Brauchtum: Der Schützenverein wird 80. Morgen Zapfenstreich im Park.

Wülfrath. Als vor fast 100 Jahren im Wald des Landwirts Peter Cromberg zum ersten Mal ein Schuss zu hören war, dachte vermutlich niemand daran, dass dieses Ereignis irgendwann in den Annalen des Wülfrather Schützenvereines stehen würde. Wer genau sich dort in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg getroffen hat, ist auch nicht überliefert. Aber in der Vereinschronik steht es Schwarz auf Weiß geschrieben: In eben diesem Wald wurde der erste Schießstand aufgestellt.

Die Besetzung der Stadt durch französische Truppen und die einsetzende Inflation bereiteten der noch jungen Schützengilde ein frühzeitiges Ende. Bis schließlich hier und da der Wünsch nach einem Schützenverein laut wurde und Heinrich Peters mit Otto Sandkühler zu Tat schritt. So kam es vor 80 Jahren, am 11. März 1929, zur Gründungsversammlung des Schützenvereins im Kaisersaal.

Für 38 Reichsmark gab es 38 Mitgliedskarten

"Anwesend waren 25 Wülfrather Bürger, und ein paar Tage später nahm der Vorstand seine Arbeit auf", zitiert der amtierende Vorsitzende Axel Paul aus der Chronik. Für die Aufnahme in das Kartell für Jagd und Sportschießen musste der Verein 38 Reichsmark auf den Tisch legen. "Als Gegenleistung gab es 38 Mitgliedskarten und die Zusage, dass alle Mitglieder in die Haftpflichtversicherung aufgenommen werden", so Axel Paul. Außerdem konnten sich die Schützen zwei Mitgliedsabzeichen ans Revers heften. Und beim Waffenhändler August Kölken lagen für jeden Schützen Patronen bereit.

Geschossen wurde längst nicht mehr nur im Wald. Vor 55 Jahren hat der Verein sogar ein eigenes Schützenhaus am Höfchen bezogen. Inzwischen wurden mehr als 70 Könige gekrönt, und die Gesprächsthemen der Vereinsabende haben sich geändert. "Die Schützenvereine sind nach dem Amoklauf in Winnenden zu Unrecht in Verruf geraten", sagt Axel Paul. In Wülfrath wäre etwas Vergleichbares allerdings nicht denkbar: "Die Waffen werden alle im Schützenhaus verschlossen aufbewahrt", betont der Vereinsvorsitzende. "Wir halten das Brauchtum lebendig und tun sehr viel für die Jugend", fügt er hinzu. Am Wochenende steigt wieder das Schützenfest - ein Jubiläum mitten in der Stadt...

Von Freitag bis einschließlich Montag, 14.September, findet die Kirmes statt. Fahrgeschäfte und Schaubuden stehen auf dem Parkplatz am Diek, entlang der Goethestraße und auf dem Parkplatz hinter der Stadthalle. Die Wilhelmstraße ab Einmündung Bahnhofstraße ist Freitag und Montag am Abend, am Samstag ab dem Nachmittag und am Sonntag während der Öffnungszeiten für den Durchgangsverkehr gesperrt. Busse und Anwohner sind von der Sperrung nicht betroffen.

Anders als in den Vorjahren soll am Samstag nicht auf den Wochenmarkt verzichtet werden. An diesem Wochenende wird der Markt auf die Schwanenstraße verlegt. Zwar werden nicht alle Händler vertreten sein, doch Obst und Gemüse, Blumen, Fleisch und Wurstwaren, Geflügel, Fisch, Käse, Eier, Brot und Feinkost sind im gewohnten Frischesortiment dabei sowie auch einige Textilien.

Um 19 Uhr startet am Freitag an der Schießsportanlage am Höfchen ein Fackelzug, der zum Ehrenmal im Stadtpark führen wird - mit Zapfenstreich!. Am Samstag steht ab 12 Uhr das Ehrenscheibenschießen auf dem Programm. Der Bürger- und Schützenball in der Stadthalle - mit Königskrönung und Ehrungen - beginnt um 19 Uhr in der Stadthalle. Der Eintritt ist frei. Am Sonntag wird dort um 10 Uhr ein Frühstück serviert. Der Festzug durch die Innenstadt beginnt um 15Uhr.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer