Ratinger Kind bei Wülfrather Tagesmutter: Das Jugendamt will dafür nicht bezahlen.

Tagesmutter Anke Emmerich mit ihrer Tochter Dana (8; links), Franka und Emilia (beide 2).
Tagesmutter Anke Emmerich mit ihrer Tochter Dana (8; links), Franka und Emilia (beide 2).

Tagesmutter Anke Emmerich mit ihrer Tochter Dana (8; links), Franka und Emilia (beide 2).

Simone Bahrmann

Tagesmutter Anke Emmerich mit ihrer Tochter Dana (8; links), Franka und Emilia (beide 2).

Ratingen/Wülfrath. Endlich ein neuer Job, das Kind bestens versorgt - alles prima eingestielt. Eigentlich könnte jetzt alles glatt laufen. Doch die Hombergerin Beatrice Wotruba (33) ist verzweifelt. Nach wochenlanger Hängepartie hat ihr das Jugendamt mitgeteilt, dass es die Tagesmutter für ihre einjährige Tochter Helene nicht bezahlen wird. Grund: Die Tagesmutter wohnt in Wülfrath.

Hohe Stundenzahl war Bedingung für den neuen Job

Doch auf diese Kinderbetreuung ist Beatrice Wotruba angewiesen. "Ich habe den neuen Job als Redakteurin nur bekommen, weil ich bereit war, 35Wochenstunden zu arbeiten. Mein Mann arbeitet 40 Stunden, Großeltern sind nicht da." Über Privatkontakte hat sie von der Tagesmutter Anke Emmerich erfahren, die auch andere Homberger Kinder betreut. "Ich kenne das Haus und die Frau - alles perfekt."

Dass Anke Emmerich in Wülfrath wohnt, ist für die Homberger Mutter kein Problem - im Gegenteil. Acht bis zehn Minuten dauert die Fahrt, weniger als nach Ratingen-Mitte. Da Wotruba in Homberg nicht mit einem Betreuungsplatz für ihre einjährige Tochter rechnen konnte, stand schnell fest: Helene soll bei Anke Emmerich betreut werden. Deshalb war sie schon mehrfach dort zum Eingewöhnen.

"Ich habe am 12. Oktober beim Jugendamt den Antrag auf Kostenübernahme gestellt und dann wochenlang nichts gehört. Es geht dabei um gut 500 Euro monatlich. Am Dienstag hieß es dann: Antrag abgelehnt." Man habe den Bescheid absichtlich zurückgehalten, "weil sich etwas ändern würde", sagt die Hombergerin.

Als Begründung wurde nur gesagt, das Jugendamt fördere nur noch Tagesmütter in Ratingen, nicht aber in Nachbarstädten. Wotruba will und kann jetzt keine andere Betreuung mehr suchen, zumal die kleine Helene auch keine Zeit mehr zum Umgewöhnen hätte. "Wir als Mütter müssen doch die Wahl haben, wo wir unsere Kinder unterbringen."

Auch Tagesmutter Anke Emmerich (30) versteht die Bürokratenwelt nicht mehr. Ihre derzeit acht betreuten Kinder kommen aus Wülfrath und Mettmann, zwei auch aus Ratingen: das eine seit drei Monaten, das andere seit über einem Jahr.

Und für die beiden Ratinger hat bislang auch das Ratinger Jugendamt gezahlt. "Jetzt heißt es plötzlich, dass das Wülfrather Jugendamt für die Ratinger Kinder die Kosten übernehmen soll."

Dabei steht Emmerich nach eigener Aussage auf der Liste der in Ratingen zugelassenen Tagesmütter. "Ich habe dafür extra die geforderte Schulung und Zusatzqualifikation gemacht", sagt die gelernte Erzieherin. Dass das Wülfrather Amt die Kosten trägt, glaubt sie nicht. "Die Städte machen da nicht mit."

Im Ratinger Jugendamt wollte man sich zunächst zu dem "Einzelfall" nicht äußern. Dagmar Huber, stellvertretende Amtsleiterin, erklärte auf Anfrage, dass es vom städtischen Rechtsamt jetzt eine neue Auslegung des entsprechenden Paragrafen gebe.

Demnach sei nicht der Wohnort der Eltern entscheidend, sondern wo das Kind betreut werde. "Die Tagespflege ist eine Ergänzung der Kindertagesstätten. Dort können auch keine auswärtigen Kinder untergebracht werden." Über die neue Regelung habe man alle Kommunen im Kreis bereits informiert."

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