Velberter Förderschule weiht Dependance in Wülfrath ein.

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Lehrerin Cordula Barrenbrügge erklärt den Schülern eine Tabelle. Sie ist eine der Lehrerinnen an der Förderschule.

Lehrerin Cordula Barrenbrügge erklärt den Schülern eine Tabelle. Sie ist eine der Lehrerinnen an der Förderschule.

Stefan Fries

Lehrerin Cordula Barrenbrügge erklärt den Schülern eine Tabelle. Sie ist eine der Lehrerinnen an der Förderschule.

Wülfrath. Florian provozierte Streit. Der Schulhof war sein Revier: In der Pause zog er den Mädchen aus seiner Klasse an den Zöpfen, die Jungs beschimpfte er oder zettelte Prügeleien an. Schon lange waren das keine harmlosen Rauferei mehr.
 
Die Wut seiner Mitschüler schlug wie eine Welle zurück. Florians Problem: Der Elfjährige neigte zu großer Aggressivität. Heute hat er seine Gefühle unter Kontrolle. Geholfen hat ihm dabei seine Schulzeit in der Velberter Förderschule, zu der er nach der vierten Grundschulklasse gewechselt ist.

"In dieser Schule sollen die Kinder Wurzeln schlagen und einen starken Stamm für die Gestaltung ihrer Zukunft ausprägen." Schulleiter Jürgen Mürlebach

Seit Ende der Herbstferien hat diese Bildungseinrichtung in Trägerschaft des Kreises Mettmann eine Dependance in den Räumen des ehemaligen evangelischen Kindergartens eröffnet. 24 Schüler mit herausforderndem Verhalten werden seither in drei Lerngruppen in Wülfrath unterrichtet.

Am Freitag war die offizielle Einweihung. "Wir wollen die Tradition des Förderschulkonzepts in Wülfrath weiterführen", sagt Schulleiter Jürgen Mürlebach. Der Standort Wülfrath im Nordkreis zeichnet sich besonders durch das Angebot des Ganztages aus. Täglich von 8.15 bis 15.30 Uhr werden die Schüler betreut und gefördert.
 
Zu diesen Schüler zählen auffällig viele psychisch vorbelasteten Grundschüler wie Florian. In kleinen Lerngruppen finden diese Kinder mit Hilfe individueller Diagnostik und Förderung wieder zurück ins Schulleben. Das große Ziel: die Wiederaufnahme auf einer Regelschule.
 
"In Zukunft wollen wir uns noch enger mit den Wülfrather Regelschulen vernetzen", kündigt Mürlebach an. Für diese intensive pädagogische Arbeit scheinen die Räume, die in einer Rekordzeit von sieben Wochen renoviert wurden wie geschaffen. Warmes Rot und Gelb dominieren als Wandfarben.
 
Vor der Klassentür hängen in rote Holzrahmen gefasste Portraits der Schüler. Mehrere abgrenzte kleinere Räume innerhalb der Klassen schaffen kleine "Inseln". "Die Kinder können sich dort zurückziehen und zur Ruhe kommen, aber wir haben sie trotzdem im Auge", erläutert eine Mitarbeiterin.
 
Auch Florian geht jetzt wieder gerne in die Schule. Seine Lieblingsfächer sind Kunst und Sachunterricht. Im Sommer wird er sein Ziel erreichen. Dann wird er in der Gesamtschule Bleibergquelle eingeschult - eine Regelschule.
 
Förderschule

Förderschule: Eine Förderschule ist eine Schule für Kinder, die in der Regelschule nicht oder nicht ausreichend gefördert werden können, weil die Rahmenbedingungen nicht vorhanden sind.

Schüler: Insgesamt gibt es laut taz 2007 in Deutschland etwa 430 000 Schüler an diesen Schulen, das sind etwa 4,5 Prozent aller Schüler in Deutschland. Der Deutsche Bildungsrat geht von 3,5Prozent pro Jahrgang aus, Tendenz steigend.

Bedarf Die Zahl der Schüler mit sonderpädagogischen Förderung im Bereich emotional und soziale Entwicklung steigt - laut Schulaufsichtbehörde.

Vorreiter Die 1999 gegründete Förderschule in Velbert war die erste Schule dieses Typs im Kreis Mettmann. Zurzeit besuchen sie 130Schüler, 24 werden in der Wülfrather Dependance unterrichtet.

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