Die Leiter des Jugendhauses erkunden im Rahmen eines Sabbatjahres unter anderem Costa Rica, Finnland und Australien.

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Simone Feldmann und Rainer Schmidt haben bereits ihr zweites Sabbatjahr vor sich.

Simone Feldmann und Rainer Schmidt haben bereits ihr zweites Sabbatjahr vor sich.

Simone Bahrmann

Simone Feldmann und Rainer Schmidt haben bereits ihr zweites Sabbatjahr vor sich.

Wülfrath. Wildwasser fahren, Schneeschuhwandern, Fahrradtouren, Marathon, ganz viele Bücher lesen, sich einfach mal um sich selber kümmern - und das Leben entschleunigen. Das ist selbst in einem dreiwöchigen All-Inclusive-Urlaub an den schönsten Orten der Welt kaum zu schaffen. Die Arbeit hinter sich lassen und einen weiteren Blickwinkel für neue Möglichkeiten finden - dafür braucht man Zeit.

Simone Feldmann und Rainer Schmidt haben sie sich genommen. Ein Jahr Zeit, um Träume zu verwirklichen. Eigentlich ist der Mittelpunkt ihrer Lebenswelt genau festgelegt: Die Wülfrather Jugend. In ihrem sogenannten Sabbatjahr werden die Leiter des Jugendhauses den Blick in die Ferne schweifen lassen und die kleine bunte Welt des Jugendhauses gegen den weiten farbenfrohen Globus eintauschen. Costa Rica, Australien, Finnland, Schweden und Frankreich warten auf sie.

Für die beiden ist es bereits das zweite Sabbatjahr

Bereits zum zweiten Mal nutzt das Paar das flexible 5/6 Arbeitszeitmodell des Sabbatjahres. Wieder verzichteten sie über sechs Jahre auf ein Sechstel ihres Gehaltes, um sich jetzt diese Auszeit gönnen zu können. Nachdem sie in ihrem ersten Sabbatjahr Neuseeland erkundet hatten, gingen sie noch motivierter an ihre Arbeit im Jugendhaus zurück. "Wir machten kein Sabbatjahr, weil wir überanstrengt waren. Sondern um uns frühzeitig um uns selbst zu kümmern."

Beide hatten Energie getankt, über den eigenen Tellerrand hinausgesehen und ließen nach ihrer Rückkehr auch Wülfraths Jugend gerne davon profitieren. Simone Feldmann entschloss sich kurzerhand, ihren Master in Sozialmanagement zu absolvieren. Rainer Schmidt bildete sich in Erlebnispädagogik weiter. "Wir haben auf einem besseren Niveau weitergearbeitet; unsere Köpfe waren voller neuer Ideen", erinnern sie sich. Bei so viel Tatendrang lassen die Kinder und Jugendlichen des Jugendhauses ihre Leiter gerne ein weiteres Mal ziehen.

Für ein Jahr werden zwei Leiter auf Zeit das Zentrum übernehmen

Sebastian Rüdiger (27) und Meggie Hahn(29) werden für diese Zeit ihre Stellen übernehmen. Für die heute oftmals schwierige Arbeitssituation kann solch ein Modell oft von Vorteil für alle sein: Nach einem Studium der Sozialen Arbeit ergibt sich so für die neuen Leiter auf Zeit die Möglichkeit, Praxiserfahrung zu sammeln. "Wir haben die beiden drei Wochen lang eingearbeitet und ihnen alles genau erklärt. Bei den Jugendlichen kommen sie super an", sagt Simone Feldmann.

In Deutschland ist es für Beamte möglich, zwei bis sechs Jahre lang für zwei Drittel bis sechs Siebtel des Gehaltes zu arbeiten. Dafür kann man sich anschließend für ein Jahr freistellen lassen und bekommt in diesem Jahr ebenfalls zwei Drittel bis sechs Siebtel der Dienstbezüge. Auch einige Dienstverhältnisse in der freien Wirtschaft ermöglichen ein solches Sabbatjahr.

Seit einem halben Jahr haben sie sich auf das Sabbatjahr vorbereitet und wissen: "Ohne Unterstützung des ganzen Teams wäre unsere weite Reise nicht möglich." Raum für eigene Projekte, Zeit zur Muße - Simone Feldmann empfindet das als reinen Luxus: "Einmal nur mich selbst motivieren, selbstbestimmt leben können, das ist nicht alltäglich."

Auf dem Dachgepäck ihres Autos werden die Boote, hinten die Fahrräder angebracht: Dass die beiden Sport an der frischen Luft lieben, verraten auch ihre geplanten Unternehmungen. "Ich freue mich besonders auf das Schneeschuhwandern. Wir werden mit unseren Schlitten von Hütte zu Hütte ziehen", erzählt Rainer Schmidt. "Andere Länder und Kulturen kennenlernen, die Welt erleben - es ist so wichtig, dass man seine Träume verwirklicht, bevor man es irgendwann nicht mehr kann", sind sich beide einig. Ganz ohne Jugendhaus werden es die Leiter jedoch auch nicht aushalten müssen: "Wir kommen zwischenzeitlich mal zu Besuch", verraten sie. "Die Träume in der Welt; das Herz bleibt bei Wülfraths Jugend."

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