Die international tätige israelische Gruppe übernimmt für 21Millionen Euro ein Sechstel des Wohnungsbestands. Für die Mieter soll sich vorerst nichts ändern, hieß es.

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Zum Wohnungspaket, das jetzt an den israelischen Investor verkauft wurde, gehört beispielsweise dieses Haus Am Kostenberg 32.

Zum Wohnungspaket, das jetzt an den israelischen Investor verkauft wurde, gehört beispielsweise dieses Haus Am Kostenberg 32.

Stefan Fries

Zum Wohnungspaket, das jetzt an den israelischen Investor verkauft wurde, gehört beispielsweise dieses Haus Am Kostenberg 32.

Velbert. Die kommunale Wohnungsbaugesellschaft Wobau hat 716 ihrer 4250 Wohneinheiten an den Immobilieninvestor Brack Capital Germany verkauft. Am Montag wurden die Unterschriften unter den Notarvertrag gesetzt. Die israelische Brack Capital Group kauft, verwaltet und entwickelt weltweit Immobilienvermögenswerte.

Auf dem deutschen Markt ist sie seit 2005 aktiv. Unter anderem hat Brack Capital rund 1100 Wohneinheiten von der Landesentwicklungsgesellschaft LEG übernommen. Deutschlandsitz ist Frankfurt, die Wohnungen in Duisburg, Gelsenkirchen, Oberhausen, Wuppertal und demnächst auch Velbert werden von Düsseldorf aus verwaltet.

"Der Investor hat nicht unsere Filetstücke bekommen."

Wobau-Geschäftsführer André Clasen

Verkauft wurden 78 Wohneinheiten an der Heiligenhauser Straße, 144 in den Häusern Am Kostenberg 32, 42 und 52, 96 in den Häusern Heidekamp 1 und 6, insgesamt 238 am Lindenkamp und am Bartelskamp sowie 160Wohnungen an der Von-Humboldt-Straße 2 bis 10. Brack Capital zahlt dafür 21 Millionen Euro.

"Mieterhöhungen sind zurzeit am Markt nicht durchsetzbar"

Eine spezielle Sozialbindung wurde nicht vereinbart. Dennoch werde sich für die Mieter vorerst nichts ändern, sagten gestern Wobau-Geschäftsführer André Clasen und Aufsichtsratsvorsitzender und Bürgermeister Stefan Freitag. "Die Mieter sind zum einen durch die bestehenden Gesetze geschützt. Eineinhalb Jahre lang darf der Investor sowieso nichts machen, alle Rechte und Pflichten aus dem Mietvertrag bleiben für die Bewohner und den Erwerber weiter bestehen", so Clasen.

Beim derzeitigen Überangebot auf dem Wohnungsmarkt seien darüber hinaus Mieterhöhungen nicht durchsetzbar. "Es gibt sofort ein Sonderkündigungsrecht, und die Mieter sind weg", sagte Clasen. Brack Capital habe aber Interesse an einer stabilen Vermietungssituation. "Wir haben uns natürlich auch umgehört, wie das Unternehmen bisher aufgetreten ist, und haben ein positives Feedback bekommen", sagte der Bürgermeister.

Wobau braucht Mittel für Schuldenabbau und Investitionen

Die Wohnungsbaugesellschaft Velbert mbH hatte bisher rund 4300 Wohnungen im Bestand, von denen jetzt 716 verkauft wurden. Die Bilanzsumme beläuft sich laut Geschäftsführer André Clasen auf 128 Millionen Euro, die Verschuldung auf 110 Millionen. 94,9 Prozent der Wobau-Gesellschaftsanteile hält die städtische Holding BVG, 5,1 Prozent die Stadt direkt. 41Mitarbeiter werden beschäftigt.

Das Bürgerbegehren "Pro Wobau" hatte sich gegen das Vorhaben gebildet, 74,9Prozent der Gesellschaftsanteile an einen externen strategischen Partner zu verkaufen. Nachdem die Bürgerinitiative eine genossenschaftliche Lösung abgelehnt hatte, kam es am 11.März 2007 zum Bürgerentscheid. Dieser scheiterte an zu geringer Beteiligung.

Für ein Genossenschaftsmodell hatte sich nach dem Bürgerentscheid die Mehrheit des Stadtrates ausgesprochen. Die Bereitschaft der Mieter, selbst Genossenschaftler zu werden, war allerdings sehr gering. Sechs als Partner für Velbert in Frage kommende Genossenschaften aus der Region winkten ebenfalls ab.

Als "Plan B" hatte die BVG 2007 für rund 15 Millionen Euro 43,9Prozent städtischer Wobau-Anteile übernommen. Dieses Geld floss in den Haushalt der Stadt. Zugleich wurde im September 2007 in nichtöffentlicher Sitzung vom Stadtrat ein "Strategiewechsel" für das Unternehmen beschlossen, zu dem auch der Verkauf von Wohnungsbeständen gehörte.

Der Wohnungsverkauf, so erläuterte Freitag, sei Teil der vor gut eineinhalb Jahren mit großer Mehrheit im Rat festgelegten neuen Strategie für die Wobau. Nachdem der Verkauf von Gesellschaftsanteilen verworfen worden und eine genossenschaftliche Lösung gescheitert war, habe man als Ziele festgelegt, die Eigenkapitalquote des Unternehmens deutlich zu stärken, die Fremdverschuldung zu reduzieren, den Wohnungsbestand auf den geänderten Markt - etwa Seniorenwohnungen - anzupassen und den Bestand zu modernisieren. "Dies geht nur, wenn wir Wohnungen verkaufen", sagte Stefan Freitag. Im Aufsichtsrat sei der jetzige Schritt mit großer Mehrheit beschlossen worden.

In den kommenden Jahren möchte die Wobau noch etwa 400 weitere Wohneinheiten - etwa an der Von-Fraunhofer- und Ringstraße - veräußern. "Damit der Bestand nicht abrutscht, muss investiert werden. Außerdem wollen wir wieder als Bauträger auftreten können. Aber wenn ich jetzt mit einer Eigenkapitalquote von zehn Prozent komme, sagt jede Bank: Das geht gar nicht", sagte André Clasen.

Das jetzt von Brack Capital übernommene Paket sei vor allem nach dem Kriterium eines räumlichen Zusammenhalts zusammengestellt worden - auch aus Gründen der späteren Verwaltung, sagte der Geschäftsführer. Ihm und den Wobau-Mitarbeitern sei es wichtig, dass die Umsetzung - voraussichtlich im Februar wird Brack Capital die Wohnungen übernehmen - gut und für die Mieter möglichst nicht spürbar über die Bühne geht. Es sollen auch sofort neue Ansprechpartner zur Verfügung stehen. "Als städtische Gesellschaft können wir uns kein negatives Image leisten", so Clasen.

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