Manfred und Andreas Bernhardt aus Velbert geben zum 1. Januar den Familienbetrieb auf.

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Manfred Bernhardt (links) und sein Sohn Andreas steigen am 1. Januar für immer vom Dach.

Manfred Bernhardt (links) und sein Sohn Andreas steigen am 1. Januar für immer vom Dach.

Simone Bahrmann

Manfred Bernhardt (links) und sein Sohn Andreas steigen am 1. Januar für immer vom Dach.

Velbert. Auf unzähligen Hochzeiten, Geburtstagen und sonstigen freudigen Anlässen hat Manfred Bernhardt (64) schon gratuliert. Denn, wer einem Schornsteinfeger die Hand reicht, dem ist das Glück hold - so heißt es im Volksmund.

Und so war Manfred Bernhardt in den vergangenen 50 Jahren seiner Berufstätigkeit immer ein gern gesehener Gast. Auch sein Sohn Andres (38), der bei seinem Vater in die Lehre ging, kann die eine oder andere Anekdote aus seinem Leben als Glücksbringer erzählen.

"Ich hätte mir schon gewünscht, dass mein Sohn den Betrieb übernimmt. Aber ich sehe auch, dass er nun ganz neue berufliche Perspektiven hat."

Manfred Bernhardt

Und so schauen beide mit Wehmut auf das nahende Ende. Denn Anfang des Jahres schließt der Familienbetrieb seine Pforten. Vater Manfred geht in den wohlverdienten Ruhestand, der Sohn hat sich auf die energetische Sanierung von Gebäuden spezialisiert. "Ich hätte mir schon gewünscht, dass mein Sohn den Betrieb übernimmt, doch ich sehe auch, dass er nun ganz neue berufliche Perspektiven hat", sagt Manfred Bernhardt.

Der Beruf des Schornsteinfegers hat sich im Laufe der Jahre stark gewandelt. Als Manfred Bernhardt mit 14 Jahren seine Lehre beim traditionellen Schornsteinfegerbetrieb Hüttenmeister begann, da war das Kehren der Kamine noch seine Hauptaufgabe. Heute ist er mit allerlei technischen Gerät bewaffnet, wenn er zu seinen Kunden im Bezirk Dörnberg, Hatzfeld und Barmen kommt.

"In meiner Lehrzeit wurden die Kamine noch sechsmal im Jahr gekehrt, heute höchstens zweimal. Mittlerweile geht es viel mehr um die Überwachung der Technik." Denn die sorgt dafür, dass die Umwelt beim Heizen nicht unnötig belastet wird. "Früher dachte keiner daran, wie etwas verbrennt, hauptsache es war warm in der Stube."

Manfred Bernhardt hatte sich in die Tochter seines Chefs verguckt

Der Beruf des Schornsteinfegers war früher ein sehr angesehener. Verstopfte oder schlecht ziehende Kamine bedeuteten ein kaltes Heim und einen kalten Herd, das Herzstück der damaligen Häuser. Im schlimmsten Falle konnten brennende Rußteilchen zu einem Hausbrand- oder manchmal in der Folge sogar zu einem Dorfbrand führen.
Ein verstopfter Kamin konnte zudem zu lebensgefährlichen, oft todbringenden Vergiftung durch Rauchgas führen. Der Schornsteinfeger, der solcherlei häusliche Gebrechen durch das Fegen des Schornsteins abwenden konnte, war sozusagen als "Retter" zu sehen und dementsprechend hoch geachtet.
Daher rührt wohl auch die Verwendung des Symbols des Schornsteinfegers als Glücksbringer. Verstärkt wird dieses Glück noch bei demjenigen - so sagt der Volksmund -, der auf einen Schornsteinfeger zugeht und ihm die Hand gibt. So kann er auch im nächsten Jahr auf Fortuna hoffen.

Manfred Bernhardt erzählt gerne von seinem Beruf. Auch wenn ihn sein Vater damals zu der Berufswahl drängte. "Mit 13 Jahren haben Sie noch keine Vorstellung von Beruf", sagt Bernhardt. Nur Glück, dass er sich vom ersten Tag an als Schornsteinfeger wohl gefühlt hat.

Das lag vielleicht auch ein wenig daran, dass er sich schon damals in die Tochter seines Chefs verguckt hatte. Und die fand den jungen Burschen ebenfalls attraktiv. "Mit 21 Jahren haben wir geheiratet - und sind bis heute glücklich", erzählt Elisabeth (63). Bleibt nur zu hoffen, dass das Glück der Familie Bernhardt auch in den nächsten Jahren so treu bleibt, wie in der Vergangenheit.

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