Vor 30 Jahren wurde Regina Neudorf (17) getötet. Per DNA-Test soll der Täter jetzt überführt werden.

Velbert/ Wülfrath. Es war der 26. Mai 1979, ein Samstag, als ein Reiter in Velbert eine grausige Entdeckung machte. Auf einem einsamen Feld an der Grenze zwischen den Ortsteilen Neviges und Langenberg lag die Leiche einer jungen Frau - Arme und Beine vom Torso getrennt.

Drei Tage zuvor, gegen 1.15 Uhr morgens, war die 17-jährige Wülfratherin Regina Neudorf zuletzt von Freunden in Wülfrath-Flandersbach gesehen worden. Die Clique hatte in Velbert eine Disco besucht und war auf dem Heimweg. Was danach geschah, kann bis heute nur gemutmaßt werden. Wahrscheinlich traf Regina noch in jener Nacht ihren Mörder. Wo er sie tötete, ist nicht bekannt. "Auf dem Feld hat er die Leichenteile einfach aus dem Wagen geschmissen", gab damals ein Polizeibeamter zu Protokoll.

Trotz Großfahndung konnte der Täter nicht gefunden werden. Bis heute. "Ja, wir haben den Fall wieder aufgenommen", bestätigt Staatsanwalt Rüdiger Ihle vom Landgericht Wuppertal. "Denn heute stehen uns ganz andere Methoden zur Verfügung. DNA-Proben beispielsweise." So wurden an dem Leichnam Blut- und Spermaspuren gesichert, die nunmehr mittels neuester Techniken erfolgreich untersucht wurden. Sogar so erfolgreich, dass ein DNA-Profil erstellt werden konnte.

Im Visier der Fahnder: Metzger und Kopfschlächter

Die Fahndung der Kripo konzentrierte sich damals wie heute auf einen bestimmten Personenkreis: Metzger und Kopfschlächter. Denn die Art und Weise, wie Arme und Beine vom Körper abgetrennt worden waren, deuteten auf einen hin, der sich auskennt. Auf jemanden, der Erfahrung mit der Zerlegung von Tieren wie Rindern oder Schweinen hatte.

Seit Anfang des Jahres schon durchleuchtet die Polizei die Tatverdächtigen erneut. "Wir haben damals 300 Leute unter die Lupe genommen", sagt Kripo-Hauptkommissar Hermann Grüne, der schon 1979 zur Soko "Neudorf" gehörte. "Ein etwa 30-Jähriger landete sogar in Untersuchungshaft. Wir mussten ihn aus Mangel an Beweisen aber wieder laufen lassen." Umso zuversichtlicher ist Grüne, dass der Mörder jetzt, drei Jahrzehnte später, ermittelt werden kann. "Sofern sie noch nicht verstorben sind, haben wir sie alle wiedergefunden - egal, wo sie heute leben", betont der Chefermittler.

Einen der Tatverdächtigen vertritt der Wülfrather Rechtsanwalts Gordon Kirchmann. Und der ärgert sich: "Es ist unglaublich, wie sehr das Verfahren jetzt in die Länge gezogen wird." Sein Mandant habe damals schon in U-Haft gesessen und laufe seit nunmehr zwei Jahren Gefahr, täglich wieder dort zu landen. "Ein unhaltbarer Zustand", schimpft Kirchmann. "Seitdem ist mein Mandant dermaßen eingeschränkt, dass sein Beruf, der ihn oft ins Ausland führt, darunter leidet." Ihm gehe es nicht darum, dass die Ermittlungen wieder aufgenommen wurden, sondern "dass sie sich schon mehr als zwei Jahre hinziehen". In der Tat seien erste Ermittlungsschritte schon 2007 gemacht worden, bestätigt Staatsanwalt Rüdiger Ihle. "Doch erst Anfang dieses Jahres haben sie richtig begonnen." Bis alle damaligen Tatverdächtigen wieder aufgespürt, angeschrieben und letztendlich vorstellig wurden - das brauche nun mal Zeit. Außerdem hätten für das zuständige Kommissariat aktuelle Fälle wie etwa der von Kassandra Vorrang.

"Und sie zum Speicheltest gebeten. Denn das Landeskriminalamt hat DNA-Spuren sichergestellt, die eindeutig vom Täter stammen. Stimmen sie mit einer der Proben überein, haben wir Reginas Mörder." Für Grüne wäre es ein später, aber umso größerer Erfolg. Morgen geht er in den Ruhestand.

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