Die Grube Kohlscheid in Aprath ist ein El Dorado für Fossilienjäger. Der Zeittunnel bietet regelmäßig Workshops vor Ort an.

Wülfrath. Korallen, Muscheln und Krebse findet man nicht nur im Urlaub am Strand - es gibt sie auch in Wülfraths Wäldern. Allerdings sind die Meeresbewohner nicht mehr lebendig und um die 300 Millionen Jahre alt. Ihre fossilen Überreste berichten uns aber heute noch von längst vergangenen Erdzeitaltern.

Auf Spurensuche nach diesen Zeitzeugen begab sich jetzt eine Gruppe von Hobby-Archäologen - in Begleitung derer, die es einmal werden möchten. Schließlich hatte der Zeittunnel zum Fossilien-Workshop für die ganze Familie eingeladen.

Mit Hammer, Meißel und Eimer geht es auf die Suche

Mit dem Fossilien-Experten Thomas Paul widmet sich die Gruppe der Theorie, bevor es mit Hammer und Eimer bewaffnet in die Natur geht. Der Ausgrabungsort, die Grube Kohlscheid, liegt in einem kleinen Waldstück in Aprath.

Nach einer kurzen Autofahrt muss der letzte Kilometer zu Fuß durch gelbe Getreidefelder bewältigt werden. Auf den ersten Blick wirkt der mit nassem Laub bedeckte Krater im Wald unscheinbar. Doch Thomas Paul verspricht: "Dieser ehemalige Steinbruch, der schon seit 100 Jahren stillgelegt ist, hat eine Fundgarantie."

Andreas Galetski und sein Sohn Damian sind da noch skeptisch. "Ich bin mal gespannt, ob wir hier was finden", sagt Galetski. Doch nur wenige Minuten später liefert Thomas Paul bereits den Gegenbeweis.

Den nächsten Fossilien-Workshop für Kinder und Erwachsene gibt es am 15. August von 10.15 bis 16 Uhr. Nach einem kurzen theoretischen Teil geht es in die Natur, um nach Fossilien zu suchen. Einen Hammer, sowie Zeitungspapier und einen Eimer, um die Fundstücke transportieren zu können, sollten mitgebracht werden. Teilnahme: zwölf Euro.

Der Hobbyarchäologe ist ausgewiesener Kenner der Fundorte in der Region.

Petra Stürznickel, Museumspädagogin, und Andrea Gellert, Leiterin des Zeittunnels, Telefon 894644, dienstags bis freitags von 9.30 bis 16 Uhr. Eine Voranmeldung ist erforderlich.

Nachdem er ein Stück poröses Sedimentgestein in seinen Händen zerbrochen hat, zeigt sich der Abdruck eines Seelilien-Stengels auf der braunen, angewitterten Steinplatte. Die Gruppe ist beeindruckt. "Die Steine in denen wir Fossilien finden können, sind weicher als die anderen", gibt Paul den eifrig loshämmernden Vätern, Großvätern und Kindern noch schnell mit auf den Weg.

Ausgerüstet mit Hammer, Meißel, Klappspaten und Eimer klettern die Kleinen die lehmigen Wände des Bruches hoch. Während die Gruppe unermüdlich Steine spaltet und vorsichtig nach fossilen Überresten untersucht, gibt Thomas Paul eine Kostprobe seines umfangreichen Wissens. Das eignete sich der studierte Maschinenbauer übrigens komplett selbst an. Mühelos und geduldig beantwortet er jede Frage.

Die Region um Wülfrath sei sehr geeignet für die Suche nach Fossilien, erzählt Paul. Einige der dort zu findenden Fossilien kommen auf der ganzen Welt vor, andere gibt es dagegen nur in dieser Region.

"Wie etwa Archigonus Aprathensis", erzählt Paul. Dieses urzeitliche Tier gehört zur Familie der Trilobithen und ist ein Dreilappkrebs. Da er ausschließlich hier gefunden wurde, bekam er "Aprath" mit in seinen Namen.

300 Millionen Jahre schlummerten Tintenfische und Krebse im Gestein

Im Laufe des Tages holt die Gruppe aber noch so manch weiteren Schatz ans Tageslicht. 300 Millionen Jahre schlummerten die Abdrücke von Tintenfischen, Krebsen, Muscheln und Brachiopoden (Armfüßer) in den Gesteinsschichten. Oft sind die Abdrücke der Tiere und Pflanzen jedoch nur bruchstückhaft zu finden, selten komplett.

"Ich bin total begeistert, was wir alles entdecken. Sein ganzes Leben lang läuft man achtlos durch den Wald und weiß nicht, über was für Steine man bedenkenlos hinwegläuft", sagt Lothar Wegert.

Ein besonders schönes Fossil findet dann noch Damian Galetzki. Als er einen großen Stein vorsichtig spaltet, zeigt sich der Abdruck eines Seelilien-Stengels, um den sich vor Jahrmillionen eine Koralle gebildet hatte.

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