Wirtschaft: Die von den Arbeitern und Angestellten eingezahlten Beträge sollen nicht vor einer Insolvenz geschützt worden sein. Der Betriebsrat sucht mit dem Insolvenzverwalter eine Lösung.

Wülfrath. Wenn sich das bewahrheitet, ist die die aktuelle Krise bei Tedrive (Ex-Ford, Ex-Visteon) nicht um eine Facette, sondern um einen handfesten Skandal reicher: Die Mitarbeiter, die Altersteilzeitverträge abgeschlossen haben, müssen um ihre eingezahlten Beiträge fürchten. Der Betriebsrat bestätigte auf Nachfrage der Westdeutschen Zeitung, dass diese Gelder offenbar nicht vor einer Insolvenz geschützt wurden. Im Klartext: Die Einzahlungen der betroffenen Mitarbeiter könnten in der allgemeinen Insolvenzmasse untergehen.

"Unternehmer sind ihrer Pflicht nicht nachgekommen"

Haben Manager die Alterssicherung ihrer Mitarbeiter versenkt oder zumindest gefährdet? Betriebsratsvorsitzender Ahmed Yildiz bestätigt diese Einschätzung mit seiner Sichtweise: "Die Unternehmer haben ihre Verpflichtungen nicht wahrgenommen", sagt er. Und damit kritisiert er Visteon und Tedrive. Die Geschäftsführungen beider Unternehmen habe der Betriebsrat gedrängt, die notwendigen Insolvenzabsicherungen für die eingezahlten Altersteilzeitsummen vorzunehmen. "Doch die wollten das wohl aus dem laufenden Betrieb decken, aus dem Cash", sagt Yildiz. Er sagt das ruhig, ganz ruhig und nüchtern - wohlwissend, dass dieser Umstand für betroffene Kollegen eine wirtschaftliche Katastrophe sein könnte.

Im guten Glauben haben die Menschen - mehrere Dutzend werden es am Standort Wülfrath sein - Verträge über die Altersteilzeit schon bei Visteon abgeschlossen. Das Konstrukt: Die Mitarbeiter bringen 100 Prozent Leistung - bei einer Entlohnung von 80 Prozent. 20 Prozent werden in eine Rücklage eingezahlt. Tritt der Arbeitnehmer die Altersteilzeit an, wird diese über die Rücklage bis zum Renteneintritt finanziert. Und das ist jetzt in Frage gestellt. Sind diese Gelder nicht vor der Insolvenz geschützt, könnte betroffenen Tedrive-Kollegen HartzIV statt Altersteilzeit drohen - oder sie arbeiten weiter...

"Die Altersteilzeit hat bei uns erste Priorität", betont Betriebsratsvorsitzender Yildiz, dass zusammen mit dem Insolvenzverwalter nach Lösungen gesucht werden soll. Der Insolvenzverwalter hält sich bei diesem Thema auf Nachfrage bedeckt. "Es wird alles geprüft", sagt ein Sprecher zur WZ. Einzelgespräche würden geführt. Dass die Altersteilzeiteinzahlungen nicht abgesichert wurden, kommentiert er nicht, dementiert es aber auch nicht.

Im März 2007 hatte Tedrive über die Investmentfirma Orlando Management GmbH aus München die Visteon-Werke in Düren und Wülfrath erworben. Orlando Management war jetzt auch federführend, als die Werft Flensburger Schiffbaugesellschaft gekauft wurde. Die Investoren haben versichert, dass sich für die 700 Beschäftigten nichts ändern werde. Das sagte man auch bei Dienstantritt in Wülfrath. "Wir sind keine Heuschrecke, sondern weit von einer Heuschrecke entfernt", sagte im Mai 2007 Tedrive-Boss Tom Schultz bei der Vorstellung. Das sehen Belegschaft und Gewerkschaft heute ganz anders...

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