Schiedsmann Helmut Müller wurde verabschiedet. Seine Nachfolgerin ist Martina Rust.

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Helmut Müller sagt „Tschüss“ und überlässt Martina Rust die Tätigkeit des Schiedsamts.

Helmut Müller sagt „Tschüss“ und überlässt Martina Rust die Tätigkeit des Schiedsamts.

Simone Bahrmann

Helmut Müller sagt „Tschüss“ und überlässt Martina Rust die Tätigkeit des Schiedsamts.

Wülfrath. Dass für ihn mit 70 Jahren Schluss ist mit dem Ehrenamt als Schiedsmann, war für Helmut Müller schon lange klar. Im vergangenen Sommer wurde noch der runde Geburtstag gefeiert, gestern wurde der frühere SPD-Ratsherr von Bürgermeisterin Barbara Lorenz-Allendorff verabschiedet.

Zu seinem Amt kam Müller vor sieben Jahren nach eigenem Bekunden wie die sprichwörtliche Jungfrau zum Kind. "Der ehemalige Bürgermeister Alois Huning hat mir davon auf der Straße erzählt. Meine ehemaligen Fraktionskollegen hatten mich wohl vorgeschlagen, weil ich so ein ausgleichendes Wesen habe," erinnert er sich.

Das konnte er offenbar auch gut gebrauchen, da es im Schiedsbüro des öfteren ziemlich hoch her ging.

Im Frühling nehmen die Streitigkeiten zu

"Die Leute haben manchmal die ganze Nacht nicht geschlafen, bevor sie zum Schlichtungstermin kommen", weiß Helmut Müller. Dann macht sich schnell schon mal der aufgestaute Ärger vieler Monate oder manchmal sogar Jahre Luft. "Die Streitereien haben irgendwann mal mit einem abgesägten Baum angefangen und schaukeln sich so über die Zeit hoch", erzählt der langjährige Schiedsmann. Sitzen sich die Streithähne dann plötzlich gegenüber, fliegen auch schon mal die Ordner auf und über den Tisch.

In den Wintermonaten geht es übrigens auffällig ruhig zu im Schiedsbüro. "In den letzten drei Monaten hatte ich keinen einzigen Fall, wahrscheinlich weil die Vegetationsperiode zu Ende ist", sagt Müller schmunzelnd.

Keiner weiß besser wie er, dass mit den ersten Frühlingsknospen auch die Streitigkeiten zunehmen. Rankende Hecken, Bäume auf der Grundstücksgrenze oder deren Laub in Nachbars Garten: Das sind die häufigsten Gründe für Ärger links und rechts des Gartenzaunes. "Manchmal bin ich auch hingegangen um mir die ganze Sache mal anzuschauen", sagt Helmut Müller.

Er weiß aus Erfahrung, dass man als Schiedsmann vor allem eines können muss: Zuhören und einen langen Atem haben. Zwischen zehn und zwölf Fälle hat er im Jahr betreut. Mehr als die Hälfte davon konnte er schlichten, bevor die ganze Sache auf dem Schreibtisch des Richters landete.

Paragrafen musste er dafür zwar kennen, aber nicht pausenlos zitieren. "Damit können die Leute nichts anfangen. Gesunder Menschenverstand ist wichtig", glaubt er. Manchmal genüge es auch schon, wenn alles gesagt sei. "Zum Schluss geht’s oft nur noch darum, wer die Angelegenheit bezahlt".

Nach vier Jahren als Stellvertreter und drei Jahren als Schiedsmann wurde Helmut Müller am Mittwoch aus dem Ehrenamt in seinen wohlverdienten Ruhestand verabschiedet.

Seine Nachfolgerin ist Martina Rust (48), die ihm bereits als Stellvertreterin zur Seite stand. Die Diplompädagogin ist Leiterin der Weiterbildungsabteilung der Kölner Verkehrsbetriebe und hat durch eine Mediatorenausbildung schon reichlich Erfahrung in Sachen Streitschlichtung.

Feste Sprechstunden wie bislang üblich wird es allerdings nicht mehr geben. Dafür können unter 02058/70167 Termine telefonisch vereinbart werden.

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