Es kursieren erschreckende Prognosen: Die Einwohnerzahl sinkt und sinkt.

Demografie
Mehr als diese vier Neugeborenen, die das Leben in einem Pekip-Kurs des Evangelischen Familienzentrums am Düsseler Tor erkunden, braucht Wülfrath, wenn der Schrumpfungsprozess nicht zu einem Sturzflug werden soll.

Mehr als diese vier Neugeborenen, die das Leben in einem Pekip-Kurs des Evangelischen Familienzentrums am Düsseler Tor erkunden, braucht Wülfrath, wenn der Schrumpfungsprozess nicht zu einem Sturzflug werden soll.

Simone Bahrmann

Mehr als diese vier Neugeborenen, die das Leben in einem Pekip-Kurs des Evangelischen Familienzentrums am Düsseler Tor erkunden, braucht Wülfrath, wenn der Schrumpfungsprozess nicht zu einem Sturzflug werden soll.

Wülfrath. Udo Neumann ist die Ruhe selbst. Der Jugendhilfeplaner und Demografie-Beauftragte in der Stadtverwaltung lässt sich von keiner noch so deprimierenden Prognose irritieren: „Falsche Aussagen werden nicht richtiger, nur weil man sie wiederholt“, weist er zum Beispiel Mutmaßungen einer Landesbehörde zurück, die Wülfraths Einwohnerzahl bis zum Jahr 2030 um ein Drittel sinken sieht. „Wülfrath schrumpft, aber nicht in dem Maße“, sagt er. In vier Workshop-Sitzungen haben sich Vertreter aus Rat und Verwaltung mit der Problematik befasst. Für diesen Kreis steht fest: Wülfrath soll als Zielgröße 20 000 Einwohner beherbergen.

Bürger sollen in den Prozess eingebunden werden

Insgesamt fünf Handlungsfelder hat der Workshop skizziert, in denen „die Schrumpfung gestaltet und ihr aktiv gegengesteuert wird“. Am Donnerstag, 27. Januar, – Ort und Zeit stehen noch nicht fest – sollen auch die Bürger im Rahmen einer „vertiefenden Bürgerinformationsveranstaltung“ in den Prozess eingebunden werden.

Es sind zum Teil erschreckende Zahlen, die kursieren. So belegt, was die Bevölkerungsentwicklung angeht, Wülfrath im Mittelstädte-Ranking NRW den 133. und damit letzten Platz. Ein Minus von 28 Prozent in den kommenden 20 Jahren wird vorhergesagt. „Das Land arbeitet mit anderen Daten“, sagt Neumann dazu. Auch Ämter im Rathaus verwenden dieses Zahlenmaterial. Fakt ist aber: Wülfraths Einwohnerzahl sinkt stetig, im vergangenen Jahr wieder um rund 100 Menschen. Hatten am 31. Dezember 2009 21 855 Bürger ihren ersten Wohnsitz in Wülfrath, waren es am 31. Dezember 2010 nur noch 21 732 – das sind Zahlen des Einwohnermeldeamtes. „Die Landeszahlen sind in der Regel etwas tiefer“, merkt Neumann an. Warum das so ist? Eine Erklärung gibt es nicht.

Seit fast zehn Jahren geht die Bevölkerungszahl zurück. Seit weit mehr als zwei Dekaden übersteigen die Todesfälle die Geburten. Eine Folge: In Wülfrath leben mehr 80-Jährige als Kinder bis zu einem Lebensjahr. Und schenkt man der städtischen Prognose, die unlängst am im Rat erläutert wurde, Glauben, wird in spätestens zehn Jahren die 20 000-Einwohner-Marke unterschritten. Zuletzt gab es 2001 einen Überschuss zum Jahresende – die Siedlung am Düsseler Tor wurde fertiggestellt. Auf solche Effekte können die Stadtplaner nicht bei ihrem Ziel hoffen, Wülfrath auf einem Niveau von 20 000 Einwohnern zu stabilisieren.

Es gibt mehr allgemeine Aussagen als konkrete Vorhaben

20 000 Einwohner langfristig in Wülfrath halten: Es sind eher Allgemeinplätze denn konkrete Vorhaben, die in den Handlungsfeldern andeuten, wie das gelingen soll. „Familien stärken und Bildung fördern“, „Wülfrath zu einem attraktiven Wirtschaftsstandort ausbauen“ oder „Freizeit, Kultur und Tourismus als Standortfaktor ausbauen“ – Wege dorthin sind noch nicht aufgezeigt. Der Rat soll im März erste Beschlüsse fassen. . .

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