anderem darauf hingewiesen, dass seinerzeit 215 Kinder in Wülfrath in Armut lebten. Heute sind mehr als 500 Kinder auf HartzIV und andere Sozialleistungen angewiesen.

Wer der Initiative helfen möchte, kann sich direkt ans DRK, Telefon 02058/3390 wenden. Das Spendenkonto bei der Kreissparkasse Düsseldorf hat die Nummer3576774.

In Wülfrath gebe es Familien, die in der vierten Generation von staatlicher Unterstützung leben: "Diesen Armutskreislauf muss man durchbrechen. Und das geht nur über Bildung." Vor diesem Hintergrund sei es ein gesellschaftlicher Auftrag, den Kindern das regelmäßige Mittagessen und damit die Ganztagsschule zu sichern. "Landes- und Bundespolitik muss da endlich ran."

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